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Neues über Eiweiß --FERTIG!!Antwort Teoller abwarten

Eine aktuelle europäische Studie mit über 3000 Diabetikern bestätigt: Wer zu viel Eiweiß isst, riskiert eher eine Nierenerkrankung. Schützen Sie sich davor durch mehr Wissen über den richtigen Umgang mit Eiweiß.

Zu viel Eiweiß in der Nahrung belastet die Nieren. Denn bei seinem Verstoffwechseln entstehen Abbauprodukte (Amino-Gruppen), die über die Nieren ausgeschieden werden müssen. Diese Mehrarbeit kann die Nieren auf Dauer überfordern.

Kommen dann noch weitere Risiken hinzu wie hoher Blutdruck oder hohe Blutzucker- und Blutfettwerte, wächst die Gefahr einer Nierenerkrankung noch deutlich an. Schäden an den Nierenkörperchen, die regelrecht veröden, können daraus resultieren. Die Folge: Der Körper ist kaum noch in der Lage, die von ihm nicht mehr benötigten Stoffe über die Niere auszuscheiden. Die Filterfunktion des Organs geht nach und nach verloren. Als erste Anzeichen einer nachlassenden Nierentätigkeit erscheinen winzige Mengen von Eiweiß (Fachbegriff: Albumin) im Urin.

In der EURODIAB-Untersuchung wurde festgestellt, dass viele Diabetiker, die täglich mehr als 20 Prozent ihrer Kalorien in Form von Eiweiß zu sich nahmen, eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß im Urin hatten. Es lag also schon eine beginnende Nierenerkrankung vor! Besonders kritisch wurde es, wenn noch ein erhöhter Blutdruck (über 135/85 mmHg) dazukam. Dann war die Albuminausscheidung nochmals deutlich erhöht.
Was heißt das für den Betroffenen? Erstens: Den Blutdruck senken, zum Beispiel durch salzarme Ernährung. Zweitens: Die täglich verzehrte Eiweißmenge auf maximal 20 Prozent der Gesamtkalorien reduzieren.

 

Was ist Eiweiß?

Eiweiß ist neben den Fett und Kohlehydraten ein Hauptnährstoff für den Menschen. Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte sind die Wichtigsten Eiweißlieferanten. Aber auch Getreide und Hülsenfrüchte enthalten bedeutende Mengen. Der Körper benötigt Eiweiß unter anderem, um Zellen, Hormone, Enzyme und Antikörper zu bilden. Eiweiß besteht aus kleineren Bausteinen, die der Fachmann Aminosäuren nennt. Gleichbedeutend zum Eiweiß wird auch der Begriff Protein verwendet.

Ähnlich wie beim Fett gilt: Viel hilft nicht viel. Schon eine relativ kleine Menge (0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag) reicht aus.

Zu viel tierisches Eiweiß

Besonders der hohe Anteil von tierischem Eiweiß in der Ernährung verursacht oft Probleme. Denn häufig sind Cholesterin und reichlich Fett unerwünschte Begleitstoffe von Fleisch, Wurst & Co. Ein Zuviel an den ebenfalls enthaltenen Purinen belastet die Nieren zusätzlich und begünstigt die Entstehung von Gicht.
Deshalb ist es besser, vermehrt auf pflanzliche Eiweißlieferanten zurückzugreifen. Diese sind frei von den oben genannten schädlichen Begleitstoffen und liefern darüber hinaus meist jede Menge gesunder Ballaststoffe.

So sparen Sie tierisches Eiweiß

  • Beschränken Sie sich auf zwei kleine Portionen (120 g) Fleisch pro Woche. Machen Sie Fleisch zur Beilage, und essen Sie stattdessen mehr Gemüse !
  • Essen Sie nicht jeden Tag Wurst.
  • Aufschnitt, Wurst und Käse möglichst dünn schneiden (30 g pro Portion).
  • Buttermilch ist eine fettarme Eiweißquelle.
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen sind sehr gute Quellen für pflanzliches Eiweiß.
  • Kombinieren Sie verschiedene Eiweißquellen miteinander, zum Beispiel Kartoffeln mit Quark oder Ei, Bohnen mit Brot und Müsli mit Joghurt.

Wie die richtige Menge finden?

Auf den ersten Blick erscheinen 20 Prozent der täglichen Kost als Eiweiß reichlich abstrakt. Manch einer kann sich wenig unter dieser Zahl vorstellen.
Zum besseren Verständnis ein Berechnungsbeispiel: Bei einer täglichen Energieaufnahme von zirka 1800 Kilokalorien entsprechen 20 Prozent der Energie etwa 85 Gramm Eiweiß pro Tag (ein Gramm Eiweiß liefert rund vier Kilokalorien). Auf Lebensmittel umgelegt heißt das: drei Scheiben Brot dünn belegt mit Wurst, Käse oder Quark, einen Joghurt, ein Glas Milch sowie eine kleine Portion Fleisch (120 Gramm), dazu Kartoffeln und Gemüse. Das macht zusammen rund 75 Gramm Eiweiß, und man hat noch etwas „Luft“, zum Beispiel für ein gelegentliches Frühstücksei.
Ungesund ist es, täglich größere Mengen Fleisch und Wurstwaren zu verzehren. So enthält zum Beispiel ein mittelgroßes Steak (200 Gramm) schon über 40 Gramm Eiweiß!

 

So viel Eiweiß ist enthalten

Tierische Lebensmittel Pflanzliche Lebensmittel
1 Portion Fleisch (120 g) 25 g 1 Port. Nudeln (45 g ungekocht) 6 g
1 Scheibe Käse (30 g) 9 g 3 mittlere Kartoffeln (240 g) 5 g
2 Esslöffel Quark (60 g) 8 g 1 Scheibe Brot (60 g) 4 g
1 Glas Milch (250 ml) 8 g 1 Stück Apfelkuchen (100 g) 3 g
1 mittelgroßes Ei 7 g 1 Portion Reis (45 g ungekocht) 3 g
1 Scheibe Fleischwurst (30 g) 5 g 1 Portion Gemüse (200 g) 2 g
1 Portion Joghurt (150 g) 5 g 1 Portion Frischobst (125 g) 1 g

Die Nieren entlasten

Die Nieren müssen bereits bei ersten diabetesbedingten Veränderungen (Albuminausscheidung im Urin = Mikroalbuminurie) entlastet werden. Deshalb soll dann die Menge an Eiweiß in der Nahrung 0,8 Gramm pro Kilogramm wünschenswertem Körpergewicht nicht überschreiten. Das entspricht nur noch etwa zehn Prozent der täglich benötigten Energie. Um diese geringe Menge alltagstauglich, das heißt mit möglichst wenig Verlust an Lebensqualität, zu realisieren, ist die Beratung durch Diabetesfachkräfte nötig.

Warum? Das wird durch folgendes Beispiel deutlich: Für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen bedeuten 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht eine tägliche Eiweißzufuhr von 56 Gramm. Diese Menge wird selbst bei ausgewogener Ernährung schnell überschritten.
Nur durch die gezielte Auswahl von Lebensmitteln kann man die Eiweißzufuhr gut kontrollieren. Fleisch und Fisch dürfen dann nur noch in kleinen Portionen gegessen werden, und auch Ei- und Milcheiweiß sollen nicht zu großzügig verzehrt werden. Bei sehr strenger Eiweißbegrenzung werden selbst beim Gemüse eiweißarme Sorten (zum Beispiel Gurken, Karotten, Paprika, Blattsalat, Tomaten, Zwiebeln) bevorzugt. Manchmal ist dann sogar der Einsatz von speziell hergestellten eiweißarmen Brot-, Back- und Teigwaren erforderlich.

Welche Maßnahmen für den einzelnen Diabetiker bei einer Nierenerkrankung nützlich und sinnvoll sind, wird mit dem behandelnden Diabetesexperten individuell abgeklärt. Wichtig ist, dass Arzt, Diätassistentin und Diabetiker gemeinsam eine langfristige Behandlungsstrategie absprechen. So werden sowohl die medizinischen Gesichtspunkte als auch die persönlichen Ernährungsgewohnheiten und Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes berücksichtigt.


Annette Buyken und Dr. med. Monika Toeller vom Ernährungs-Team des Deutschen Diabetes-Forschungsinstituts in Düsseldorf

aus Diabetiker Ratgeber 10/2000


Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im März 2003 aktualisiert
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