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Die Substanzgruppe der Disaccharidasehemmer (Acarbose und Miglitol)

Substanzgruppe
Acarbose und Miglitol gehören der Substanzklasse der Alpha-Glucosidasehemmer an. Acarbose ist ein aus Bakterienkulturen gewonnenes stickstoffhaltiges Pseudotetrasaccharid. Miglitol ist ein Pseudomonosaccharid. Beide Substanzen sind den natürlichen Kohlenhydraten sehr ähnlich.

Wirkprinzip


Tablettenbehandlung des Diabetes mellitus

Um eine gute Stoffwechseleinstellung des Diabetikers zu erreichen, ist es günstig, wenn die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate aus dem Darm langsam in das Blut gelangen. Acarbose und Miglitol verzögern den Abbau von Kohlenhydraten und somit die Freisetzung von Glukose. Den höchsten Kohlenhydratanteil in der Nahrung beinhaltet Stärke, die aus sehr lang aneinandergelagerten Glukose-Ketten besteht. Wenn die Stärke in den Zwölffingerdarm (Duodenum) gelangt, wird diese in Mehrfachzucker aufgeschlossen. Dies geschieht durch den Zusatz von Verdauungssäften aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). In der Dünndarmwand müssen nun diese Mehrfachzucker gebunden und weiter in Glukose aufgespalten werden, da nur Glukose, ein Einfachzucker, die Darmwand passieren kann, um so schließlich in das Blut zu gelangen. Für die Aufspaltung der Kohlenhydrate sind die Alpha-Glucosidasen zuständig. Acarbose und Miglitol sind Alpha-Glucosidasehemmer und verzögern die Aufspaltung. Auf diese Weise wird der Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten verringert. Dies führt auch zu einer Senkung des HbA1c-Wertes und des Nüchternblutzuckers. Die Aufnahme von Einfachzuckern wie Glukose oder Fruktose wird durch Acarbose oder Miglitol nicht gehemmt.

Achtung: Wenn Acarbose in Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin verabreicht wird, müssen auftretende Unterzuckerungen mit Glukose behandelt werden, da normaler Haushaltszucker (Saccharose) oder Stärke aufgrund der abbauhemmenden Wirkung der Acarbose ihre Wirkung nicht entfalten können!

Einsatzgebiet und Dosierung
Acarbose und Miglitol werden vornehmlich bei Typ 2 Diabetikern eingesetzt. Beide Substanzen haben sich besonders als ergänzende Therapieform zu der Ernährungstherapie bei übergewichtigen (adipösen) Diabetikern bewährt.
Bei Therapiebeginn mit Acarbose oder Miglitol wird initial eine 50 mg-Tablette pro Tag verabreicht. Nach einer Woche wird die Dosis auf 2 mal 1 Tablette täglich, und nach einer weiteren Woche auf 3 mal 1 Tablette täglich erhöht. Die Höchstdosis liegt bei 300 mg pro Tag.
Acarbose oder Miglitol werden direkt mit dem ersten Bissen der Mahlzeiten eingenommen, damit die Kohlenhydrate und die Alpha-Glucosidasehemmer den Dünndarm zur gleichen Zeit erreichen können.
Acarbose und Miglitol können problemlos mit anderen Antidiabetika, zum Beispiel Sulfonylharnstoff-Tabletten oder Metformin kombiniert werden.

Nebenwirkungen
Bei Acarbose und Miglitol kommt es aufgrund des vermehrten Abbaus von Kohlenhydraten im Dickdarm häufig zu Blähungen und einem erhöhten Abgang von Winden. Sehr viel seltener sind weiche Stühle und Durchfall. Manche Patienten berichten auch von Bauchschmerzen, Spannungs- und Völlegefühl.
Diese Nebenwirkungen können jedoch deutlich reduziert werden, wenn Acarbose beziehungsweise Miglitol zu Beginn der Behandlung in einer niedrigen, einschleichenden Dosierung gegeben werden. Die Tablettendosis kann dann langsam gesteigert werden. Zudem kann eine verringerte Aufnahme von Haushaltszucker die Beschwerden geringer ausfallen lassen.

Grenzen der Tablettenbehandlung

Typ 2 Diabetiker, welche mit blutzuckersenkenden Tabletten eingestellt werden, stellen oft zu hohe Anforderungen an ihre "Zuckertabletten". Sie erhoffen sich durch die Einnahme optimale Blutzuckerwerte, sind aber zum Teil wenig motiviert, ihren Lebensstil bezüglich ihrer Ernährung und der oft mangelnden Bewegung zu ändern. Die Möglichkeit der daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Komplikationen und der oft erschwerten Umstellung auf eine Insulintherapie, werden von einem Teil der behandelten Diabetiker ignoriert. Es ist sicherlich nicht einfach, einen Lebensstil, der sich zum Teil über Jahrzehnte etabliert hat, drastisch zu verändern. Diese Änderungen tragen jedoch zu einer stark verbesserten Behandlungsmöglichkeit unter Verminderung von eventuell auftretenden Spätkomplikationen bei.

Wertung der Medikamente

Bewertung
Acarbose und Miglitol können neben der Umstellung der Ernährung einen Beitrag zur Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage leisten, da die Blutzuckerwerte gesenkt werden. Die bislang durchgeführten Studien konnten zeigen, daß der HbA1c-Wert, der die Höhe des Blutzuckers der vergangenen 2 bis 3 Monate anzeigt, deutlich gesenkt werden konnte. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, daß es nicht zu einer Gewichtszunahme kommt, welches besonders für den übergewichtigen Diabetiker von Vorteil ist. Die oft gefürchtete Unterzuckerung (Hypoglykämie), welche eine der häufigsten Nebenwirkungen in der Behandlung mit Insulin und Sulfonylharnstoffpräparaten darstellt, wird bei Einnahme von Acarbose oder Miglitol nicht beobachtet.

Kontraindikation:
Acarbose und Miglitol sollten nicht bei Patienten unter 18 Jahren oder während der Schwangerschaft eingesetzt werden, da keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Diabetiker mit chronischen Darmerkrankungen, zum Beispiel Verengungen oder Geschwüre des Darms oder bei größeren Leistenbrüchen sollte Acarbose oder Miglitol ebenfalls nicht zum Einsatz kommen. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion darf Acarbose nicht eingesetzt werden. Ansonsten ergeben sich für die Anwendung dieser Medikamente keinerlei weitere Einschränkungen.


Gunilla Erdmann, Prof. Dr. med. Werner Scherbaum; Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Kliniik

Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im Januar 2005 aktualisiert

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