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Die Substanzgruppe der Glinide (Repaglinide und Nateglinide)

Substanzgruppe
Repaglinide und Nateglinide sind die ersten Vertreter neuer Substanzklassen von Insulinsekretionsförderern, die in Deutschland seit kurzem im Handel erhältlich sind. Repaglinide gehören zu den Carbamoylmethyl-Benzoesäure-Derivaten und Nateglinide zu den D-Phenylalanin-Derivaten.

Wirkprinzip


Tabletten

Glinide fördern - ähnlich wie die Sulfonyharnstoffderivate - die körpereigene Insulinproduktion, indem sie die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) stimulieren, das Insulin freizusetzen. Durch die erhöhte Insulinausschüttung kann die Glukose aus der Nahrung wieder verwertet werden. Die Insulinfreisetzung erfolgt schneller und weniger langanhaltend als bei den Sulfonylharnstoffen und richtet sich nach der Höhe des Blutzuckerspiegels. Dies führt dazu, daß der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit sinkt und der HbA1c-Wert, welcher die Höhe des Blutzuckers der vergangenen zwei bis drei Monate anzeigt, verbessert wird.

Einsatzgebiet und Dosierung
Glinide kommen ausschließlich beim nichtinsulinabhängigen Typ 2 Diabetiker zum Einsatz. Repaglinide sind als Tabletten zu 0,5mg, 1mg und 2 mg, und Nateglinide sind als Filmtabletten zu 60 mg und 120 mg im Handel. Die Höhe der Tablettendosis richtet sich nach der bisherigen Stoffwechseleinstellung des Diabetikers. Die Tabletten müssen jeweils vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Repaglinide können bei Typ 2 Diabetikern nur in Kombination mit Metformin eingenommen werden, wenn eine maximal tolerierbare Metformin-Dosis nicht ausreicht, um eine gute Blutzuckereinstellung zu gewährleisten. Nateglinide dürfen auch in der Monotherapie angewendet werden.

Nebenwirkungen
Während der Therapie mit Gliniden können Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auftreten. Es sollten Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um Unterzuckerungen während des Autofahrens oder beim Bedienen von Maschinen zu verhindern. Dies ist besonders wichtig für Patienten, die eine reduzierte Wahrnehmung von Warnsymptomen einer Unterzuckerung haben. Es kann zu Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall kommen. In seltenen Fällen wurden Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, und in sehr seltenen Fällen Sehstörungen oder ein Anstieg der Leberenzymwerte beobachtet.

Grenzen der Tablettenbehandlung

Typ 2 Diabetiker, welche mit blutzuckersenkenden Tabletten eingestellt werden, stellen oft zu hohe Anforderungen an ihre "Zuckertabletten". Sie erhoffen sich durch die Einnahme optimale Blutzuckerwerte, sind aber zum Teil wenig motiviert, ihren Lebensstil bezüglich ihrer Ernährung und der oft mangelnden Bewegung zu ändern. Die Möglichkeit der daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Komplikationen und der oft erschwerten Umstellung auf eine Insulintherapie, werden von einem Teil der behandelten Diabetiker ignoriert. Es ist sicherlich nicht einfach, einen Lebensstil, der sich zum Teil über Jahrzehnte etabliert hat, drastisch zu verändern. Diese Änderungen tragen jedoch zu einer stark verbesserten Behandlungsmöglichkeit unter Verminderung von eventuell auftretenden Spätkomplikationen bei.

Wertung der Medikamente

Bewertung
Glinide erlauben eine flexiblere Gestaltung des Tagesablaufs, da keine Zwischenmahlzeiten notwendig sind und Hauptmahlzeiten ausgelassen werden können, ohne daß das Risiko einer Unterzuckerung nennenswert ansteigt.
Für ältere Patienten, welche häufig ihre Mahlzeiten vergessen, kann die Therapie mit Gliniden eine Alternative darstellen. Jedoch muß auch hier bedacht werden, daß Glinide wie die Sulfonylharnstoffpräparate ausschließlich die körpereigene Insulinproduktion fördern. Bei einem Sekundärversagen finden auch Glinide keine Anwendungsmöglichkeit mehr.

Kontraindikation
Glinide sind bei einem Typ 1 Diabetes unwirksam. Patienten mit einer schweren Leber- oder Nierenerkrankung dürfen mit Gliniden nicht behandelt werden. Während der Stillzeit und bei einer bestehenden Schwangerschaft dürfen Glinide nicht eingesetzt werden. Nach schweren Infektionen oder vor größeren Operationen unter Vollnarkose besteht die Gefahr, daß die diabetische Kontrolle verloren geht. In diesem Fällen ist von der Einnahme der Glinide abzusehen.

Repaglinide dürfen nicht gleichzeitig mit Gemfibrozil (Cholesterinsenker) verwendet werden!


Gunilla Erdmann, Prof. Dr. med. Werner Scherbaum; Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Kliniik

Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im Januar 2005 aktualisiert

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