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Therapie mit Insulinpumpen


Die Pumpe kann auch am BH befestigt werden

Der im Nüchternzustand und nach Mahlzeiten erforderliche Insulinbedarf und damit die Funktion der gesunden Bauchspeicheldrüse können am besten mit Hilfe einer Insulinpumpe nachgeahmt werden. Die Insulinpumpe enthält ausschließlich kurzwirksames Insulin, das sie von einem Reservoir kontinuierlich oder als Bolus durch einen Schlauch über eine Nadel in der Regel in das Unterhautfettgewebe einleitet.

Die für jede Tageszeit unterschiedliche Basalrate des Insulins kann mit der Pumpe programmiert werden. Das Insulin wird dann kontinuierlich in der vorgegebenen Menge freigesetzt. Die Basalrate des Insulins deckt den ohne Zufuhr von Nahrung benötigten Insulinbedarf ab.

Zusätzlich ist für die Abdeckung der mit den Mahlzeiten aufgenommenen Glukosemenge jeweils eine Abrufrate erforderlich, die vom Pumpenträger individuell direkt vor jeder Mahlzeit als Bolus ausgelöst wird.

Die Pumpe bleibt in der Regel ständig am Körper des Patienten oder in Reichweite. Die Nadel und das Schlauchsystem zwischen Reservoir/Pumpe und Nadel werden nur alle 2 Tage neu ins Unterhautfettgewebe des Bauchs gelegt.

Das seltenere Wechseln der Nadel bei Insulinpumpen kann zu Hautirritationen, Infektionen oder zu Allergien führen.

Der Vorrat des Insulins in der Pumpe reicht, abhängig von der Basalrate und den Bolusmengen, in der Regel für mehrere Tage. Mit der Pumpe kann Sport getrieben werden; zum Duschen kann die Pumpe kurzfristig abgelegt werden. Manche Pumpen sind sogar wasserdicht, so dass sie auch im Schwimmbad nicht abgelegt werden müssen. Insgesamt bietet die Pumpe die Möglichkeit, einen flexiblen Lebensstil ohne festgeschriebene Mahlzeiten zu führen.

Allerdings ist zu beachten, dass der Pumpenträger genauestens mit den Prinzipien der Anpassung der Insulindosis vertraut sein muss. Er sollte das Verhalten in besonderen Situationen, z.B. bei Sport und Krankheit beherrschen.

Insulinpumpenträger müssen sehr zuverlässig sein und besonders intensiv geschult werden.

Erfahrungsgemäß muss vor der Veranlassung einer Therapie mit der Insulinpumpe eine mindestens 6-monatige Blutzuckereinstellung mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) empfohlen werden. Dabei wird nochmals die genaue Anpassung der Insulindosis erlernt und die Indikation zur Therapie mit der Insulinpumpe überprüft.

Die ständig bestehende Möglichkeit eines technischen Defekts der Pumpe kann beim Pumpenträger zur latenten Unsicherheit führen. Da gelegentlich wegen der Verstopfung des insulinführenden Schlauchs zwischen Pumpe und Nadel ein Defizit in der Insulinversorgung auftritt, muss der Pumpenträger in der Lage sein, Defekte zu erkennen und kurzfristig auf die herkömmlichen Insulininjektionen umzuwechseln.

Weiterhin sind bei Insulinzufuhr durch eine Pumpe täglich mindestens 4 Blutzuckerkontrollen erforderlich. Ohne diese Kontrollen ist das Risiko einer Stoffwechselentgleisung gegenüber der herkömmlichen Insulininjektion erhöht.

Die Behandlung mit der Pumpe kann dann problematisch werden, wenn der Pumpenträger alleine lebt und auftretende Unterzuckerungen nicht richtig oder frühzeitig wahrnehmen kann. Dann besteht die Gefahr eines Komas, da die Pumpe nicht gestoppt wird und durch weiteres Pumpen von Insulin in den Körper die Unterzuckerung noch verstärkt wird. Trotzdem ist die Pumpe gerade für Diabetiker mit häufigen schweren und besonders mit nächtlichen Unterzuckerungen besonders geeignet, da die Anzahl von Hypoglykämien durch das außerhalb des Körpers liegende Insulindepot und die gute Steuerbarkeit der Insulinzufuhr verringert werden kann.

Die Insulinpumpe eignet sich vor allem für Diabetiker mit einem unregelmäßigen Lebensrhythmus, wie z.B. Schichtarbeiter. Wenn selbst durch 4 mal tägliche Insulininjektionen keine ausreichende Einstellung der Blutzuckerwerte erreicht werden kann oder häufige Schwankungen der Blutzuckerwerte auftreten, bietet die Insulinpumpe meist Vorteile, die zu einer besseren Stoffwechseleinstellung mit deutlich verbesserten HbA1c-Werten führen. Auch Diabetiker mit nur sehr geringem Insulinbedarf können mit der Pumpe in der Regel eine bessere kontinuierliche Insulinwirkung erzielen.

Besteht der Wunsch nach mehr beruflicher und privater Flexibilität, insbesondere auch bei sehr wechselnder körperlicher Betätigung oder Sport, so ist die Insulinpumpe meist erfolgreich.

Außerdem kann es sinnvoll sein, die Behandlung auf die Insulinzufuhr mittels Pumpe umzustellen, wenn (meist bei Typ 1 Diabetikern) das Therapieziel einer stabilen Blutzucker-einstellung mit günstigem HbA1c-Wert mit Einsatz der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) nicht erreicht wird. In Fällen, in denen kurzfristig eine sehr genaue Einstellung des Blutzuckerspiegels notwendig ist, wie z.B. bei Schwangerschaft, Operationen oder Wundheilungsstörungen, bietet die Insulinpumpe eine sinnvolle Lösung.

Dr. Melanie Stapperfend, Prof. Dr. Werner Scherbaum, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf

Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im Juni 2001 aktualisiert

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