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Mit Metformin gegen Alzheimer?

Ein internationales Forscherteam konnte in einem Mausmodell zeigen, dass Metformin - ein seit langem bei Typ 2 Diabetes eingesetztes Medikament - auch bei der Behandlung der Alzheimer-Erkrankung eine entscheidende Rolle spielen könnte.


Aktuellen Untersuchungen zufolge könnte das Diabetes-Medikament Metformin auch bei M. Alzheimer helfen

Aktuellen Untersuchungen zufolge könnte das Diabetes-Medikament Metformin auch bei M. Alzheimer helfen.
Foto: DDZ

Morbus Alzheimer (M. Alzheimer) ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Hierbei führen absterbende Nervenzellen im Gehirn zu einer kontinuierlichen Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses und der Aufmerksamkeit. Darüber hinaus können die betroffenen Personen Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen aufweisen. Alzheimer gehört zur Gruppe der Demenzerkrankungen, die vorwiegend ab einem Alter von 65 Jahren auftreten.

Bereits viele Jahre vor den ersten Symptomen bilden sich in den Nervenzellen der Betroffenen schädliche Ablagerungen, die hauptsächlich aus einem bestimmten Eiweiß, Tau genannt, bestehen. Bei gesunden Menschen ist dieses Tau-Eiweiß am Transport von Substanzen innerhalb der Zelle beteiligt. Im Gehirngewebe von M. Alzheimer-Patienten liegt das Eiweiß jedoch teilweise in veränderter Form vor, sodass es nicht mehr in der Lage ist, seine Funktion zu übernehmen. Stattdessen lagert es sich ab und führt zu einem Absterben der Nervenzellen.

"Schuld" an diesem Zustand ist ein defektes Enzym, das als PP2A bezeichnet wird. Normalerweise sorgt PP2A dafür, dass Tau immer funktionstüchtig bleibt. Bei M. Alzheimer ist die Aktivität dieses Enzyms jedoch erniedrigt. In der Folge fällt zunehmend inaktives und damit "schädliches" Tau an.

Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass das orale Antidiabetikum Metformin, welches das Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung des Typ 2 Diabetes darstellt, eine Aktivierung des PP2A-Enzyms bewirkt. Auf diese Weise kann schädliches Tau-Eiweiß wieder in eine aktive Form umgewandelt werden. Die für M. Alzheimer typischen Ablagerungen würden nicht mehr auftreten.

Nach Ansicht der Wissenschaftler deutet alles auf einen vorteilhaften Effekt des Metformins in der Langzeit-Therapie hin und schürt u.a. die Hoffnung, dass eine nervenschützende Wirkung bei Patienten mit einer erblich bedingten Anlage für M. Alzheimer vorliegen könne. Die hier vorgestellten Untersuchungen erfolgten jedoch zunächst an Mäusen und in der Zellkultur. Weitere Versuche sind erforderlich, um die gewonnenen Erkenntnisse zu bestätigen. Anschließend soll in klinischen Studien die Wirkung beim Menschen getestet werden.

Quelle: Kickstein et al. Biguanide metformin acts on tau phosphorylation via mTOR/protein phosphatase 2A (PP2A) signalling. Proc Natl Acad Sci U S A. 2010 Nov 22. [Epub ahead of print]


Gunilla Erdmann, Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Stand: 22.12.2010

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