Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
zurück

Wie der Body-Mass-Index die Sterblichkeit beeinflusst

(17.12.2010) Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) kann Hinweise auf ein gesteigertes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und einer daraus resultierenden erhöhten Sterblichkeit geben. Detaillierte sowie umfassende Untersuchungen hierzu existierten bisher allerdings nicht. In einer aktuellen Studie wurde nun exakt dargelegt, wie sich der BMI auf die Lebensdauer auswirken kann.


Laut aktueller Studien ist ein hoher BMI mit einer verkürzten Lebensdauer verbunden.

Laut aktueller Studien ist ein hoher BMI mit einer verkürzten Lebensdauer verbunden.
Foto: ABDA

Der BMI gibt Auskunft über das Verhältnis zwischen dem Gewicht eines Menschen und seiner Körpergröße und kann somit auch Hinweise auf den Gesundheitszustand liefern. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft deutet ein BMI (immer in Kilogramm pro Quadratmeter angegeben) oberhalb von 25 auf Übergewicht hin, ein Wert von 30 oder mehr ist ein Zeichen für Fettsucht (Adipositas). Personen mit einem BMI unterhalb von 18,5 laufen wiederum Gefahr, untergewichtig zu sein. Allerdings handelt es sich beim BMI nur um einen groben Richtwert. Wie sich das Körpergewicht zusammensetzt, also wie hoch Körperfett- und Muskelanteil sind, wird hier nicht berücksichtigt. Auch Alter, Geschlecht und Körperstatur gehen nicht immer in die Berechnung mit ein. So haben Sportler einen hohen BMI, der jedoch aus der größeren Muskelmasse resultiert und nichts mit Übergewicht zu tun hat.

In einer aktuellen Arbeit hat eine internationale Forschergruppe die Daten aus 19 prospektiven Studien gesammelt und übergreifend ausgewertet. Für die Untersuchung standen so Informationen von insgesamt 1,46 Millionen weißen Erwachsenen (42 Prozent Männer, 58 Prozent Frauen) zur Verfügung. Über einen Zeitraum von durchschnittlich mehr als zehn Jahren - je nach Studie umfasste die Untersuchung fünf bis 28 Jahre - wurde die Sterblichkeit (Mortalität) in Bezug auf den jeweiligen BMI gemessen. Zusätzlich wurden Alter, Geschlecht, Ausbildungsstand, sportliche Aktivitäten sowie der Alkoholkonsum der Teilnehmer speziell berücksichtigt.

Das Alter der untersuchten Personen reichte von 19 bis 84 Jahren, das Durchschnittsalter betrug 58 Jahre. Der BMI lag durchschnittlich bei 26,2. Insgesamt 160.087 Teilnehmer verstarben während der Studien, 35.369 davon waren zum Zeitpunkt des Studienbeginns Nichtraucher und hatten nach eigenen Angaben weder Krebs noch eine Herz-Kreislauferkrankung. Die Ergebnisse bei den Frauen waren vergleichbar mit den Daten der männlichen Teilnehmer.

Die Autoren der im New England Journal of Medicine veröffentlichten Arbeit kommen zu dem Schluss, dass Übergewicht und Adipositas mit einer verkürzten Lebensdauer assoziiert sind. Laut Studie weisen Erwachsene mit einem BMI zwischen 20,0 und 24,9 unabhängig vom Geschlecht die geringste Mortalität auf. Bisherige Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen, allerdings war dort die Zahl der untersuchten Personen deutlich geringer.


Dr. Olaf Spörkel, Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz-Zentrum für Diabetesforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Quelle: Berrington de Gonzalez A, Hartge P, Cerhan JR et al.: Body-mass index and mortality among 1.46 million white adults; N Engl J Med. 2010 Dec 2;363(23):2211-9.

zurück