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Enge Wechselbeziehungen zwischen Diabetes und Depression

(03.12.2010) Die Krankheitsbilder Depression und Typ 2 Diabetes sind in den USA besonders häufig vertreten (hohe Prävalenz). Schätzungen zufolge leiden mehr als zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung an einem Typ 2 Diabetes. Das Vorhandensein einer Depression wird mit knapp sieben Prozent angegeben.


Die beiden Erkrankungen Typ 2 Diabetes und Depression können sich gegenseitig bedingen.

Die beiden Erkrankungen Typ 2 Diabetes und Depression können sich gegenseitig bedingen.

Eine Depression ist eine ernstzunehmende und behandlungsbedürftige Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Appetit- und Schlaflosigkeit sowie Störung des 24-Stunden-Rhythmus und weitere körperliche wie psychische Symptome. Allerdings geht nicht jede Verstimmung mit einer Depression einher. Während eine Verstimmung allein durch Zuspruch oder Zuwendung oft zu lindern ist, gelingt dies bei einer Depression nicht.

In der gegenwärtigen Literatur wird der Zusammenhang zwischen Typ 2 Diabetes und Depression als bidirektional beschrieben, das bedeutet, beide Erkrankungen können sich gegenseitig bedingen. So kann eine Depression ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Diabetes darstellen. Im umgekehrten Fall kann ein Typ 2 Diabetes das Auftreten einer Depression begünstigen. Diese Erkenntnisse basieren zumeist auf retrospektiven Studien.

In einer aktuellen Studie wurden 65.381 Frauen in einem Alter von 50 bis 75 Jahren prospektiv über einen Zeitraum von zehn Jahren (1996-2006) untersucht. Während dieses Zeitraums wurden 2.844 neu aufgetretene Diabetes-Fälle dokumentiert und 7.415 Frauen entwickelten eine Depression. Das relative Risiko, einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, lag bei Frauen mit einer diagnostizierten Depression bei 17 Prozent. Bei den Frauen, die Antidepressiva einnahmen, lag das Risiko sogar bei 25 Prozent, verglichen mit Frauen ohne Depression.

Eine parallele Untersuchungsreihe zeigte, dass Frauen mit Typ 2 Diabetes ein relatives Risiko von 29 Prozent hatten, an einer Depression zu erkranken. Unter Behandlung mit Insulin stieg das relative Risiko sogar um 53 Prozent im Vergleich zu Frauen ohne Diabetes. Die Ergebnisse konnten zwar zeigen, dass Frauen mit einem Typ 2 Diabetes einen höheren Body Mass Index hatten und weniger körperlich aktiv waren. Jedoch auch nach Adjustierung dieser Risikofaktoren hatte eine Depression Einfluss auf das Auftreten eines Diabetes.

Besonders wichtig ist die Beziehung zwischen Stress und Diabetes. Eine Depression kann durch biochemische oder physiologische Veränderungen, welche durch einen Diabetes, die Diabetesbehandlung oder durch die psychische Belastung im Umgang mit der Erkrankung hervorgerufen wird, entstehen.

Änderungen des Lebensstils sowie eine wirksame Gewichtskontrolle können beide Risiken jedoch positiv beeinflussen. Die Autoren der Studie betonen, dass die Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen (Antidepressiva) ein Marker für schwerere, chronische oder immer wiederkehrende depressive Episoden sein kann, wobei jedoch auch nicht ausgeschlossen ist, dass die Medikamente an sich das Risiko für einen Typ 2 Diabetes erhöhen. Zusätzliche Studien sind vonnöten, um weitere potenzielle Mechanismen für diese enge Wechselbeziehung zwischen Diabetes und Depression zu erforschen.


Gunilla Erdmann, Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung


Quelle: Pan et al. Bidirectional Association Between Depression and Type 2 Diabetes Mellitus in Women. Arch Intern Med. 2010;170(21):1884-1891

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