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Diabetes-Risiko-Test wird genauer

(26.04.2010) Ob ein Patient Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab. Jeder hat ein individuelles Risiko. Um dieses Risiko besser einzuschätzen, setzen viele Ärzte einen Diabetes-Risiko-Test (DRT) ein. Beim DRT werden bestimmte Risikofaktoren abgefragt, die das Diabetesrisiko merklich beeinflussen wie z.B. das Alter oder der Ernährungsstil.




Ergibt der Test ein erhöhtes Risiko und der Patient ändert daraufhin etwa seinen Lebensstil, kann die Entstehung der Erkrankung verzögert oder ganz verhindert werden. Geeignet zur Vorbeugung ist eine gezielte Änderung des Lebensstils, die Einnahme von Medikamenten oder chirurgische Eingriffe zur Behandlung starken Übergewichts (bariatrische Chirurgie).

Jetzt schlagen Diabetes-Experten, so auch Prof. Dr. med. Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf vor, den DRT zu erweitern. Es sollen zusätzlich so genannte Biomarker, wie z.B. der Blutzucker, bei der Bestimmung des Diabetesrisikos beachtet werden. Außerdem wollen die Autoren des kürzlich im Deutschen Ärzteblatt erschienenen Artikels den DRT in die hausärztliche Vorsorge einbauen und zur Erfolgskontrolle der Vorbeugung von Diabetes mellitus Typ 2 einsetzen.

Der DRT basiert auf Kohortenstudien mit 25 000 Teilnehmern aus der deutschen Allgemeinbevölkerung. Bei den Studienteilnehmern wurden die Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ 2 bestimmt - und zwar bevor die Erkrankung auftrat. Die Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von sieben Jahren beobachtet. Während dieser Zeit wurden 849 Fälle von Diabetes mellitus Typ 2 neu diagnostiziert. In einer zweiten Kohortenstudie konnten die Ergebnisse bestätigt werden.

Studienergebnisse aus anderen Ländern wie z.B. Nordamerika oder Finnland sind auf deutsche Verhältnisse übrigens schlecht übertragbar: Die Bevölkerung anderer Länder unterscheidet sich von der deutschen Bevölkerung unter Anderem in den Punkten Ernährung, Lebensstil und erblichen Einflüssen - all diese Faktoren beeinflussen aber das Diabetesrisiko.

So funktioniert der DRT bisher
Die Studien zeigten, dass bestimmte Risikofaktoren stärker zum Gesamtrisiko für Diabetes mellitus Typ 2 beitragen. Vor allem diese Faktoren werden beim DRT abgefragt: Alter, Bauchumfang und Körpergröße, Bluthochdruck, Verzehr von Vollkornbrot, rotem Fleisch, Kaffee und Alkohol, Rauchen und sportliche Aktivität. Jedem Risikofaktor ist ein bestimmter Punktwert (Score) zugeteilt. Je höher der Gesamtwert, desto höher das Risiko.

Derzeit liegt der Grenzwert für ein hohes bzw. sehr hohes Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken bei einem Score von 49 Punkten. Mit diesem Grenzwert können 85 von 100 der in den nächsten fünf Jahren in der Normalbevölkerung zu erwartenden Diabetesfälle identifiziert werden (Sensitivität).

Biomarker machen den DRT genauer
Durch die Messung bestimmter Blutwerte - sogenannte Biomarker - wird der DRT genauer. Werden die Werte für Blutzucker (Plasmaglukose), Blutfette (Triglyceride, HDL-Cholesterin), Langzeitblutzucker (HbA1c) und Leberenzyme (gamma-GT, GPT) ebenfalls beachtet, lässt sich die Sensitivität des Risikotests steigern. Dies gilt besonders für den Wert des Nüchternblutzuckers. Werden die Werte für Nüchternblutzucker mit den Punktwerten des DRT kombiniert, lassen sich Hochrisikopatienten besser identifizieren. Je genauer die individuellen Risikofaktoren eines Patienten bekannt sind, desto gezielter kann der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 vorgebeugt werden.

Hohes Risiko - und dann?
Stellt der Arzt bei einem Patienten ein hohes oder sehr hohes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 fest, wird er zunächst seinen Patienten über die Bedeutung des Testergebnisses aufklären. Der Patient sollte zunächst seinen Lebensstil umstellen, d.h. sich z.B. gesünder ernähren und mehr bewegen, bevor über eine zusätzliche medikamentöse Behandlung entschieden wird.

Da Hochrisikopatienten für Diabetes mellitus Typ 2 auch ein hohes Risiko für makrovaskuläre Erkrankungen (z.B. Erkrankungen der Herzkranzgefäße) haben, werden weitere Untersuchungen eingeleitet und gegebenenfalls weitere vorbeugende oder therapeutische Maßnahmen eingeleitet.


Dr. Judith Amann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Hans-Georg Joost, Andreas Fritsche, Hans-Ulrich Häring, Andreas F. H. Pfeiffer, Michael Roden, Matthias B. Schulze. Diabetes mellitus Typ 2: Risikobestimmung wird präzisiert. Dtsch Ärztebl 2010; 107(13): A 600-2

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