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Kann zusätzliches Metformin bei Typ 1 Diabetes sinnvoll sein?

(11.02.2010) Bei Typ 2 Diabetes ist Metformin das Medikament der ersten Wahl. Es wirkt der Insulinunempfindlichkeit (Insulinresistenz) der meist übergewichtigen Patienten entgegen, die den Typ 2 Diabetes hauptsächlich verursacht. Die Glukoseneubildung in der Leber wird gedrosselt wie klinische Studien zeigen konnten, der Blutzucker sinkt. Weiter gibt es Hinweise, dass es die Glukose-Aufnahme im Darm hemmt und den Übertritt von Glukose in die Muskelzellen beschleunigt und die Fettverbrennung fördert. Jedoch konnten diese Effekte in Studien noch nicht sicher nachgewiesen werden. Metformin begünstigt die Gewichtsabnahme und senkt das Risiko für Herzinfarkte sowie Schlaganfälle.





Foto: ABDA

Obwohl der Typ 1 Diabetes durch einen autoimmunbedingten Insulinmangel hervorgerufen wird, haben sich diverse Studien in der Vergangenheit damit befasst, ob Metformin auch bei Typ 1 Diabetes zusätzlich zur Insulintherapie hilfreich sein könnte. Wissenschaftler der britischen Universität Dundee haben Studien zu ergänzender Metformingabe herausgesucht und diese zusammenfassend analysiert. Es kam ihnen darauf an, Studien zu betrachten, bei denen die Patienten zufällig den verschiedenen Behandlungsgruppen zugeordnet (randomisiert) waren. In ihrer systematischen Übersicht kommen sie zu dem Schluss: Metformin kann möglicherweise dazu beitragen, dass bei Typ 1 Diabetes weniger Insulin gespritzt werden muss.

In der im Fachmagazin Diabetologia veröffentlichten Arbeit haben S. Vella und Kollegen vom Biomedical Research Centre in Dundee zunächst insgesamt 187 Studien zu Metformin bei Typ 1 Diabetes in einer umfassenden Recherche ermittelt. Geeignet für eine Auswertung waren neun randomisierte Studien. Die Studien waren sehr unterschiedlich hinsichtlich Studiendesign, Medikamentendosierung, Alter der Teilnehmer und Zeit der Nachbeobachtung. Nur die Ergebnisse zur Insulindosierung und dem Langzeitblutzuckerwert HbA1c konnten zusammengefasst statistisch auswertet werden in einer sogenannten Meta-Analyse, die auf lediglich fünf Studien basierte. Insgesamt umfasste die Auswertung rund 193 Patientenjahre.

Trotz der unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen der Studien konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Patienten unter zusätzlicher Metformin-Einnahme vermindert Insulin benötigten (durchschnittlich 6,6 Insulineinheiten pro Tag). Die Blutzuckereinstellung war durch Metformin jedoch nicht verbessert, wie der Langzeitwert HbA1c zeigte. In punkto Nebenwirkungen zeigte sich in sieben Studien ein Trend zu Unterzuckerungen, der aber nur in zwei kleineren Studien statistisch signifikant war. Ansonsten wurde Metformin gut vertragen, berichten die Autoren. Es gab im Zusammenhang mit Metformin keine beobachtete schwer wiegende Übersäuerung des Blutes (Laktatazidose). Möglicherweise bewirkt Metformin auch eine leichte Gewichtsabnahme. In drei von sechs Studien nahmen die Teilnehmer unter zusätzlicher Einnahme von Metformin 1,7 bis 6,0 Kilogramm ab. Eine anhaltende und statistisch signifikante Gewichtsabnahme von durchschnittlich 1,74 Kilogramm ergab nur die größte und längste Studie mit 100 Teilnehmern und einer Studiendauer von 12 Monaten.

Die Autoren räumen die eingeschränkte Aussagekraft der Ergebnisse durch die begrenzten und verschiedenartigen Daten ein. Trotz der Anhaltspunkte dafür, dass eine zusätzliche Gabe von Metformin bei Typ 1 Diabetes die Menge an benötigtem Insulin senkte, zeigte sich kein verbesserter Glukose-Stoffwechsel. Die Frage bleibt, ob eine Behandlung mit zusätzlich gegebenem Metformin bei Typ 1 Diabetes über ein Jahr hinaus, dazu beitragen kann, dass weniger Insulin gespritzt werden muss. Offen bleibt weiterhin auch, ob der herzschützende Effekt, der für Metformin bei Typ 2 Diabetes bereits durch eine Studie, die UKPDS Studie, belegt ist, auch beim Einsatz bei Typ 1 Diabetes zum Tragen kommen könnte. Nur in umfassenderen Studien kann geklärt werden, ob die kombinierte Behandlung mit Insulin und Metformin bei Typ 1 Diabetes tatsächlich Vorteile bietet.

Wie die Autoren ferner berichten, wird Metformin mitunter bereits bei übergewichtigen oder adipösen Typ 1 Diabetikern gegeben. Dieses habe die Betrachtung anonymisierter Verschreibungsdaten bei Typ 1 Diabetes ergeben. Hierzu, muss betont werden, gibt es keinerlei wissenschaftlich begründete Empfehlung. Metformin ist zur Behandlung des Typ 1 Diabetes nicht zugelassen.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Vella S et al. The use of metformin in type 1 diabetes: a systematic review of efficacy. Diabetologia 8. Januar 2010, [Epub ahead of print] DOI 10.1007/s00125-009-1636-9

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