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Bei der Vererbung von Diabetes Typ 2 ist Mutter nicht gleich Vater

(04.02.2010) Diabetes ist erblich. Haben die Eltern oder nahe Verwandte Diabetes Typ 1 oder Typ 2 steigt das Risiko ebenfalls an Diabetes zu erkranken. Manche der spezifischen Erbinformationen - also Gene - die zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führen, sind bekannt. Jetzt haben Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen der Vererbung komplexer Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes Typ 2, und dem Ursprung der Genvariante (der Fachbegriff ist Allel) untersucht.


Familie


Foto: AOK-Bundesverband

Die Autoren um Augustine Kong berichten in der Fachzeitschrift "Nature", dass es für das Krankheitsrisiko des Einzelnen eine Rolle spielen kann, ob er bestimmte Allele von der Mutter oder vom Vater geerbt hat. Das Risiko zum Beispiel an Diabetes Typ 2 zu erkranken muss nicht in beiden Fällen gleich hoch sein. Für vier Genmarker, die mit einem erhöhten Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken zusammenhängen, kommt es darauf an, ob Mutter oder Vater diese weitergeben.

Die Genomdaten von 38 167 Isländern wurden auf bestimmte Regionen im Genom analysiert, die mit Genen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krankheiten assoziiert sind. Solche Regionen werden Marker genannt. Neben drei Markern für Diabetes Typ 2 wurden auch Marker für andere komplexe Krankheiten im Hinblick auf die Bedeutung der Vererbung durch Mutter oder Vater untersucht.

Für bestimmte Marker gilt: Nur die Mutter vererbt ein Risiko
Das Forscherteam um Kong konnte für drei bereits bekannte Marker nachweisen, dass es für das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken eine Rolle spielt, ob das entsprechende Gen von der Mutter oder vom Vater geerbt wurde. Drei der Genmarker sind mit einem erhöhten Krankheitsrisiko für Diabetes Typ 2 assoziiert - allerdings nur, wenn sie von der Mutter geerbt wurden. Stammt die entsprechende Region im Genom vom Vater, besteht kein höheres Krankheitsrisiko.

Neuer Marker für Diabetes Typ 2 entdeckt
Bei ihren Analysen stießen die Forscher auf einen bisher unbekannten genetischen Marker für Diabetes Typ 2. Auch hier spielt die Vererbung durch Mutter oder Vater eine entscheidende Rolle: Wird die Genvariante vom Vater geerbt, hat der Betroffene ein erhöhtes Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Bei Vererbung der gleichen Genvariante durch die Mutter ist allerdings das Gegenteil der Fall: Nicht nur ist das Krankheitsrisiko nicht erhöht, sondern die mütterliche Variante schützt auch vor der Entwicklung von Diabetes Typ 2.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass die Vererbung komplexer Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes Typ 2, vielschichtiger funktioniert als bisher angenommen.


Judith Amann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Kong et al. Parental origin of sequence variants associated with complex diseases. Nature 462: 868-874, 2009; doi:10.1038/nature08625

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