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Männer sind stärker von Insulinresistenz betroffen

(20.01.2010) Eine Ursache für Diabetes Typ 2 ist, dass Körperzellen resistent gegen Insulin werden. Insulinresistenz bedeutet, dass die Zellen nicht mehr auf Insulin ansprechen. In Bezug auf die Insulinresistenz gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Obwohl Frauen häufiger stark übergewichtig sind - einer der Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 - sind Männer anfälliger für Insulinresistenz.





Foto: Public Relations Bollmann

Das Autorenteam Eliza B. Geer und Wei Shen kommt in einem Übersichtsartikel zu dem Schluss, dass wahrscheinlich der spezifische Körperbau von Männern und Frauen, deren Körperfett unterschiedlich verteilt ist, zu einer höheren Insulinresistenz bei Männern führt. Frauen sind zudem möglicherweise durch das weibliche Hormon Östrogen vor Insulinresistenz geschützt.

Die Autoren Geer und Shen haben wissenschaftliche Studien im Hinblick auf Geschlechtsunterschiede bei Insulinresistenz, Köperbau und Energieumsatz ausgewertet und zusammengefasst.

Männlicher Körperbau unterstützt Insulinresistenz
Schon lange ist bekannt, dass sich Männer und Frauen im Körperbau unterscheiden: Während Männer mehr fettfreie Körpermasse haben und sich ihr Fettgewebe hauptsächlich um die Körpermitte ansammelt, haben Frauen mehr Fettgewebe, dass sich vor allem auf Hüfte und Oberschenkel verteilt. Zudem findet sich bei Männern mehr Fettgewebe in der Bauchhöhle (viszerales Fettgewebe) und in der Leber (hepatisches Fettgewebe) als bei Frauen. Diese haben im Gegenzug vergleichsweise mehr Unterhautfettgewebe (subkutanes Fettgewebe). Genau dieser Unterschied scheint für die Empfindlichkeit gegenüber Insulin entscheident zu sein: So wurde in Studien festgestellt, dass viszerales Fettgewebe mit einem erhöhten Insulinspiegel nach Mahlzeiten (postprandialer Insulinspiegel), sowie einem erhöhten Spiegel an freien Fettsäuren und Triglyceriden zusammen auftritt. Außerdem sind viszerales und subkutanes Fettgewebe in unterschiedlicher Weise stoffwechselaktiv. Insgesamt scheint der weibliche Körperbau eine empflindlichere Umgebung für Insulin zu schaffen.

Weibliches Sexualhormon schützt wahrscheinlich vor Insulinresistenz
Die unterschiedliche Verteilung des Körperfetts bei Männern und Frauen ist möglicherweise auf die Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen zurückzuführen. Zusätzlich schützt es wahrscheinlich vor der Entwicklung einer Insulinresistenz. In Studien wurde nämlich belegt, dass Frauen nach den Wechseljahren - also wenn der Östrogenspiegel sinkt - weniger empfindlich gegenüber Insulin werden. Eine Östrogengabe hingegen wirkt dem entgegen.

Für diese Schutzwirkung werden verschiedene Mechanismen diskutiert. Zum einen spielt Östrogen eine Rolle im Zuckerstoffwechsel und könnte sich direkt auf das Insulingleichgewicht auswirken. In Tiermodellen für Diabetes schützt Östrogen vor einer Überzuckerung. Außerdem schützt Östrogen wahrscheinlich vor oxidativem Stress. Eine der ausgewerteten Studien belegt, dass Östrogen die Funktion und das Überleben der insulinproduzierenden Beta-Zellen im Pankreas (Bauchspeicheldrüse) bei oxidativem Stress schützt.

Botenstoffe des Fettgewebes spielen eine wichtige Rolle
Auch für männliche Sexualhormone wie zum Beispiel Testosteron wird ein Einfluss auf das Fettgewebe und die Insulinresistenz diskutiert. So vermindern männliche Sexualhormone möglicherweise die Konzentration von Adiponektin im Plasma. Dieses Hormon wird ausschließlich im Fettgewebe produziert und schützt wahrscheinlich vor der Entwicklung von Diabetes. In Studien wurde festgestellt, dass bestehende Insulinresistenz und starkes Übergewicht mit einem niedrigen Adiponektinlevel assoziiert sind. Möglicherweise rufen gerade die niedrigen Konzentrationen an Adiponektin eine erhöhte Insulinresistenz hervor. Adiponektin verbessert die Empfindlichkeit für Insulin in Muskel- und Leberzellen. Frauen haben einen höheren Adiponektinlevel als Männer und dies könnte auf die Wirkung von Testosteron zurückzuführen sein.

Fazit:
Auch wenn die Zusammenhänge noch nicht genau aufgeklärt sind, steht fest: Männer sind stärker von Insulinresistenz betroffen als Frauen. Als Ursachen dafür kommen vor allem die unterschiedliche Verteilung von Körperfett sowie die unterschiedlichen Level der Hormone Östrogen und Adiponektin bei Männern und Frauen in Frage.


Judith Amann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: E. B. Geer and W. Shen. Gender Differences in Insulin Resistence, Body Composition, and Energy Balance. Gender Medicine 6: 60-75, 2009; doi:10.1016/j.genm.2009.02.002

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