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Überraschende Erkenntnisse bei Diabetes und Alzheimer

(15.12.2009) Diabetes und Alzheimer – zwei Krankheiten, die unter älteren Menschen weit verbreitet sind. Häufig gehen sie sogar Hand in Hand einher: Studien weisen darauf hin, dass Diabetiker ein höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Welchen Einfluss die Diabetes-Erkrankung aber auf den Verlauf der Demenz hat, das haben nun Wissenschaftler in Frankreich untersucht.





Foto: ABDA

Die Forschergruppe um Caroline Sanz vom Französischen Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung in Toulouse beobachtete über vier Jahre hinweg insgesamt 608 Menschen mit Alzheimer. Zehn Prozent der Patienten hatten zudem einen Diabetes mellitus, 63 an der Zahl. Zweimal im Jahr stellten die Wissenschaftler den jeweiligen Grad der Demenzerkrankung mit Hilfe des so genannten Mini-Mental-Status-Tests fest. Dabei werden Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen und Sprache untersucht. Das Ergebnis veröffentlichten die Forscher in der Oktober-Ausgabe des medizinischen Fachmagazins Neurology: Bei den 63 Patienten, die an Alzheimer wie an Diabetes litten, schritt der geistige Verfall langsamer voran als bei den übrigen Patienten.

Zu Beginn der Studie hatten alle Patienten – die mit und die ohne Diabetes – beim Mini-Mental-Status-Test einen durchschnittlichen Wert von 20 Punkten erreicht. Jedes halbe Jahr fiel der Wert der gesamten Testgruppe um rund 1,24 Punkte. Nicht-Diabetiker schnitten dabei immer schlechter ab als Diabetiker: Ihr Wert lag im Schnitt 0,38 Punkte unter dem der Diabetiker.

Die Forscher hat das Ergebnis überrascht. Sie hatten doch als Schluss erwartet, dass Diabetes den geistigen Verfall beschleunigt. Warum aber das Erinnerungsvermögen bei Diabetikern nun langsamer nachlässt, ist nicht klar. Sanz und ihre Kollegen glauben zumindest, dass die unterschiedliche medikamentöse Behandlung der beiden Patientengruppen ein Grund sein könnte.  Ältere Diabetiker nehmen sehr viel häufiger Herz-Kreislauf-Medikamente ein als Nicht-Diabetiker und Studien zufolge senken Mittel gegen Bluthochdruck das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verlangsamen außerdem den geistigen Verfall bei bereits Erkrankten. Für das unerwartete Ergebnis haben die Wissenschaftler aus Toulouse jedoch noch eine weitere mögliche Erklärung: Neuropathologische Unterschiede im Gehirn von Diabetikern und Nicht-Diabetikern könnten eine Rolle spielen.


Sandra Busch, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: C. Sanz et al., Diabetes is associated with a slower rate of cognitive decline in Alzheimer disease, Neurology  2009;73:1359-1366

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