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Erhöhtes Risiko für Typ 2 Diabetes bei chronischer Schlaflosigkeit

(10.12.2009) Wer unter Schlaflosigkeit leidet und messbar zu wenig Schlaf bekommt, hat ein erhöhtes Diabetesrisiko. Dieses ergab eine Studie von Schlafmedizinern aus Seattle, USA. Alexandros Vgontzas und seine Kollegen fanden, dass Patienten mit Schlaflosigkeit und höchstens fünf Stunden Schlaf pro Nacht ein fast dreifach erhöhtes Risiko für einen Typ 2 Diabetes hatten, verglichen mit Personen, die mindestens sechs Stunden schliefen. Studienteilnehmer, die fünf bis sechs Stunden schliefen hatten ein etwa zweifach erhöhtes Risiko.


Schlafmangel beeinflusst den Zuckerhaushalt

Schlafmangel beeinflusst den Zuckerhaushalt
Foto: DAK/Schläger

Für die Studie verbrachten 1.741 zufällig aus der Bevölkerung von Pennsylvania ausgesuchte Männer und Frauen eine Nacht im Schlaflabor. Die Teilnehmer wurden anhand der Ergebnisse aus dem Schlaflabor drei Gruppen zugeordnet: Schlaf von sechs Stunden und mehr, Schlaf zwischen fünf und sechs Stunden sowie fünf Stunden Schlaf oder weniger.

Diabetes war definiert als ein Nüchternblutzucker über 126 mg/dl oder eine medikamentöse Diabetesbehandlung. Kriterium für eine Schlaflosigkeit waren seit mindestens einem Jahr bestehende Beschwerden. Als schlechter Schlaf wurde bezeichnet, wenn jemand über Einschlaf- oder Durchschlafstörungen oder verfrühtes Aufwachen klagte. Schlechter Schlaf war nicht mit einem erhöhten Risiko für Typ 2 Diabetes verknüpft.

Berücksichtigt wurden bei der Auswertung für Schlafstörungen und Diabetes wichtige Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnische Gruppe, Body-Mass-Index (BMI), Rauchen, Alkoholkonsum, Depression, schlafbezogene Atemstörungen (Schlafapnoe) und Gewicht.

Ursächlich gehen die Autoren davon aus, dass Schlaflosigkeit und objektiver Schlafmangel eine hormonelle Verbindung zwischen Gehirn und Nebennierenrinde aktivieren. Diese rege die körpereigene Kortisonproduktion an und könne so zu Diabetes führen.

Schlussfolgerung:
Schon etliche frühere Studien haben den möglichen Zusammenhang von Schlafdauer und Diabetesrisiko betrachtet und erhöhtes Risiko sowohl bei zu kurzem wie auch zu langem Schlaf gefunden. Diese Studie unterstützt die Annahme, dass chronischer Schlafmangel ein unabhängiger Risikofaktor für Typ 2 Diabetes sein kann.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Vgontzas AN, Liao D, Pejovic S. Insomnia with objective short sleep duration is associated with type 2 diabetes: A population-based study. Diabetes Care. 2009 Nov;32(11):1980-5

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