Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
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Diabetes und Bewegung

Regelmäßig durchgeführte körperliche Betätigung - besonders in Kombination mit einer fettreduzierten und ballaststoffreichen Ernährung - hat eine Vielzahl von günstigen Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel. Sie kann eine Verbesserung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Patienten mit Typ 2 Diabetes, aber auch bei Patienten mit Typ 1 Diabetes bewirken. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass im Hinblick auf körperliche Aktivität und Sport bei Menschen mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes sowie bei Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Aspekte in Bezug auf die Erkrankung Diabetes zu berücksichtigen sind.




Regelmäßige Bewegung senkt das Gewicht und das Risiko einer Diabetesentstehung
Foto: DDZ

Sport bei Typ 1 Diabetes
Menschen mit Typ 1 Diabetes können jegliche Sportart ausüben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Freizeitsport, Leistungsport oder Wettkampfsport handelt. Der Schwerpunkt der Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) für die Therapiemaßnahmen im Zusammenhang mit Bewegung liegt jedoch weniger auf der langfristigen Verbesserung der Stoffwechseleinstellung, sondern mehr auf der Vermeidung von Stoffwechselentgleisungen (z.B. Hypoglykämien - Unterzuckerungen) durch körperliche Aktivität. Dabei ist zu bedenken, dass Hypoglykämien auch noch mehrere Stunden nach Beendigung der körperlichen Aktivität auftreten können.

Zur Vermeidung sportinduzierter Hypoglykämien eignet sich am besten die Reduktion der Insulindosis vor der Bewegung. Die Insulindosis-Reduktion lässt sich nur umsetzen, wenn diese Aktivität geplant werden kann. Bei nicht genau vorhersehbaren körperlichen Aktivitäten sind Dauer und Intensität der Belastung im Voraus nicht definitiv abschätzbar. Zudem ist eine Dosisreduktion nicht möglich, wenn das Insulin bereits gegeben wurde. In solchen und ähnlichen Situationen ist die zusätzliche Zufuhr von Kohlenhydraten in Form von Softdrinks, Fruchtsäften, Traubenzucker, Obst, Müsliriegel oder Brot die beste Möglichkeit zur Vermeidung von Hypoglykämien. Leider ist es nicht möglich, exakte Angaben die Menge und Art zusätzlicher Kohlenhydrate zur Vermeidung von Unterzuckerungen betreffend, zu machen. Blutzuckermessungen vor und nach Beendigung der Bewegung sind nötig, um im Falle einer (drohenden) Hypoglykämie direkt eingreifen zu können. Dafür ist es wichtig, glukosehaltige Getränke oder Traubenzucker während und nach dem Sport leicht erreichbar zu haben.

Sport bei Typ 2 Diabetes
Menschen mit Typ 2 Diabetes, die mit Insulin behandelt werden, haben wie Menschen mit Typ 1 Diabetes ein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko und sollten daher den gleichen Regeln folgen wie Personen mit Typ 1 Diabetes. Auch bei einer Tabletten-Therapie mit langwirkenden Sulfonylharnstoffen existiert ein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko im Zusammenhang mit körperlicher Aktivität. Diese Patienten müssen daran denken, an Tagen mit anstrengender Bewegung - auch bei Garten- oder langer Hausarbeit - die Einnahme des Sulfonylharnstoffs anzupassen.

Übergewicht und Bewegungsmangel sind neben der Vererbung die nächsten Faktoren für die Entstehung eines Typ 2 Diabetes. Durch vermehrte körperliche Aktivität kann die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes aufgehalten werden. Neben Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Vorbeugung des Diabetes mellitus gehört die Bewegung zur grundsätzlichen Therapie bei Typ 2 Diabetes. Vorrangiges Ziel, das durch den vermehrten Energieumsatz erreicht werden soll, ist die Abnahme des Fettanteils bei gleichzeitiger Zunahme der Muskulatur und der Insulinempfindlichkeit des Gewebes. Hierdurch kann eine Tabletten- und Insulinreduktion erreicht werden.

Zu den weiteren Zielen zählen unter anderem eine Verbesserung des HbA1c-Wertes und des Blutdrucks. Damit sich diese Ziele einstellen können, sollten sich Typ 2 Diabetiker mindestens 300 min pro Woche körperlich betätigen, so die Leitlinien der DDG. Das entspricht etwa einem täglichen Spaziergang von 45 Minuten.

Allen Patienten mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes ist vor Aufnahme einer regelmäßigen körperlichen Betätigung eine sportmedizinisch-diabetologische Untersuchung anzuraten, da auf eventuell schon existierende Spätkomplikationen geachtet werden muss und, wenn nötig, eine passende Sportart gefunden werden kann.

Wollen an Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche Sport treiben, sollten ein paar Punkte beachtet werden. So müssen Sportkameraden, Freunde, Trainer und Lehrer über das Unterzuckerungs-Risiko sowie angemessene Gegenmaßnahmen informiert sein. Die Diabetes-Ausrüstung muss auf jeden Fall beim Sport dabei sein und Kindern und Jugendlichen mit Diabetes muss es möglich sein, jederzeit ihren Blutzucker zu messen und Kohlenhydrate zu essen. Dabei hat Sport bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes den positiven Effekt, das Selbstbewusstsein zu stärken. Sie empfinden sich nicht mehr als "krank" sondern als "ganz normal". Dabei kann jede Sportart, die Spaß macht, ausgeübt werden.

(aus Quiz "Wissen gewinnen" 12/11-21/11/2010)

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