Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
zurück

Gezieltes Screening auf Typ 2 Diabetes nutzt vor allem stark Übergewichtigen

(20.10.2009) Typ 2 Diabetes entwickelt sich schleichend: Bis zur Diagnose können bis zu 12 Jahre vergehen. Ein Drittel bis die Hälfte der Patienten hat dann bereits Komplikationen entwickelt. Daher empfehlen die Behandlungsleitlinien der American Diabetes Association (ADA) und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) ein Screening durch Bestimmung des Nüchternblutzuckers bei Patienten über 45 Jahren mit Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes. Niederländische Forscher haben nun untersucht, ob sich durch ein gezieltes Screening im Rahmen der hausärztlichen Grundversorgung tatsächlich mehr unerkannte Fälle von Typ 2 Diabetes diagnostizieren lassen.


Fettsucht (Adipositas)

Zusätzlich wollten Erwin P. Klein Woolthuis und seine Mitarbeiter feststellen, welche Risikofaktoren am zuverlässigsten auf Typ 2 Diabetes hindeuten. Das Forscherteam um Klein Woolthuis kam zu dem Ergebnis, dass dies vor allem der Risikofaktor Adipositas (starkes Übergewicht) ist. Außerdem eignet sich ein gezieltes Screening, um undiagnostizierten Typ 2 Diabetes bei Patienten mit hohem Erkrankungsrisiko zu erkennen.

An der Studie nahmen 11 niederländische Arztpraxen mit insgesamt 49.229 Patienten teil. Als Studienteilnehmer kamen alle Patienten zwischen 45 und 75 Jahren mit einem Erkrankungsrisiko für Typ 2 Diabetes in Frage. Diese so genannten Hochrisiko-Patienten hatten entweder Bluthochdruck, Fälle von Typ 2 Diabetes in der Familie (bei Verwandten ersten Grades), eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, eine Störung des Fettstoffwechsels oder Adipositas (Body Mass Index größer als 27 kg/m2). Insgesamt nahmen 3.335 Patienten mit einem oder mehreren Risikofaktoren an der Studie teil. Zum Vergleich wurden auch 398 Patienten derselben Altersgruppe, aber ohne Risikofaktoren getestet.

Zunächst wurde bei den Studienteilnehmern der Nüchternblutzucker in den Kapillargefäßen gemessen. Lag dieser Wert über 110 mg/dl Glukose wurde an einem anderen Tag ein zweites Mal der kapillare Blutzucker bestimmt. War dieser Wert ebenfalls höher als 110 mg/dl oder einer der Werte überstieg 126 mg/dl wurde der Nüchternblutzucker im venösen Blut ermittelt. Für die Autoren der Studie lag ein unerkannter Typ 2 Diabetes vor, wenn dieser Wert 126 mg/dl überstieg. Bei einem Wert kleiner als 126 mg/dl aber größer als 110 mg/dl gingen sie von einer gestörten Nüchternglukose aus ("Impaired fasting Glucose" = IFG).

Vor Beginn des Screenings waren 6,1 Prozent aller Patienten der Praxen wegen Typ 2 Diabetes in Behandlung. Durch das Screening wurden zusätzliche Fälle identifiziert: Bei 101 Patienten aus der Hochrisikogruppe und bei zwei Patienten aus der Niedrigrisikogruppe konnte die Krankheit nachgewiesen werden. Außerdem wiesen 20 Studienteilnehmer aus der Hochrisikogruppe und ein Patient aus der Niedrigrisikogruppe eine gestörte Nüchternglukose auf. Damit erhöhte sich die Zahl der Fälle von Typ 2 Diabetes unter den Praxispatienten auf 6,8 Prozent. Klein Woolthuis und seine Mitarbeiter kommen auf Grund ihrer Ergebnisse zu dem Schluss, dass ein gezieltes Screening von Hochrisikopatienten auf Typ 2 Diabetes im Rahmen der hausärztlichen Versorgung für Personen zwischen 45 und 75 Jahren mit Adipositas sinnvoll ist.

Die statistische Analyse der Studiendaten zeigte, dass Adipositas und Bluthochdruck die größte Bedeutung in Bezug auf die Vorhersage eines bislang undiagnostizierten Typ 2 Diabetes hatten. Das heißt, dass Patienten mit diesen Risikofaktoren am wahrscheinlichsten einen unerkannten Typ 2 Diabetes hatten. So waren 76,8 Prozent der Studienteilnehmer mit Typ 2 Diabetes adipös. Der Risikofaktor Adipositas eignet sich am besten zur Vorhersage.

Fazit: Ein gezieltes Screening auf Typ 2 Diabetes im Rahmen der hausärztlichen Versorgung sollte sich an adipöse Patienten im Alter zwischen 45 und 75 Jahren richten. Dies folgern die Autoren auf Grund des guten Ergebnisses des Screenings und weil sie den Risikofaktor Adipositas als besten Vorhersagefaktor für die Krankheit ermittelt haben. Im Gegensatz dazu führt ein Screening bei Niedrigrisikopatienten nicht zu einer vermehrten Diagnose bisher nicht erkannter Fälle von Typ 2 Diabetes.

Judith Amann
Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: E. P. Klein Woolthuis et al. Yield of Opportunistic Targeted Screening for Type 2 Diabetes in Primary Care: The Diabscreen Study. Annals of Family Medicine 7: 422-430, 2009; doi:10.1370/afm.997

zurück