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Insulin fördert Muskelaufbau bei Älteren

(13.10.2009) Das Hormon Insulin ist vor allem für seine Rolle im Glukosestoffwechsel bekannt. Aber Insulin verfügt auch über andere, weniger bekannte Wirkungen. So spielt es eine Rolle beim Muskelaufbau, indem es die Zufuhr von Nährstoffen steigert und die Herstellung von Muskelproteinen ankurbelt. US-Wissenschaftler der Universität Texas berichten in der Fachzeitschrift Diabetologia, dass die im Alter schwindende Muskelmasse und nachlassende Muskelkraft auch mit einer sinkenden Insulinwirkung am Muskel zusammenhängt. Durch erhöhte Insulinspiegel konnten sie die Muskulatur wieder zu mehr Wachstum anregen.





Foto: Techniker Krankenkasse

Es ist bereits bekannt, dass der Verlust der körperlichen Kraft im Alter unter anderem auf ein vermindertes Ansprechen der Muskeln auf Insulin zurück zu führen ist. Wissenschaftler von der Universität Texas Medical Branch in Galveston haben nun in einer aktuellen Studie untersucht, wie erhöhtes Insulin auf den Oberschenkelmuskel bei älteren Probanden wirkt.

Die insgesamt 14 Studienteilnehmer (durchschnittlich um die 70 Jahre) erhielten das Insulin als Infusion in die Oberschenkelarterie. Wenn man jungen Menschen soviel Insulin ins Blut gibt, wie es nach dem Essen vom Körper produziert wird, kann man feststellen, dass es den Proteinaufbau und das Muskelwachstum stimuliert, erläutert Studiengruppenleiterin Elena Volpi. Bei Älteren sei dies, mit dieser definierten Insulinmenge, jedoch nicht der Fall. Zur Kontrolle bekam jedoch die eine Gruppe Probanden eine Insulinmenge, wie sie üblicherweise nach einer Mahlzeit von Körper ausgeschüttet wird. Die andere Gruppe bekam eine doppelt so hohe Menge Insulin injiziert. Über eine Kanüle im Arm wurden die Probanden mit Glukose versorgt, damit ihr Glukosestoffwechsel ausgeglichen blieb.

Durch Blutproben aus der Oberschenkelarterie und -vene ermittelten die Wissenschaftler den Blutfluss und den Aufbau der Muskelproteine. Zusätzlich gaben kleine Muskelgewebeproben Auskunft über Signalmoleküle, die beim Muskelwachstum mitwirken.

Alle Ergebnisse weisen laut der Autoren in dieselbe Richtung: Bei Gabe eines Insulinspiegels, der doppelt so hoch war wie nach einer Mahlzeit, zeigte sich ein verbesserter Muskelaufbau. Die erhöhte Menge Insulin hat also einen Effekt auf den Muskelaufbau.

Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine Insulinunempfindlichkeit des Gewebes (Insulinresistenz) wie sie bei Typ 2 Diabetes auftritt. Die Studienteilnehmer waren gesunde ältere Menschen mit intaktem Glukosestoffwechsel, der mit einem Glukosetoleranztest festgestellt wurde. Deshalb sehen die Autoren diese Ergebnisse als eine neue Art von Insulinresistenz, die nicht mit dem Glukosestoffwechsel zusammenhängt. Stattdessen schreibt Volpi diese Beobachtung altersabhängigen Veränderungen des Blutgefäßsystems zu.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Fujita S, Glynn EL, Timmerman KL et al. Supraphysiological hyperinsulinaemia is necessary to stimulate skeletal muscle protein anabolism in older adults: evidence of a true age-related insulin resistance of muscle protein metabolism. Diabetologia (2009) 52:1889–1898

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