Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
zurück

Metformin senkt möglicherweise das Krebsrisiko

(14.09.2009) Der antidiabetische Wirkstoff Metformin kann möglicherweise das Krebsrisiko bei Typ 2 Diabetikern verringern. Das berichten Forscher der University Dundee, Schottland, im Fachmagazin Diabetes Care.

Die Arznei Metformin, das meistverwendete Medikament bei Typ 2 Diabetes, hemmt die Glukose-Neubildung in der Leber. Weiter gibt es Hinweise, dass es die Glukose-Aufnahme im Darm hemmt und den  Übertritt von Glukose in die Muskelzellen beschleunigt und die Fettverbrennung fördert. Jedoch konnten diese Effekte noch nicht sicher nachgewiesen werden.


Metformin


Foto: DDZ

In den letzten Jahren wurde in mehreren Studien untersucht, ob und inwieweit Metformin vor Krebs schützen kann. So arbeitete der schottische Epidemiologe  Josie Evans zusammen mit seinem Team bereits 2005 an einer Pilotstudie zu Metformin und Krebs. Evans untersuchte nun wiederholt in einer Kohortenstudie, ob unter der Diabetesbehandlung mit Metformin das Krebsrisiko abnimmt.

Analysiert wurden Patientendaten einer schottischen Diabetes-Datenbank. Ausgewertet wurden hierzu Daten von Patienten mit Typ 2 Diabetes, die zwischen 1994 und 2003 erstmalig Metformin eingenommen haben. Von insgesamt 13.344 Typ 2 Diabetikern, die dort in dem Beobachtungszeitraum erfasst wurden. Davon erfüllten 4.804 Patienten die Studienbedingungen: Typ 2 Diabetiker, über 35 Jahre alt, im beobachteten Zeitraum erstmalig mit Metformin behandelt wurden und bei denen zuvor keine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Die Vergleichsgruppe bestand aus 4.805 Patienten mit Typ 2 Diabetes, die niemals Metformin eingenommen hatten.

Die Auswertung ergab einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich neu aufgetretener Krebserkrankungen: Von den Metformin einnehmenden Patienten erkrankten schließlich 7,3 Prozent an Krebs. Bei den Diabetikern ohne Metforminbehandlung wurde bei  11,6 Prozent eine Krebserkrankung festgestellt. Die Zeit bis zum Auftreten des Krebses betrug in der Metformingruppe im Mittel 3,5 Jahre und in der Vergleichsgruppe 2,6 Jahre. Es zeigte sich also eine geringere krebsbedingte Sterberate der Metformin einnehmenden Studienteilnehmer.

Unter Berücksichtigung von möglichen Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Körpergewicht (BMI), langfristige Blutzuckereinstellung (HbA1c), Armut (gemessen mit dem sogenannten Carstairs-Score), Rauchen und Einnahme anderer Medikamente, zeigte sich unter Metformintherapie ein reduziertes Krebsrisiko von 37 Prozent.

Die Studienergebnisse unterstützen die Annahme, dass Patienten mit Typ 2 Diabetes, die Metformin einnehmen, ein niedriges Krebsrisiko haben verglichen mit anderen antidiabetischen Behandlungen. Da dies eine Beobachtungsstudie ist, konnten nicht alle Unterschiede zwischen den Gruppen kontrolliert werden. So kann es sein, dass in der Metformin-Gruppe möglicherweise schon von Beginn an ein niedrigeres Krebsrisiko bestand. Die Metformin-Patienten waren insgesamt jünger, hatten jedoch einen schlechter eingestellten Diabetes, was sich in einem höheren HbA1c-Wert zeigte, und ein höheres Körpergewicht. Trotz der eingeschränkten Beurteilbarkeit dieser Studie weisen die Ergebnisse in eine interessante Richtung. Eine prospektive kontrollierte Studie könnte helfen, mehr darüber zu erfahren, ob Metformin Krebs tatsächlich entgegen wirkt.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Libby G. et al. New users of metformin are at low risk of incident cancer: A cohort study among people with type 2 diabetes.Diabetes Care. 2009 Jun 29. [Epub ahead of print]

zurück