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Ungünstige Wirkungen von Koffein bei Typ 2 Diabetes?

(30.07.2009) Der tägliche Genuss von Kaffee ist für sehr viele Menschen ein fester Bestandteil des Alltags geworden. Besonders geschätzt wird seine anregende und aufmunternde Wirkung, welche auf das Koffein zurückzuführen ist. Das Ziel der vorliegenden Studie war es zu untersuchen, inwiefern das Koffein sich bei Typ 2 Diabetikern auf den Blutglukosespiegel sowie den Blutzuckerspiegel nach dem Essen auswirkt.




Es wurden insgesamt 10 Patienten (5 Männer und 5 Frauen) mit einem manifesten Typ 2 Diabetes untersucht, welche mit oralen Antidiabetika und Anpassung des Lebensstils (aber ohne Insulin) eingestellt waren. Sämtliche Studienteilnehmer waren regelmäßiger Kaffeetrinker. Alle Probanden erhielten ein unter der Bauchhaut eingesetztes Blutglukosemessgerät, welches den Blutzucker kontinuierlich über 72 Stunden hinweg überwachen sollte. Während der Studie nahmen alle Teilnehmer morgens ein standardisiertes Frühstück ein. An ausgewählten Tagen erhielten sie entweder Koffeintabletten (500 mg pro Tag), welche etwa 4 Tassen Kaffee entsprechen oder aber ein Scheinmedikament (Placebo). Die Auswahl der übrigen Mahlzeiten blieb den Studienteilnehmern selbst überlassen.

Es wurden folgende Ergebnisse erzielt: An den Tagen an welchen den Studienteilnehmern Koffein verabreicht wurde, stieg der Tagesblutzuckerspiegel um 8 Prozent im Vergleich zu der Placeboeinnahme. Das Koffein war zudem in der Lage, den Blutzuckerspiegel nach dem Essen um 9 Prozent (8,0 vs 7,4 mmol/l), nach dem Mittagessen um 15 Prozent (7,8 vs 6,8 mmol/l) und nach dem Abendessen um 26 Prozent (8,6 vs 6,8 mmol/l)  ansteigen zu lassen.

Dr. James Lange und seine Kollegen haben verschiedene mögliche Ursachen und Wirkmechanismen für diesen koffeinabhängigen Blutzuckeranstieg ins Auge gefasst. Beispielsweise könnte das Koffein den Abbau der Glukose hemmen, oder aber die Freisetzung des Hormons Adrenalin erleichtern, welches wiederum den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Schlussfolgerung:
Die Ergebnisse dieser Studie können auf Grund der geringen Anzahl von Studienteilnehmern sicherlich nicht verallgemeinert werden. Sie bieten lediglich einen Anhaltspunkt für weitergehende Untersuchungen und Hinweise auf mögliche Mechanismen, die der Koffeinwirkung auf den Blutzuckerstoffwechsel bei Typ 2 Diabetikern zugrunde liegt. Somit kann gegenwärtig keine Empfehlung für einen Verzicht von Kaffeekonsum ausgesprochen werden. Jedoch sollte der Konsum von Genussmitteln, zu denen auch der Kaffee zählt, in Maßen geschehen.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Lane et al. Caffeine increases ambulatory Glucose and postprandial responses in coffee drinkers with type 2 diabetes. Diabetes Care, vol. 31 (2), 2008

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