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Frühkindliche Antibiotika-Gaben sind nicht mit dem Auftreten von Typ 1 Diabetes assoziiert

(29.06.2009) Es gibt zunehmend Hinweise, dass die Einnahme bestimmter Medikamente in früher Kindheit die Entwicklung des Immunsystems beeinflussen könnte. Häufig genannt werden Antibiotika und ihre Effekte auf die mikrobielle Magen-Darm-Flora, welche wiederum eng mit dem immunologischen System des Magen-Darm-Traktes verknüpft ist. Veränderungen dieses Systems sollen die Entstehung der Autoimmun-Erkrankung Typ 1 Diabetes begünstigen. Abgesehen von Impfungen gehören Antibiotika zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten bei Kindern, Typ 1 Diabetes wiederum ist die häufigste Autoimmun-Erkrankung im Kindesalter.




Gibt es einen Zusammenhang zwischen frühkindlicher Antibiotikagabe und einer Erkrankung an Typ 1 Diabetes im Kindesalter?
Foto: ABDA

Dänische Forscher haben daher die Daten von 606.420 Kindern, welche zwischen 1995 und 2003 geboren wurden, im Hinblick auf folgende Frage untersucht: Gibt es einen Zusammenhang zwischen frühkindlicher Antibiotikagabe und einer Erkrankung an Typ 1 Diabetes im Kindesalter?

Die Antibiotika wurden nach der Häufigkeit ihrer Gabe in Gruppen eingeteilt: Penicillin V, Breitspektrum-Penicilline, Makrolid-Antibiotika und andere. Die Forscher berücksichtigten zudem, wie alt die Kinder zum Einnahmezeitpunkt waren und wie häufig ein Medikament gegeben wurde. Zahlreiche Nebenfaktoren wurden ebenfalls beachtet: Geschlecht, Familienrang, Stadt- oder Landkind, Volkszugehörigkeit der Mutter, Alter der Mutter bei der Geburt, Schwangerschaftswoche bei der Geburt, sozioökonomischer Status des Vaters, Bildungsgrad der Mutter.

Von den 606.420 Kindern erhielten 538.298 mindestens eine Verschreibung von Antibiotika, durchschnittlich waren es 4,8 Verschreibungen pro Kind. 11,2 % wurden nicht behandelt. Verschreibungen vom Hausarzt und Behandlungen in einem Krankenhaus wurden gleichgestellt, wobei eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der tatsächlichen Einnahme von Verschreibungen nicht ausgeschlossen werden kann. Da jedoch nur Antibiotika-Verschreibungen bei akuten, schweren bakteriellen Erkrankungen wie Nierenbeckenentzündung, Knochenmarkentzündung, bakterieller Hirnhautentzündung, Lungenentzündung oder einer generellen Entzündung im Blut berücksichtigt wurden, ist diese mögliche Fehlerquote als äußerst gering zu bewerten.

Jungen bekamen häufiger Antibiotika als Mädchen, am häufigsten wurden während des ersten und zweiten Lebensjahres Antibiotika gegeben. Hinsichtlich der Nebeneffekte spielte lediglich die Volkszugehörigkeit der Mutter eine signifikante Rolle (p = 0,0012).

454 Kinder aus der untersuchten Kohorte erkrankten an Typ 1 Diabetes, das Durchschnittsalter bei Manifestation lag bei 4,4 Jahren. Erkrankte Kinder hatten im Vergleich zu den gesunden Kindern keine unterschiedlichen Antibiotika erhalten. Auch die Zahl der Antibiotika-Anwendungen, die Art des Antibiotikums oder das Kindesalter zum Einnahme-Zeitpunkt spielten keinerlei Rolle.

Schlussfolgerung:
In dieser Studie konnte kein Zusammenhang zwischen einer Antibiotika-Gabe im Kindesalter und der Erkrankung an Typ 1 Diabetes festgestellt werden. Jedoch muss beachtet werden, dass diese Studie zeitlich auf neun Jahre begrenzt war und somit kaum Rückschlüsse auf eventuelle Spätschäden durch Medikamentengaben im Kindesalter erlaubt. Dafür bedürfte es einer noch größer angelegten Langzeitstudie, die sich mit besonders sensiblen Gruppen wie eben Kindern und besonders häufig gegebenen Medikamenten wie Antibiotika beschäftigt.

Dr. Karen Schemken, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Anders Hviid et Henrik Svanström, Antibiotic Use and Typ 1 Diabetes in Childhood. AM J Epidemiol 2009; 169:1079-1084

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