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Wie beeinflusst der Cholesterinsenker Simvastatin den Zuckerstoffwechsel bei Patienten mit Typ 2 Diabetes?

(28.05.2009) Patienten mit Typ 2 Diabetes haben ein stark erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Daher ist es besonders für Diabetiker wichtig, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht und schlechte Blutzuckereinstellung so gut wie möglich zu minimieren. Es gibt Hinweise, dass Cholesterinsenker (HMG-CoA-Reduktase-Hemmer) über die Senkung des Plasmacholesterins hinaus positive Effekte haben und möglicherweise die Wirkung von Insulin verbessern. In einer Studie vom Karl-Landsteiner Institut für Endokrinologie und Stoffwechsel aus Wien wurde daher die Wirkung des Cholesterinsenker Simvastatin auf den Stoffwechsel untersucht.




Cholesterinsenker und ihr Einfluss auf die Insulinresistenz
Foto: ABDA

In der randomisierten, doppel-blinden, placebo-kontrollierten Studie wurden 20 Patienten mit Typ 2 Diabetes für 8 Wochen mit 80 mg Simvastatin/Tag behandelt. Es wurden erstmalig systematisch die verschiedenen Aspekte der Insulinresistenz mit exakten klinischen Tests und unter Anwendung der Magnetresonanzspektroskopie (MRS) vor und nach Therapie mit Simvastatin untersucht. Die MRS erlaubt es, Stoffwechselvorgänge und Konzentrationen von Stoffwechselprodukten im Menschen zu untersuchen, ohne dabei Gewebe zu entnehmen.

Die Fettspeicherung außerhalb des Fettgewebes in Muskel und Leber wird "ektope Lipidspeicherung" genannt. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Insulinresistenz und ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher wurde auch mittels MRS die Fettspeicherung in Muskel und Leber vor und nach der Therapie gemessen.

Es zeigte sich, dass Simvastatin das "böse" LDL-Cholesterin um ~50 % senkte, jedoch keine Effekte auf Insulinwirkung oder Fettspeicherung in Muskel und Leber hatte. Diese Ergebnisse waren unerwartet, da man heute davon ausgeht, dass Cholesterinsenker wie Simvastatin zusätzlich entzündungshemmende und gefäßschützende Effekte haben. Dadurch ergibt sich eine Minderung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für den Tod durch Schlaganfall oder Herzinfarkt, welche sich nicht alleine durch die Senkung des Cholesterinspiegels, auch bei bereits relativ niedrigen Cholesterin-Werten, erklären lässt. Ein möglicher Zusatzeffekt könnte daher die Verbesserung der Insulinempfindlichkeit und -wirkung, also eine Verminderung der Insulinresistenz, sein, welche selbst eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Gefäßschäden gerade bei Patienten mit Typ 2 Diabetes spielt.

Und so gab es in einigen epidemiologischen Studien Hinweise, dass Cholesterinsenker die Insulinresistenz verbessern könnten. Dennoch wurden in dieser Studie von der Gruppe um Prof. Roden zwei interessante Beobachtungen gemacht: die durch Simvastatin-Therapie hervorgerufene Änderung des LDL-Cholesterins und des Spiegels freier Fettsäuren korrelierten mit Änderungen der Insulinempfindlichkeit nach Therapie. Daraus lässt sich folgern, dass Statine die Insulinresistenz nicht direkt, jedoch vermittelt über eine Verbesserung der Fettverteilung positiv beeinflussen könnten. Diese Ergebnisse fügen sich in das gegenwärtig anerkannte Konzept, dass Fette für die Entwicklung der Insulinresistenz bei Patienten mit Typ 2 Diabetes mitverantwortlich sind.


Dr. med. Julia Szendroedi, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Szendroedi J et al. Effects of high-dose simvastatin therapy on glucose metabolism and ectopic lipid deposition in nonobese type 2 diabetic patients. Diabetes Care. Feb 2009;32(2):209-14.

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