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Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und Diabetes

Heinz-Nixdorf Recall Studie und Kompetenznetz Diabetes

(20.05.2009) Die Studie hatte zum Ziel, den Zusammenhang zwischen Diabetes und depressiven Symptomen zu untersuchen.
Es wurde häufig berichtet, dass Menschen mit Diabetes häufiger an depressiven Symptomen leiden als nichtdiabetische Personen. Dabei zeigen Patienten mit Diabetes und Depressivität ungünstigere Krankheitsverläufe. Allerdings sind die Studienergebnisse dazu uneinheitlich. Daten aus Deutschland fehlten. Unser Ziel war es daher, den Zusammenhang zwischen Diabetes und Depressivität zu analy­sieren und mögliche, assoziierte Faktoren zu finden.


Depression

Basis unserer Untersuchung waren die Daten der Heinz Nixdorf Recall Studie (HNRS), einer großen Kohortenstudie in Essen und Umgebung, die im Jahr 2000 startete. Bei den StudienteilnehmerInnen wurde gefragt, ob ein Diabetes vorliegt. Zudem wurden Blutzuckeruntersuchungen durchgeführt, die bei einem Teil der Teilnehmer ergaben, dass ein vorher unbekannter Diabetes vorlag. Depressive Symptome wurden mit einem vielfach in Studien eingesetzten Fragebogen, dem CES-D, erhoben. Mittels multipler Regressionsanalysen wurde der Zusammenhang zwischen Diabetes (bekannt oder unbekannt), depressiven Symptomen und weiteren Faktoren analysiert.

Die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) des bekannten Diabetes betrug 9,3 % bei Männern und 6,0 % bei Frauen. 7,6 % der Männer und 3,2 % der Frauen hatten einen vorher nicht bekannten Diabetes. Im Vergleich zu nicht-diabetischen Frauen hatten diabetische Frauen etwa 1,5mal häufiger depressive Symptome. Bei Frauen mit einem vorher unbekannten Diabetes war die Häufigkeit depressiver Symptome jedoch um rund 30 % niedriger (unter Berücksichtigung des Alters). Gegenüber nicht-diabetischen Männern hatten Männer mit bekanntem, vor allem aber solche mit unbekanntem Diabetes seltener depressive Symptome (bei Männern mit unbekanntem Diabetes war die Häufigkeit depressiver Symptome signifikant und rund 3fach niedriger). Auch nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren zeigte sich dieses Muster. Zusätzliche Erkrankungen und ein Leben ohne Partner waren signifikant mit depressiven Symptomen verbunden, bei Frauen auch der Body-Mass-Index und das Maß an körperlicher Aktivität.

Schlussfolgerungen:
Der Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und einem bekannten Diabetes unterschied sich bei Männern und Frauen. Bei Personen mit einem unbekannten Diabetes waren depressive Symptome seltener als bei Menschen ohne Diabetes. Zusätzliche Erkrankungen und psychosoziale Bedingungen waren stark mit Depressivität assoziiert.

Kommentare der AutorInnen
Im Rahmen des Kompetenznetz Diabetes, einem vom BMBF geförderten Forschungsverbund, werden wir den Zusammenhang zwischen Diabetes und Depressivität auf der Basis der Nachuntersuchungen der Recall-Studie, also prospektiv, untersuchen. Dabei werden wir weitere Einflussfaktoren, darunter Immunmarker, analysieren, um weitere Erkenntnisse und möglicherweise Erklärungen für die gefundenen Zusammenhänge zwischen Diabetes und Depressivität zu gewinnen.


Priv.-Doz. Dr. Dr. Andrea Icks, Deutsches Diabetes-Zentrum, Institut für Biometrie und Epidemiologie

Icks A, Kruse J, Dragano N et al.; Heinz Nixdorf Recall Study Investigator Group. Are symptoms of depression more common in diabetes? Results from the Heinz Nixdorf Recall Study. Diabetic Medicine 2008; 25: 1330-1336

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