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Risiko für Typ 2 Diabetes erhöht bei Diät-Limos trinkenden Personen

(18.05.2009) Mit künstlich gesüßten Limonaden die tägliche Kalorienaufnahme zu drosseln, darauf setzen viele in der Absicht, sich so „gesünder“ zu ernähren. Laut einer US-amerikanischen Studie fanden sich jedoch unter Menschen, die mindestens einmal pro Tag kalorienreduzierte Limonaden trinken, vermehrt ein neu aufgetretener Typ 2 Diabetes beziehungsweise ein metabolisches Syndrom. Dies berichten Jennifer Nettleton, von der Epidemiologischen Abteilung der University of Texas School of Public Health, Houston, und Kollegen im Fachjournal Diabetes Care.





Foto: DAK/Hanuschke+Schneider

Eine Zusammenhang zwischen Diät-Getränken und dem Risiko, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln, fiel bereits bei neueren Auswertungen zweier Langzeitstudien auf: Zum einen 2007 im Rahmen der bekannten Framingham Studie mit rund 3.500 Untersuchten und 2008 in der multizentrischen Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) Studie mit 9.514 Teilnehmern in mittlerem Alter. Die Untersucher nahmen an, dass dahinter bestimmten Ernährungsgewohnheiten und Lebensstilfaktoren stecken, die den Light-Getränke-Konsum begleiten.

Nettleton und ihre Kollegen betrachteten nun erneut mögliche Assoziationen von Light-Limonaden und einzelnen Komponenten des metabolischen Syndroms, schauten aber zusätzlich, ob auch ein Zusammenhang mit Typ 2 Diabetes besteht.
Die Daten lieferte die MESA-Studie (Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis), die hauptsächlich im Blick hatte, wie häufig Gefäßverkalkungen neu auftreten und verlaufen. An dieser bevölkerungsbezogenen Kohortenstudie beteiligten sich 6.814 Personen zwischen 45 und 84 Jahren aus unterschiedlichen US-Staaten, mit einem Anteil von 38 % Weißen, 28 % Afroamerikanern, 23 % Hispanier und 11 % Asiaten.

Abgefragt wurde der Konsum kalorienreduzierter Limonaden mittels eines speziellen Fragebogens. Die Eingangsphase fand zwischen den Jahren 2000 und 2002 statt, nachgefragt wurde dann in Follow-Up-Untersuchungen 2002/2003, 2004/2005 und 2005/2007. Ein Typ 2 Diabetes war definiert durch einen Nüchternblutzucker von über 126 mg/dl, anamnestisch die Kenntnis von einem Typ 2 Diabetes oder die Einnahme von Diabetesmedikamenten. Das metabolische Syndrom war definiert gemäß der ATP III-Kriterien:

  • Bauchumfang ≥ 102 cm bei Männern oder ≥ 88 cm bei Frauen,
  • Triglyceride ≥ 150 mg/dl,
  • HDL-Cholesterin ≤ 50 mg/dl bei Männern oder ≤ 40 mg/dl bei Frauen,
  • systolischer Blutdruck ≥ 130/85 mmHg oder Bluthochdruckmedikation,
  • Nüchternglukose ≥ 100 mg/dl oder antidiabetische Medikation.

Nachdem bei der statistischen Auswertung demographische Faktoren sowie mögliche Störgrößen wie Lebenstil und Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt wurden, zeigte sich: Wer täglich mindestens einmal kalorienreduzierte Limonaden trank, hatte ein 36 % größeres Risiko für ein metabolisches Syndrom und sogar ein um 67 % erhöhtes Risiko für Typ 2 Diabetes (HR 1,67; 95 % CI 1,27-2,20) gegenüber denen, die keine tranken.

Light-Getränke-Konsum erhöhte das Risiko auch unabhängig davon, ob zu Studienbeginn eine Adipositas bestand oder später hinzukam. Beim genaueren Blick auf die individuellen Komponenten des metabolischen Syndroms hatten die Diät-Limo-Trinker ebenso ein verstärktes Risiko für einen erhöhten Nüchternblutzucker und mehr Bauchfett.

„Diese Resultate erhärten die Ergebnisse der ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities) und Framingham-Studie und zeigen, dass ungünstige Assoziationen zwischen Diät-Limonaden und Typ 2 Diabetes bestehen“, so Nettleton und fährt fort, "Diät-Limo-Konsum könne entweder unabhängig oder in Verbindung mit anderen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten begünstigen, dass es zu einer Gewichstzunahme komme, zu einem beeinträchtigten Glukosestoffwechsel oder eventuell Typ 2 Diabetes entstehe".

Nun ist dies eine Beobachtungsstudie, die keine Schlüsse auf einen ursächlichen Zusammenhang zulässt. Die Autoren spekulieren, eine Rolle könne spielen, dass die durch Diät-Limos vermeintlich eingesparten Kalorien zu hoch eingeschätzt würden und dafür ansonsten zu viele Kalorien zu sich genommen würden. Außerdem könne der Diät-Limo-Konsum von einer Reihe von Ernährungsgewohnheiten und Lebenstileinflüssen begleitet sein, die zu Gewichtszunahme, beeinträchtigem Zuckerstoffwechsel und schließlich Diabetes führen.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Nettleton JA et al. Diet soda intake and risk of incident metabolic syndrome and type 2 diabetes in the Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA). Diabetes Care 2009 Apr;32(4):688-94.

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