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Erst der Beginn einer schweren Erkrankung motiviert zu einer gesünderen Lebensweise

(11.05.2009) Übergewicht und Rauchen gelten als Begleitfaktoren vieler Todesursachen. Dennoch ist es schwierig, Menschen zu einer Verbesserung ihrer ungesunden Lebensweise zu bewegen. Viele Menschen ändern erst mit dem Eintritt einer schweren Erkrankung wie etwa Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes mellitus schlechte Lebensgewohnheiten wie Rauchen und falsche Ernährung.





Foto: AOK-Mediendienst

Der Einfluss bestimmter Diagnosen auf das Gesundheitsbewusstsein der Patienten wurde in einer amerikanischen Studie mit 20221 übergewichtigen Menschen und 7764 Rauchern aus den Jahren 1992 bis 2000 untersucht.

13 % der Raucher in dieser Studie erlitten mindestens eine der fünf Diagnosen Schlaganfall, Herz- oder Lungenerkrankung, Krebs oder Diabetes mellitus. Insgesamt waren Raucher mit Beginn einer oder weiterer schwerer Erkrankungen 3,2mal häufiger bereit, das Rauchen aufzugeben, als Raucher ohne plötzliche Erkrankung.

Auch das Umfeld spielte eine wichtige Rolle. So gaben erkrankte Partner von Nichtrauchern doppelt so oft das Rauchen auf, wie erkrankte Partner von Rauchern. Zudem stoppten ältere Menschen über 70 Jahre eher das Rauchen als 50- bis 55jährige.

Von den übergewichtigen Menschen unter 75 Jahren erkrankten 8 % an mindestens einer der drei Diagnosen: Herz- oder Lungenerkrankung oder Diabetes mellitus. Die Betroffenen haben 0,35 U des BMI (Body-Mass-Index) abgenommen, im Vergleich zu übergewichtigen Menschen ohne eine solche Erkrankung.

Menschen mit übergewichtigem Partner oder Unverheiratete nahmen zwischen 0,18 und 0,25 U des BMI mehr ab, als solche mit einem normalgewichtigen Partner,
Übergewichtige bei ansonsten sehr guter Gesundheit vor einer weiteren Erkrankung nahmen 0,16 U mehr ab, als Übergewichtige, die bereits zusätzliche Erkrankungen aufwiesen.

Auffällig war der Gewichtsunterschied, wenn man gleichzeitig das Rauchen aufgab: Wer während der Studie mit dem Rauchen aufhörte, nahm 0,47 U mehr ab als Nichtraucher und 0,18 U mehr als Raucher. Ältere Menschen über 65 Jahre nahmen mehr ab als 50- bis 55jährige.

Andere Studien zeigen, dass die Art der Erkrankung ebenfalls eine wichtige Rolle spielt: Nur wenn Rauchen oder Übergewicht zu den auslösenden Faktoren zählt, wird tatsächlich eine Änderung erwogen. Eine Gelenkentzündung oder -verschleiß auf Grund von Übergewicht  motiviert nicht zum Abnehmen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass es sinnvoll wäre, besonders erkrankte Menschen hinsichtlich ihrer Lebensgewohnheiten zu beraten und sie bei einer Änderung zu unterstützen. Allerdings sank die Zahl der Gesundheitsberatungen nach einem Herzinfarkt im Studienzeitraum, stattdessen stieg die Empfehlung von Betablockern.

Weitere Gründe sprechen für eine bessere Motivierung zu einem gesünderen Lebensstil: Die Lebenserwartung ist heutzutage höher, auch nach akuten oder chronischen Erkrankungen, zudem kommen die geburtenstärksten Jahrgänge des letzten Jahrhunderts ins krankheitsanfällige Alter, so dass eine gesündere Lebensweise die Volksgesundheit maßgeblich verbessern könnte.

Insbesondere Menschen mittleren und höheren Alters sollten zu einer gesünderen Lebensweise angespornt werden, da so Alterserkrankungen verzögert werden können und in dieser Altersgruppe das Bewusstsein dafür am größten ist. Gerade der Zeitpunkt einer neuen Erkrankung sensibilisiert die Menschen, sich mehr um ihre Gesundheit zu kümmern und sollte zusätzlich besonders gezielt für Aufklärungs- und Motivationskampagnen genutzt werden.


BMI

 



Dr. Karen Schemken, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Patricia S. Keenan, Phd, MHS, Smoking and Weight change After New Health Diagnoses in Older Adults, Arch Intern Med/ Vol 169 (No.3), Feb 9, 2009

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