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Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist (IL-1RA):

Welche Rolle könnte eine entzündungshemmende Therapie beim Diabetes spielen?

(07.05.2009) Zu den wesentlichen Risikofaktoren des Typ 2 Diabetes gehören Übergewicht, zu energiereiche Ernährung, Bewegungsmangel und psychosoziale Stressfaktoren. Diese beeinflussen nicht nur direkt die Funktionen von Muskel, Leber, Fettgewebe und insulinproduzierenden Betazellen, was zu Insulinresistenz und relativem Insulinmangel führt, sondern stoßen auch entzündliche Prozesse an, die inzwischen als wichtiger Mechanismus in der Entstehung eines Typ 2 Diabetes gelten.





Foto: DAK/van den Berg

Diese Aktivierung des Immunsystems ist klinisch unauffällig und im Wesentlichen durch höhere Spiegel von Entzündungsmarkern im Blut gekennzeichnet, die ebenfalls als Risikofaktoren in der Diabetesentwicklung angesehen werden. 

Bislang war bekannt, dass die meisten lebensstilbasierten oder pharmakologischen Therapien des Typ 2 Diabetes entzündungshemmend wirken. Im April 2007 konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass auch das primär entzündungshemmende Protein Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist (IL-1RA) die Stoffwechseleinstellung in Patienten mit Typ 2 Diabetes verbessern konnte (1). IL-1RA ist ein Gegenspieler des Zytokins Interleukin-1 (IL-1), das betazellschädigende Wirkung hat und somit die körpereigene Insulinproduktion vermindert. 

In einer aktuellen Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass IL-1RA-Konzentrationen im Blut mit dem Risiko für einen Typ 2 Diabetes verbunden sind. Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf (Dr. Christian Herder, Dr. Wolfgang Rathmann, Dr. Klaus Straßburger, PD Dr. Nanette C. Schloot) und des University College London (Dr. Daniel Witte, Dr. Adam Tabak, Dr. Eric Brunner) postulierten zuerst, dass hohe Spiegel des antientzündlichen IL-1RA ein Indikator für niedriges Typ 2 Diabetes-Risiko sein könnten, fanden dann in der Whitehall II-Studie aber genau das gegenteilige Ergebnis (2). Dies deutet darauf hin, dass der Körper auf die metabolischen und entzündlichen Veränderungen in der prädiabetischen Phase mit einer erhöhten Freisetzung von IL-1RA reagiert. Allerdings scheint es, dass diese Hochregulation nicht ausreicht, um das Entstehen eines Typ 2 Diabetes zu verhindern.

Derzeit wird in weiteren Studien geprüft, wie wirksam eine Blockade IL-1-vermittelter Mechanismen bei Patienten mit Diabetes ist. Diese Studien umfassen sowohl den Typ 2 Diabetes als auch den Typ 1 Diabetes. Zur Zeit wird im Deutschen Diabetes-Zentrum und in anderen Zentren in Deutschland Patientinnen und Patienten mit frischmanifestem Typ 1 Diabetes die Teilnahme an der AIDA-Studie angeboten, die die Wirksamkeit von IL-1RA als zusätzliche Therapie zum Insulin untersucht. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Pressemeldung vom 26.02.2009: Neue Immunintervention des Diabetes mellitus Typ 1 – die europäische AIDA-Studie.


Dr. phil. nat. Christian Herder, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quellen:
1. Claus M. Larsen et al. Interleukin-1-receptor antagonist in type 2 diabetes mellitus. N Engl J Med 2007 ; 356 : 1517-1526
2. Christian Herder et al. Elevated levels of the anti-inflammatory interleukin-1 receptor antagonist precede the onset of type 2 diabetes: the Whitehall II Study. Diabetes Care 2009; 32: 421-423

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