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Diabetes: Sind Viren schuld?

(04.05.2009) Der Typ 1 Diabetes zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei der die insulinproduzierenden Betazellen zerstört werden. Bei den Ursachen spielen sowohl erbliche (genetische) als auch Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Virusinfektionen, eine Rolle. Eine Virusinfektion kann dann eine Autoimmunerkrankung auslösen, wenn Immunzellen und Antikörper gebildet werden, die gegen körpereigenes Gewebe gerichtet sind. Die wichtigsten und bekanntesten Antikörper beim Typ 1 Diabetes sind Insulin-Autoantikörper (IAA), Inselzell-Antikörper (ICA), Antikörper gegen das Enzym Glutamatdecarboxylase (GADA) und Antikörper gegen das Enzym Tyrosinkinase IA-2, die schon Monate oder Jahre vor Ausbruch eines Typ 1 Diabetes nachweisbar sind.




Können Virusinfektionen Diabetes mellitus auslösen?
Foto: AOK-Mediendienst

Es verdichten sich nun die Hinweise, dass die Betazellen bei frisch manifesten Typ 1 Diabetikern mit Enteroviren infiziert sein können, jedoch war es bisher unklar, mit welcher Häufigkeit dies geschieht und inwiefern der Krankheitsprozess dadurch beeinflusst wird.

Enteroviren werden von Mensch zu Mensch übertragen. Das Virus kann von den Infizierten mehrere Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Durch verunreinigte Hände oder Gegenstände, wie z. B. Spielzeug, kann so das Virus über den Mund in den Körper gelangen.

Zum Nachweis einer Enteroviren Infektion hat ein Forscherteam aus Großbritannien Serienschnitte von Gewebeproben aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) von 72 Patienten untersucht, bei denen kürzlich ein Typ 1 Diabetes diagnostiziert wurde. Insgesamt konnte bei 44 von den 72 paraffinfixierten Präparaten das virale Kapsid-Protein vp1 nachgewiesen werden. Hingegen wurde man in Gewebeproben von gesunden Kindern nur bei einer von 50 Proben fündig. Interessanterweise wurde das enterovirale Kapsid-Protein vp1 jedoch auch bei 10 von 25 Personen mit einem Typ 2 Diabetes gefunden, wobei die Entstehung eines Typ 2 Diabetes noch nie im Zusammenhang mit einer Virusinfektion bzw. mit autoimmunem Geschehen diskutiert wurde.

Schlussfolgerung:
Diese Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass Infektionen der insulinproduzierenden Betazellen mit Enteroviren im Kindesalter bei entsprechender genetischer Prädisposition einen Typ 1 Diabetes auslösen können. Bei Patienten mit einer beeinträchtigten Stoffwechsellage, welche einem Typ 2 Diabetes vorausgeht,  gehen die Autoren davon aus, dass die Infektion die Fähigkeit der Betazellen Insulin zu bilden, beeinträchtigt. Ein autoimmunes Geschehen liegt diesem Diabetestyp aber nicht zugrunde. Insgesamt sind jedoch weitere und umfangreichere Untersuchungen nötig, um die virale Hypothese stärker zu untermauern.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Richardson et al. The prevalence of enteroviral capsid protein vp1 immunostaining in pancreatic islets in human type 1 diabetes. Diabetologia 2009. [Epub ahead of print]

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