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Männer können Hungergefühle besser unterdrücken als Frauen

(20.04.2009) Eine aktuelle Studie zeigt einen möglichen Vorteil der Männerwelt beim Abnehmen: Sie sollen besser in der Lage sein, Hungergefühle und das Denken an bestimmte Lebensmittel zu verdrängen. Die Forscher am US amerikanischen „Department of Energy’s Brookhaven National Laboratory“ in Upton, New York, kamen in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Männer im Gegensatz zu den Frauen besser in der Lage waren, bestimmte durch ihre Lieblingsspeisen aktivierte Gehirnregionen zu kontrollieren.




Frauen können ihr Hungergefühl schlechter unterdrücken.
Foto: AOK

Die Studie wurde kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift The Proceedings of the National Academy of Sciences  veröffentlicht und hilft möglicherweise zu verstehen,
1) warum der Anteil an Fettleibigkeit und Essstörungen bei Frauen höher ist als bei Männern und
2) warum Frauen mehr Schwierigkeiten beim Abnehmen haben als Männer.

23 gesunde (13 Frauen, 10 Männer), nicht-fettleibige Personen wurden in die Studie mit aufgenommen. Sie waren im Durchschnitt 32,6 Jahre alt und der Body-Mass-Index (BMI) lag im Mittel bei 24,8 kg/m2. Wählen sollten die Studienteilnehmer ihr Lieblingsessen aus einem Menu, das ihnen einen Tag vor Studienbeginn gezeigt wurde. Ganz oben auf der Liste der Lieblingsgerichte standen unter anderem: Schinken-Käse-Ei-Sandwich, Pizza, Hamburger mit Käse, gebratenes Huhn und Lasagne. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern bezüglich des Alters, des BMI, der Bildungsjahre, des sozialen und wirtschaftlichen Hintergrunds und der ausgewählten Speisen.

Die Studienteilnehmer fasteten für 17 Stunden. Anschließend wurde ihnen im ersten Fall ihre Lieblingsspeise vorgesetzt, die sie sehen, riechen, probieren jedoch nicht essen konnten. Im zweiten Fall setzten die untersuchten Männer und Frauen eine Technik ein, die so genannte kognitive Inhibierung, mittels der sie ihre Gedanken an Hunger und Essen unterdrücken sollten. Im Folgenden wurde ihnen wiederum ihr Lieblingsgericht vorgesetzt. Mit Hilfe der Positronen Emissions Tomographie (PET) wurden Aktivitäten im Gehirn bestimmt und bildlich festgehalten. Bei dieser Methode wird Glucose durch ein radioaktives Anhängsel nachweisbar gemacht. Die markierte Glucose wird in den Blutstrom der untersuchten Personen injiziert, während sie sich im PET Scanner befinden. Der Scanner kann somit die Aufnahme und den Verbrauch der Glucose in den verschiedenen Hirnregionen bildlich festhalten.

Konzentrierten sich die untersuchten Personen auf ihre vorgesetzte Lieblingsspeise, stiegen sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen das Hungergefühl und der Appetit in gleichem Maße an. Wurde jedoch durch kognitive Inhibierung das Hungergefühl versucht zu unterdrücken, stellte sich nur bei den Männern ein signifikant erniedrigter Wunsch nach Essen ein, wie die PET Aufnahmen des Gehirns zeigten. Nur bei den männlichen Studienteilnehmern wurde eine Abnahme der Gehirnaktivitäten in den Bereichen, die für die Regulationen und die Motivation zur Nahrungsaufnahme eine Rolle spielen, nachgewiesen. Obwohl auch die Frauen angaben, ein erniedrigtes Hungergefühl zu verspüren, waren ihre Hirnregionen für den Essenstrieb allerdings noch hochaktiv.

Die Forscher vermuten aus ihren Daten, dass Männer die Fähigkeit besitzen, bestimmte durch Nahrung hervorgerufene Gehirnaktivitäten zu unterdrücken. Frauen dagegen stehen der Fähigkeit nach. Folglich wäre hier eine mögliche Erklärung für die höhere Fettleibigkeitsrate bei Frauen zu erkennen und auch das vermehrte Auftreten von Essstörungen bei Frauen möglicherweise erklärbar. 

Schlussfolgerung: Die Studienergebnisse lassen einen Einblick in den neurobiologischen Mechanismus zu, der die Nahrungsaufnahme kontrolliert. Im Gegensatz zu den Männern sind Frauen weniger in der Lage, Hungergefühle und den Wunsch nach Essen zu unterdrücken, da sie nicht die Fähigkeit besitzen, dafür wichtige Hirnaktivitäten durch Inhibierung herabzusetzen. Die neuen überraschenden Erkenntnisse über den dargestellten Geschlechterunterschied von Gene-Jack Wang und seinen Kollegen können die Grundlage für neue Interventionsansätze sein, die helfen das Essensverhalten zu regulieren und das Gewicht auf einem gesunden Level zu halten. Nach Aussagen von Wang sind dafür weitere Studien lohnenswert und erforderlich.


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Wang GJ, Volkow ND, Telang F et al. Evidence of gender differences in the ability to inhibit brain activation elicited by food stimulation. PNAS 2009; 106: 1249-1254

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