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Typ 2 Diabetes und Insulin – Welche Therapieform ist am besten?

(02.04.2009) Viele Menschen mit Typ 2 Diabetes kommen zunächst gut mit oralen Antidiabetika wie z. B. Metformin aus. Nach längerer Diabetesdauer wird es jedoch in vielen Fällen schwieriger, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, so dass eine Kombination der oralen Antidiabetika mit Insulin empfohlen wird. Eine aktuelle Studie mit Beteiligung des DDZ ist nun der Frage nachgegangen, mit welcher Insulintherapie die langfristige Blutzuckereinstellung am besten gelingt.





Foto: AOK-Mediendienst

Für Typ 2 Diabetes werden verschiedene Formen der Insulintherapie in Kombination mit oralen Antidiabetika (Metformin oder Sulfonylharnstoffe) angeboten. Am häufigsten sind folgende Therapieregime mit:

  • einem langwirkenden Basalinsulin (auch Verzögerungsinsulin genannt) zur Nacht
  • einem prandialen, kurzwirksamen Insulin zu den Mahlzeiten
  • einer Kombination aus kurz- und langwirkendem Insulin (Basal-Bolus-Therapie)
  • einem biphasischen Insulinanalogon (Mischinsulin aus schnell und lang wirkenden Insulinanaloga)

Wie erfolgreich diese 4 Therapieformen sind, wurde nun anhand von Daten untersucht, die  computergestützt in 666 deutschen allgemeinärztlichen und internistischen Arztpraxen zwischen Juli 2004 und Juni 2006 erhoben wurden (Disease Analyser Praxis-Datenbank, IMS Health). Eingeschlossen in die Studie wurden jedoch nur Patienten, die im gesamten Studienzeitraum Insulin verwendeten, bzw. spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2004 mit der Insulintherapie begonnen hatten und mindestens einen Arztbesuch im Jahr aufwiesen.

348 Patienten in der Studie nahmen kontinuierlich kurzwirksame Insuline und Insulinanaloga, 1.906 Teilnehmer wurden mit biphasischen Insulinanaloga behandelt, 439 mit der Basal-Bolus Therapie und 1.719 ausschließlich mit einem lang wirksamen Basalinsulin. Der Erfolg der Therapie wurde über den Verlauf des HbA1c-Wertes bestimmt, welcher die Blutzuckereinstellung der letzten 2-3 Monate widerspiegelt. Ein Anstieg der HbA1c-Werte zeigt dabei eine Verschlechterung der Blutzuckereinstellung an.

Das Ergebnis der Studie: Die 4 Patientengruppen unterschieden sich hinsichtlich Ihrer Zusammensetzung nach Geschlecht, Alter, Diabetesdauer und der antidiabetischen Medikation. Die HbA1c-Werte in allen Gruppen lagen zu Studienbeginn zwischen 7,3 % und 7,5 %. Nach statistischer Adjustierung der o.g. „Störvariablen“ (Alter, Diabetesdauer etc.) stieg der HbA1c-Wert am stärksten in der mit dem biphasischen Insulin behandelten Gruppe an, gefolgt von jenen Teilnehmern mit der Basal-Bolus-Therapie. In der Gruppe, die ausschließlich ein Basalinsulin verwendeten, war der Anstieg weniger stark. Keine signifikante Veränderung in den HbA1C-Werten war in der Gruppe mit den kurzwirksamen Insulinen zu beobachten.

Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie hat gezeigt, dass bei den allermeisten Patienten mit Typ 2 Diabetes im Laufe einer Behandlung mit Insulin eine Verschlechterung der HbA1c-Werte auftritt. Die Daten weisen darauf hin, dass schnellwirksame Insuline den besten Effekt auf den HbA1c Verlauf haben. Dieses Therapieschema wird jedoch selten bei Patienten mit Typ 2 Diabetes eingesetzt. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, bevor schnellwirksame Insuline als Standardbehandlung empfohlen werden können.

Die Studienergebnisse sollten jedoch nicht dazu verleiten, eine Insulintherapie möglichst lange hinauszuzögern. Im Gegenteil, denn es gibt Hinweise darauf, dass auch beim Typ 2 Diabetes eine frühzeitig begonnene Insulintherapie langfristig die Blutzuckereinstellung erleichtern, Spätschäden vermeiden und sogar den Betazellverlust hinauszögern kann.

Teresa Tamayo und Dr. med. Wolfgang Rathmann, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung.

Quelle: Rathmann W. et al. Longitudinal Change in HbA1c in Patients with Type 2 Diabetes: Comparison of Short-Acting, Biphasic and Basal Insulin. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2009 Feb 18.

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