Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
zurück

Frisch manifeste Diabetiker nehmen mehr Antidepressiva ein

(23.03.2009) Eine Depression ist eine Erkrankung, welche mit Niedergeschlagenheit und oft mit weiteren körperlichen Störungen und psychischen Symptomen einhergeht.  Auch wenn in der gegenwärtigen Literatur immer wieder Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Depression auftauchen, ist es unklar, in welcher Richtung dieser Zusammenhang besteht. Eine Depression könnte ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Diabetes darstellen oder im umgekehrten Fall könnte ein Diabetes das Auftreten einer Depression begünstigen.





Foto: Techniker Krankenkasse

In der vorliegenden Studie wurde der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Beginn der medikamentösen Behandlung des Diabetes und dem Auftreten einer Depression mit Einnahme von Antidepressiva und Benzodiazepinen (Medikamentengruppe bestehend aus Beruhigungs- sowie Schlafmitteln) untersucht. Hierzu wurden 49.593 Diabetes-Patienten und 154.441 Kontrollpersonen ohne Diabetes aus einer Datenbank in den Niederlanden ausgewählt. Sämtliche Studienteilnehmer waren über 40 Jahre alt. Die Einnahme der Antidepressiva sowie Benzodiazepine wurden 7 Jahre vor und 7 Jahre nach dem Zeitpunkt des Beginns der medikamentösen Diabetes-Behandlung protokolliert. Der Zeitpunkt bei nichtdiabetischen Kontrollpersonen wurde per Zufall bestimmt.

Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass bei Patienten der Gebrauch von Antidepressiva und Benzodiazepinen 2 Monate vor und 3 Monate nach Beginn der Diabetesbehandlung erhöht war, verglichen mit Menschen ohne Diabetes mellitus. Der stärkste Anstieg wurde während des ersten Monats nach Beginn der Diabetestherapie verzeichnet. Hier zeigte sich eine 2,4fach bzw. 3,4fach erhöhte Neu-Anwendung von Antidepressiva bzw. Benzodiazepinen unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Alter, Geschlecht und chronischen Erkrankungen.

Schlussfolgerung: In dieser Studie konnte ein vermehrter Antidepressiva- sowie Benzodiazepin-Gebrauch vor und nach Beginn der Diabetesbehandlung nachgewiesen werden. Die Einnahme der Antidepressiva könnte eine Konsequenz der empfundenen Belastung der Diabetes-Erkrankung sein, ausgelöst durch die medikamentöse Behandlung oder die Diagnose an sich. Aber auch eine erhöhte Aufmerksamkeit des regelmäßig besuchten Arztes könnte die Ursache der frühen Antidepressiva-Verschreibung sein, räumen Knol und Kollegen ein.

Kritisch betrachtet werden muss, dass in dieser Studie von der Antidepressiva-Einnahme auf Grund einer Depression ausgegangen wird. Jedoch können ebenso auf Grund von nervlichen (neuropathischen) Beschwerden Antidepressiva verschrieben werden. Des Weiteren wird hier die Manifestation des Diabetes mellitus mit einer medikamentösen Therapie des Diabetes gleichgesetzt. Ein Typ 2 Diabetes muss jedoch nicht immer zwangsläufig bei Diagnose therapiert werden.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Knol et al. Antidepressant use before and after initiation of Diabetes mellitus treatment. Diabetologia 2009 Mar;52(3):425-32.

 

zurück