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Metabolisches Syndrom erhöht die Wahrscheinlichkeit eine depressive Symptomatik zu entwickeln

(12.03.2009) Ein Metabolisches Syndrom bei Erwachsenen mittleren Alters kann auf spätere depressive Symptome hinweisen. Dies berichten britische Wissenschaftler anhand neuester Studienergebnisse der prospektiven Whitehall-II-Studie in Diabetes Care.




Leiden Menschen mit Metabolischem Syndrom häufiger an Depressionen?
Foto: Techniker Krankenkasse

Das Metabolische Syndrom stellt eine Risikokonstellation für Gefäßschäden und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes dar. Ob es auch mit neu auftretenden depressiven Symptomen assoziiert ist, haben Epidemiologen vom University College London analysiert.

Zusammenhänge von Depressionen und Metabolischem Syndrom haben frühere Querschnittstudien bereits für junge Erwachsene und das mittlere Alter beschrieben, führt die Studienautorin Tasnime  Akbaraly an. Längsschnittuntersuchungen hatten vorwiegend im Visier, ob Depression ein späteres Metabolisches Syndrom begünstigt. Für Frauen mittleren Alters konnte dies bestätigt werden, nicht jedoch für Männer.

Grundlage für die Analyse durch Akbaraly und ihre Kollegen bildet die große prospektive Kohortenstudie Whitehall II, die ihren Namen nach dem Londoner Regierungsviertel trägt. Die umfangsreiche Beobachtungsstudie untersucht und befragt seit 1985 regelmäßig eine Kohorte von 10.308 in Behörden tätigen Regierungsangestellten, die eingangs zwischen 35 und 55 Jahre alt waren.

Die neue Auswertung umfasste 5.232 Teilnehmer zwischen 41 und 61 Jahren und nahm den Zusammenhang von zunächst bestehendem Metabolischem Syndrom und sechs Jahren später vorliegenden depressiven Symptomen unter die Lupe. Am Anfang des betrachteten Studienzeitraumes (1991-1993) wurden  depressive Symptome mittels einer vier Fragen umfassenden Subskala des General Health Questionnaire abgefragt und erneut sechs Jahre später.

Ob anfangs ein Metabolisches Syndrom vorlag, wurde erhoben anhand der Kriterien des National Cholesterol Education Programms (NCEP) ATP III. Demzufolge besteht ein metabolisches Syndrom, wenn mindestens drei der folgenden Risikofaktoren vorliegen:

  • Bauchumfang von mindestens 102 cm bei Männern und 88 cm bei Frauen;
  • erhöhte Serum-Triglyzeride: über 150 mg/dl;
  • niedriges HDL-Cholesterin: unter 40 mg/dl bei Männern oder unter 50 mg/dl bei Frauen;
  • erhöhter Blutdruck: über 130/85 mmHg;
  • erhöhter Nüchtern-Blutzucker: mehr als 100 mg/dl.

Von den 5.562 zunächst einbezogenen Teilnehmern, waren 1.604 Frauen und 3.958 Männer, durchschnittlich 49,5 Jahre alt  ± 6,1 Jahre. Schon zu Beginn des Analysezeitraumes zeigten 330 Teilnehmer depressive Anzeichen. Da es darauf ankam neu aufgetretene depressive Symptomatik zu ermitteln, wurden diese Personen von der weiteren Analyse ausgeschlossen.

Von den nunmehr 5.232 Büroangestellten ergab sich ein metabolisches Syndrom bei insgesamt 10,4 % (n=547). Im Verlauf entwickelten 8,2 % (n=428) der Studienteilnehmer depressive Symptome. Nachdem Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildung, Nikotin- und Alkoholkonsum, körperliche Aktivität sowie Herz-Kreislauf-Krankheiten bei der statistischen Auswertung berücksichtigt wurden, zeigte sich für Teilnehmer mit Metabolischem Syndrom ein signifikant erhöhtes Risiko für später neu auftretende depressive Symptome. Von den fünf zum Metabolischen Syndrom zählenden Komponenten waren  verstärktes Bauchfett, hohe Triglyzeride und niedriges HDL-Cholesterin vorhersagend für depressive Symptomatik.

Zu den Studienlimits gehört, dass die Subskala zu depressiven Symptomen nicht mit klinisch diagnostizierter Depression gleichzusetzen ist und dass nichts über den Schweregrad und Chronizität der Symptome ausgesagt werden kann. Vor allem aber sind die Ergebnisse, da es sich vorwiegend um weiße Büroangestellte handelt, nicht für die britische Bevölkerung repräsentativ. Laut den Autoren lassen die Ergebnisse dennoch annehmen, dass ein Metabolisches Syndrom, insbesondere bauchbetonte Adipositas und Fettstoffwechselstörung, vorhersagend ist für depressive Symptome.

Weil die zum Metabolischen Syndrom gehörenden Risikofaktoren stark lebensstilabhängig sind, könnte bei diesem Zusammenhang eine wirksame Vorbeugung und Behandlung auch präventiv in punkto depressiver Entwicklung wirken. Hierzu braucht es noch weiterführende Forschung.

Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Akbaraly et al. Association between metabolic syndrome and depressive symptoms in middle-aged adults: Results from the Whitehall II study. Diabetes Care 32:499-504, 2009

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