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Gestörte Glukosetoleranz bei übergewichtigen Geschwistern von Kindern mit Typ 2 Diabetes

(19.02.2009) Die Entstehung eines Typ 2 Diabetes ist immer multifaktoriell bedingt. Das bedeutet, dass zum einen genetische Faktoren und zum anderen Umweltfaktoren eine Rolle spielen können. Neben dem Bewegungsmangel stellt das erhöhte Körpergewicht dabei ein wesentliches Risiko dar, zunächst eine gestörte Glukosetoleranz und dann einen  Typ 2 Diabetes zu entwickeln. Bei Erwachsenen ist dieser Zusammenhang in diversen Untersuchungen bereits belegt worden [siehe hierzu auch: Insulinresistenz bei Diabetes Typ 2 von Frau Prof. Dr. med. Kellerer].


DGK

Geschwisterkinder und Typ 2 Diabetes
Foto: DGK

Eine der wesentlichen Ursachen für die Entstehung eines Typ 2 Diabetes ist die Insulinresistenz. Darunter versteht man die verminderte Empfindlichkeit des Gewebes  (hauptsächlich Muskel, Leber und Fettgewebe) gegenüber dem Hormon Insulin. Diese reduzierte Sensibilität der Körperzellen auf Insulin beeinträchtigt seine Wirkung und resultiert in einem  Überangebot an Zucker (Glukose) im Blut, welches wiederum zu einer vermehrten Insulinproduktion führt. Diese Überbeanspruchung  der insulinproduzierenden Betazellen in Kombination mit der verminderten Produktionsfähigkeit, resultiert schließlich in einer inadäquaten Insulinproduktion und einer Hyperglykämie (erhöhte Zuckerkonzentration im Blut).

In der vorliegenden Studie wurde erstmalig untersucht, ob übergewichtige Geschwister von Kindern mit einem Typ 2 Diabetes häufiger eine gestörte Glukosetoleranz aufweisen als Kinder ohne diabetische Geschwister, welche ebenfalls an Übergewicht leiden.

Insgesamt wurde die Glukosetoleranz mittels eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT) bei 62 Kindern (20 Geschwisterkinder und 42 Kinder einer Kontrollgruppe)  im Alter zwischen 8 und 17 Jahren untersucht. Die Prävalenz der gestörten Glukosetoleranz lag bei den Geschwisterkindern bei 40 % (n = 8), bei den Kindern der Kontrollgruppe nur bei 14,3 % (n = 6)  (p = 0,048). Jedoch gab es in der Insulinresistenz oder bei den Werten des Langzeitblutzuckers HbA1c keine signifikanten Unterschiede.

Übergewichtige Geschwister von Kindern mit einem Typ 2 Diabetes hatten demnach im Vergleich ein 4fach höheres Risiko, eine gestörte Glukosetoleranz zu entwickeln als andere übergewichtige Kinder.

Die Autoren führen als Schwachpunkte dieser Untersuchung die relativ geringe Probandenzahl an, so dass weitere Untersuchungen mit einer größeren Anzahl an Probanden die Ergebnisse untermauern sollen.  Des Weiteren wurde das Auftreten eines Typ 2 Diabetes bei den Eltern der Studienteilnehmer nicht durch einen oralen Glukosetoleranztest sondern durch Befragung ermittelt.

Schlussfolgerung:
Ein interessanter Punkt in dieser Studie war die besondere Kombination von genetischer Prädisposition, repräsentiert durch die diabetischen Geschwister und den Umweltfaktor Übergewicht. Die Autoren betonen, dass die Kombination dieser Faktoren eine Hochrisikogruppe repräsentieren kann und somit einen Ansatz für ein Screening und eine mögliche Präventionsstrategie darstellt.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Magge et al. Increased Prevalence of Abnormal Glucose Tolerance among Obese Siblings of Children with Type 2 Diabetes. J Pediatr. 2008; Epub ahead of print

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