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Übergewicht im Kindesalter fördert frühzeitigen Diabetes-Ausbruch

(16.02.2009) Jedes fünfte Kind in Deutschland ist übergewichtig. Bekanntermaßen steigt dadurch das Risiko an Typ 2 Diabetes zu erkranken; und das Alter, in dem diese Diabetes-Form üblicherweise ausbricht, sinkt. Der Begriff „Altersdiabetes“ ist nicht mehr passend, da immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene daran erkranken. Aber auch das Risiko für Typ 1 Diabetes steigt durch Übergewicht im Kleinkindalter, wie finnische Forscher in einer Studie herausfanden.




Maßnahmen gegen Übergewicht bei Kindern können einen späteren Typ 2 Diabetes vorbeugen
Foto: AOK-Bundesverband

Da in Finnland die Anzahl der beiden Diabetes-Erkrankungen besonders bei 15- bis 39-jährigen rapide ansteigt, haben die Forscher die Daten von 1.388 Patienten mit Typ 1 Diabetes und 1.121 mit Typ 2 Diabetes, welche in dieser Altersspanne erkrankten, analysiert. Die Daten stammen aus den Jahren 1992 bis 1996. Das Augenmerk der Wissenschaftler galt der Entwicklung des Body-Mass-Index (BMI), welcher das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße wiedergibt. Die Entwicklung des BMI in den ersten 15 Lebensjahren steht in engem Zusammenhang mit späteren Diabetes-Erkrankungen. Besonders auffällig war ein höheres Risiko für Typ 1 Diabetes, wenn die Kinder nur in den ersten drei Lebensjahren übergewichtig waren, in ihrem weiteren Wachstum aber wieder normal wurden. Typ 2 Diabetes hingegen trat viel häufiger und viel früher bei denjenigen auf, die etwa ab einem Alter von 3 Jahren übergewichtig wurden und dies auch blieben.

Von den insgesamt 2.509 Datensätzen blieben, nach Ausschluss derer mit Schwangerschaftsdiabetes, anderen Diabetes-Formen oder unvollständigen Daten, lediglich 282 übrig, wovon 218 Patienten der Gruppe mit Typ 1 und 64 der Gruppe mit Typ 2 Diabetes zuzuordnen waren. Die kleine Typ 2 Diabetes-Gruppe resultierte aus der Tatsache, dass Typ 2 Diabetiker später im Leben erkranken und deshalb noch weniger Daten über die körperliche Entwicklung in der Kindheit zusammengetragen werden konnten.

Typ 1 Diabetiker erkrankten in dieser Studie im Durchschnitt mit 26,5 Jahren, Typ 2 Diabetiker mit 34,5 Jahren. Das Risiko, an Typ 1 Diabetes zu erkranken, stieg um das 1,19-fache, wenn der BMI in den ersten drei Lebensjahren um 1 kg/m2 erhöht war (p = 0,02). Das Geburtsgewicht spielte dabei keine Rolle, ebenso wenig die spätere Normalisierung des BMI. Diese Beobachtung deckte sich mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen. Vermutlich sind genetische Verknüpfungen zwischen Wachstum und Typ 1 Diabetes sowie die Ernährungsweise dafür verantwortlich.

Bei den Typ 2 Diabetikern stieg das Erkrankungsrisiko um das 1,77-fache mit jedem kg/m2 Abweichung vom minimalen BMI in der Altersklasse von drei bis elf Jahren (p = 0,04). Auch diese Ergebnisse bestätigten die Aussagen früherer Studien, bei denen ein höherer BMI im Alter von sieben bis 15 Jahren das Diabetes Typ 2 Risiko deutlich erhöhte. In der finnischen Studie stieg der BMI allerdings schon ab einem Alter von drei Jahren an.

Übermäßige Ernährung und mangelnde Bewegung gelten als Hauptfaktoren für die Diabetes mellitus. Das Bestehen der Fettleibigkeit bis ins Erwachsenenalter steht in engem Zusammenhang mit einer späteren Typ 2 Diabetes-Erkrankung. Übergewicht im Kindesalter sollten als Präventionsmaßnahme gegen Diabetes im Vordergrund stehen.

Dr. Karen Schemken, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: N. Lammi et al., Childhood BMI trajectories and the risk of developing young adult-onset diabetes. Diabetologia, 2009 Mar;52(3):408-14. Epub 2009 Jan 8.

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