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Zimt bei Typ 2 Diabetes – der aktuelle Stand

(22.01.2009) Zimt ist eines der ältesten Gewürze, welches sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreut. Seit einigen Jahren mehren sich unterschiedliche Meldungen in Bezug auf die Wirksamkeit von Zimt und Zimtextrakten auf die Einstellung des Blutzuckerspiegels bei Typ 2 Diabetikern.


Zimtstangen

Zeitgleich sind eine ganze Reihe von Zimtpräparaten als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gekommen, welche damit werben, den Stoffwechsel von Typ 2 Diabetikern regulieren zu können. In den letzten Jahren gab es mehrere Studien, welche die Wirkung von Zimt auf diabetesrelevante Stoffwechselparameter (Langzeitblutzuckerwert HbA1c, Nüchternglukose und Blutfettwerte) klären sollten.

In einer im Jahre 2006 durchgeführten Studie von Vanschoonbeek wurden 25 Frauen mit Typ 2 Diabetes untersucht, welche 1,5 Gramm Zimtpulver täglich über einen Zeitraum von 6 Wochen einnahmen. Die Einnahme führte zu keiner signifikanten Verbesserung der diabetesrelevanten Stoffwechselparameter. Der HbA1c-Wert (ein Wert für den Langzeitblutzucker) stieg sogar minimal an.

In einer weiteren Studie von Mang aus dem Jahre 2006 erhielten 65 Studienteilnehmer über 4 Monate wässrigen Zimtextrakt, dies entsprach 3 Gramm Zimtpulver täglich. Hier konnte zwar eine signifikante Senkung der Nüchternglukose erreicht werden, jedoch waren keine signifikanten Veränderungen des Langzeitblutzuckerwertes HbA1c oder der Blutfettwerte zu beobachten.

Im Gegensatz zu diesen beiden Untersuchungen wichen die Ergebnisse der Studien von Khan aus dem Jahre 2003 deutlich ab. Die insgesamt 60 Studienteilnehmer erhielten hier über 40 Tage 1, 3 oder 6 Gramm Zimtpulver täglich. Hier konnte eine signifikante Verbesserung der Nüchternglukose sowie der verschiedenen Blutfettwerte (Triglyzeride, Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin) erreicht werden. Die zu beobachteten Effekte waren jedoch nicht dosisabhängig. Die Angaben zu den HbA1c-Werten fehlen gänzlich. Auch waren die Nüchternglukosespiegel der Studienteilnehmer vor Beginn der Studie hoch (zwischen  205 und 300 mg%), was auf eine unzureichende Behandlung vor Beginn der Studie schließen lässt.

In einer kürzlich durchgeführte Metaanalyse der bisherigen Studien durch die Arbeitsgruppe von Baker et al. konnten keine statistisch bedeutsamen Verbesserungen der verschiedenen Laborparameter (Nüchternblutzucker, Langzeitblutzucker HbA1c und Blutfettwerte) bei Diabetikern festgestellt werden. Die Studie von der Arbeitsgruppe um Khan wird von Baker ebenfalls kritisch betrachtet, da sie laut Baker methodische Mängel aufweise und die Aussagekraft somit eingeschränkt sei.

Neben den Studienergebnissen, die im Vergleich untereinander sehr unterschiedlich ausgefallen sind, gibt es noch einen weiteren Grund, auf eine unkontrollierte und regelmäßige Einnahme von Zimt und/oder Zimtpräparaten im Rahmen einer Nahrungsergänzung oder Begleittherapie zu verzichten: Die Unbedenklichkeit von Zimt und Zimtextrakten ist bisher noch nicht in ausreichendem Maße überprüft worden. Die Anwendung von Zimt (präparaten) beim Diabetiker ist -im Gegensatz zur gelegentlichen Verwendung von Zimt als Gewürz-  eine Langzeitanwendung, welche insbesondere bei cumarinhaltigem Cassia-Zimt nicht ohne Sicherheitsbedenken bleibt. Mögliche Folgen einer länger andauernden Einnahme sind Leberschäden und Tumore.

Da bei frei verkäuflichen Pulvern und Extrakten der Nachweis bezüglich Reinheit, Wirksamkeit, Zusammensetzung und Unbedenklichkeit fehlt, welcher jedoch für Arzneimittel generell unerlässlich ist, rät die Deutsche Diabetes-Gesellschaft von der Einnahme von Zimtpräparaten als Nahrungsergänzungsmittel oder Begleittherapie ab.

Schlussfolgerung:
Die bisherigen Ergebnisse der vorliegenden Studien konnten keine sicheren Nachweise für die Wirksamkeit von Zimt bei Typ 2 Diabetikern erbringen. Darüber hinaus ist das Verhältnis von Risiko und Nutzen von Zimtpräparaten unausgewogen, so dass zurzeit keine Empfehlung für eine Zimttherapie ausgesprochen werden kann. Zimt ist ein Gewürz, und als solches sollte es auch verwendet werden: sparsam und in Maßen.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quellen:
1. www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/redaktion/pressemitteilungen/zimtuebersicht.php
2. Vanschoonbeek, K. et al. Cinnamon supplementation does not improve glycemic control in postmenopausal type 2 diabetes patients. J Nutr. 136 (2006) 977-980.
3. Mang, B et al. Effects of a cinnamon extract on plasma glucose, HbA1c, and serum lipids in diabetes mellitus type 2. Eur J Clin Invest. 36 (2006) 340-344.
4. Ammon HPT et al. Zimt bei Typ-2-Diabetes: Diätisches Nahrungsmittel oder Arzneimittel? Diabetologie 2008; 3: 296-300.
5. Khan et al. Cinnamon improves glucose and lipids of people with type 2 diabetes. Diabetes Care 26:3215–3218, 2003.
6. Baker et al. Effect of Cinnamon on Glucose control and Lipid Parameters. Diabetes Care 31(1):41-43, 2008.
7. Qin et al. Cinnamon Extract Prevents the Insulin Resistance Induced by a High-fructose Diet. Horm Metab Res 2004, 36:1-7.

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