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Glukosekontrolle und vaskuläre Komplikationen bei Veteranen mit Typ 2 Diabetes

(15.01.2009) Die Rolle einer intensiven Blutglukosekontrolle bei der Entstehung von kardiovaskulären Komplikationen bei Patienten mit langjährigem Typ 2 Diabetes ist derzeit nicht eindeutig geklärt. Duckworth und Kollegen starteten in den USA eine Studie, um diesem Problem näher auf den Grund zu gehen.


Herz

Kardiovaskuläre Komplikationen können eine Folge von langjährigem Typ 2 Diabetes sein
Es wurden dazu 1791 Veteranen (mittleres Alter 60,4 Jahre) mit einer unzureichenden Blutzuckereinstellung und Typ 2 Diabetes in einen intensivierten oder Standard -Therapiearm für Blutzuckereinstellung randomisiert. Die übrigen kardiovaskulären Risikofaktoren wurden in beiden Gruppen gleich behandelt. Im Mittel bestand der Diabetes seit 11,5 Jahren, 40 % der Patienten hatte bereits ein kardiovaskuläres Ereignis durchgemacht.

Das Ziel der intensivierten Blutzuckereinstellung war eine HbA1c Reduktion von 1,5 % im Vergleich zur Standard-Therapiegruppe. Primärer Endpunkt war die Zeitspanne ausgehend vom Studienbeginn bis zum Auftreten eines schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisses wie Myokardinfakrt, Schlaganfall, Tod durch kardiovaskuläre Erkrankung, Herzinsuffizienz, notwendige chirurgische vaskuläre Eingriffe, inoperable koronare Herzerkrankung und Amputation bei Gangrän.
Die Beobachtungsdauer betrug im Mittel 5,6 Jahre. Mediane HbA1c Werte waren 8,4 % in der Standard-Therapiegruppe und 6,9 % in der intensiven Therapiegruppe. Der primäre Endpunkt wurde bei 264 Patienten in der Standardtherapiegruppe und bei 235 Patienten in der intensiven Therapiegruppe festgestellt (Hazard Ratio der intensiven Therapiegruppe, 0,88; 95 % Konfidenz- Intervall [KI], 0,74 bis 1,05; p = 0,14).
Kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen war nachweisbar in Bezug auf irgendein Ereignis des primären Endpunkts oder in Bezug auf Tod durch kardiovaskuläre Komplikationen (Hazard Ratio, 1,07; 95% KI, 0,81 bis 1,42; p = 0,62). Auch für mikrovaskuläre Erkrankungen ergaben sich keine Unterschiede.
Die Anzahl unerwünschter Nebenwirkungen, vornehmlich bestehend aus Hypoglykämien, betrug 17,6 % in der Standard-Gruppe und 24,1% in der intensiven Therapiegruppe.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit schlecht eingestelltem Typ 2 Diabetes hatte die intensivierte Blutglukoseeinstellung keinen signifikanten Effekt auf das Auftreten von schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen, Tod oder mikrovaskulären Komplikationen (ClinicalTrials.gov number, NCT00032487).

Kommentar: Diese Studie bestärkt Beobachtungen aus der ACCORD und der ADVANCE Studie insofern, als dass sie keine Vorteile bei der intensivierten Blutglukosekontrolle bei Patienten mit fortgeschrittenem Typ 2 Diabetes im Vergleich zur Standardtherapie zeigt. Im Unterschied zur ACCORD Studie zeigt sie keine erhöhte Mortalität durch strenge Blutzuckerkontrolle. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob eine längere Beobachtungsdauer im Sinne eines "Langzeiteffekts", wie er kürzlich bei der UKPDS Studie beschrieben wurde, auch bei diesen Personen zu sehen ist. Eine differenzierte Blutglukosekontrolle, die die Diabetesdauer und das Vorhandensein von bereits bestehenden kardiovaskulären Erkrankungen mit einbezieht sollte also bei Patienten mit Typ 2 Diabetes angewandt werden.

Quelle: Duckworth W et al., Glucose control and vascular complications in veterans with type 2 diabetes. New England Journal of Medicine 2009; 360:129-39 Epub 2008 Dec 17.

PD Dr. med. Nanette C. Schloot, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

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