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Bei vielen Diabetikern ist das Sehvermögen eingeschränkt

(21.11.2008) Erwachsene Diabetiker weisen fast doppelt so oft Beeinträchtigungen des Sehvermögens auf, wie Personen ohne gestörten Zuckerstoffwechsel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des US-amerikanischen ‚National Health and Nutrition Examination Surveys 1999-2004’. Die Analyse macht noch einmal deutlich, wie wichtig die regelmäßigen augenärztlichen Vorsorgeuntersuchungen für Diabetespatienten sind.


Foto des Augenhintergrunds: proliferative diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine Augenerkrankung der Netzhaut, bei der die kleinen Gefäße am Augenhintergrund betroffen sind

Xinzhi Zhang und Kollegen vom ‚Centers for Disease Control and Prevention’ in Atlanta, USA,  verglichen die Untersuchungsdaten von 1.237 Diabetikern (Alter: mindestens 20 Jahre) mit denen von 11.767 Personen ohne Zuckerkrankheit. Bei 11 % der erwachsenen Diabetespatienten stellten die Wissenschaftler ein eingeschränktes Sehvermögen fest. Hiervon waren 3,8 % der Fälle korrigierbar und 7,2 % nicht korrigierbar. Im Vergleich hierzu zeigten in der Gruppe der Nicht-Diabetiker „nur“ 5,9 % Sehstörungen (1,4 % nicht korrigierbar; 4,5 % korrigierbar).

Diabetes ist ein bekannter Risikofaktor für die diabetische Retinopathie und das so genannte Makulaödem. Aber auch Linsentrübungen (Katarakt bzw. „grauer Star“) oder der erhöhte Augeninnendruck (Glaukom bzw. „grüner Star“) werden bei Diabetikern häufiger beobachtet. Alle Störungen verringern auf Dauer das Sehvermögen und können bei Nicht-Behandlung unter Umständen bis hin zur Erblindung führen.

Diabetische Retinopathie: Hier unterscheidet man eine nichtproliferative („nicht-wuchernde“) und eine proliferative („wuchernde“) Form. Im Gegensatz zur „wuchernden“ Form ist die nicht-proliferative Retinopathie kaum gefährlich. Durch eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung und evtl. eine notwendige Lasertherapie kann meistens ein weiteres Fortschreiten verhindert werden. Die gefährlichere proliferative Retinopathie geht mit der Neubildung von Blutgefäßen einher, die allerdings zum Teil fehlerhaft gebaut sind. Die neu gebildeten Blutgefäße können platzen und es kommt zu Blutungen innerhalb der Netzhaut. Als Folge löst sich ein Teil der Netzhaut vom umgebenden Gewebe ab, was zu einer plötzlichen Verschlechterung des Sehvermögens führt.

Diabetische Makulopathie: Der „gelbe Fleck“ (Makula) ist ein Bereich auf der Netzhaut, an dem die Sinneszellen für das Sehen besonders dicht zusammenliegen. Man bezeichnet ihn auch als den „Punkt des schärfsten Sehens“. Bei der Makulopathie wird der „gelbe Fleck“ durch Wassereinlagerungen (Makulaödem) oder Blutungen geschädigt, was zu einer Beeinträchtigung der Sehschärfe führt.

Das Tückische bei diesen Augenerkrankungen ist, dass sie lange Zeit keinerlei Beschwerden machen, obwohl eine Behandlung bereits notwendig wäre: Wenn sich im fortgeschrittenen Stadium auch das Sehvermögen verschlechtert hat, lässt sich die Sehkraft nur in seltenen Fällen wieder vollständig herstellen. Umso wichtiger ist es, die Vorboten von Retinopathie, Makulopathie und anderen Störungen so früh wie möglich zu erkennen. Hierfür sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen unerlässlich: Der Augenarzt kann den Augenhintergrund mit einfachen Mitteln untersuchen und dabei sehr schnell feststellen, ob Schäden vorliegen. Bei einem rechtzeitigen Eingreifen gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, und weitere Verluste des Sehvermögens lassen sich in aller Regel verhindern.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Zhang X, Gregg EW, Cheng YJ et al. Diabetes mellitus and visual impairment: national health and nutrition examination survey, 1999-2004. Arch Ophthalmol 2008; 126: 1421-7

 

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