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Alkoholkonsum und das Risiko für Typ 2 Diabetes in Abhängigkeit verschiedener Biomarker

(19.11.2008) Schon in vergangenen Studien wurde ein protektiver Effekt eines moderaten Alkoholkonsums auf die Entstehung eines Typ 2 Diabetes nachgewiesen. Die Mechanismen, die der protektiven Wirkung zugrunde liegen sind jedoch komplex und noch nicht vollständig aufgeklärt.


Wein


Foto: PRBollmann

In dieser vorliegenden Studie wurde der Frage nachgegangen, inwiefern Adiponectin, Entzündungsmarker sowie Biomarker, die mit einer endothelialen Dysfunktion (Funktionsstörung der Gefäßinnenwände) und mit einer Insulinresistenz in Zusammenhang stehen, mit einem moderaten Alkoholkonsum und dem Auftreten eines Typ 2 Diabetes korrelieren.

Adiponectin ist ein vorwiegend von den Fettzellen (Adipozyten) sezerniertes Peptidhormon, welches eine vielfältige Wirkung auf den Fett- und Glukosestoffwechsel hat. Bei Vorliegen eines Typ 2 Diabetes ist die Adiponectin-Konzentration vermindert. Hingegen hohe Konzentrationen an Entzündungsmarkern sowie an solchen Markern, welche bei einer endothelialen Dysfunktion vermehrt vorliegen (C-reaktives Protein, VCAM-1, ICAM-1, E-Selectin, TNF-alpha-Rezeptor 2 und Interleukin 6), gehen mit einem erhöhten Risiko für einen Typ 2 Diabetes einher.

In diese Studie wurden 705 Frauen mit einem neu aufgetretenen Diabetes sowie 787 gesunde Kontrollprobanden eingeschlossen und der Zusammenhang bezüglich Alkoholkonsum und Auftreten eines Typ 2 Diabetes vor und nach Adjustierung der Biomarker untersucht. Wie schon in vorangegangenen Studien gezeigt werden konnte, ist ein mäßiger Alkoholkonsum (12,5 Gramm pro Tag) mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit assoziiert, einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln. Dieser Zusammenhang wurde nach Adjustierung des Body-Mass- Index um 25 Prozent abgeschwächt. Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Auftreten eines Typ 2 Diabetes konnte jedoch nicht durch die vorhandenen Werte für Nüchterinsulin oder Biomarker, welche bei einer Entzündung oder endothelialen Dysfunktion vermehrt vorliegen erklärt werden.Hingegen bedingten die Adiponectin-Konzentrationen nach Adjustierung des Body-Mass-Index zu 25 Prozent einen Zusammenhang und ohne Adjustierung des Body-Mass-Index zu 29 Prozent.

Das Fazit:
Ein gemäßigter Alkoholkonsum kann das Risiko eines Typ 2 Diabetes reduzieren  und Adiponectin scheint hierbei eine Vermittlerrolle zu spielen. Jedoch besteht kein Zusammenhang mit den Werten für Nüchterninsulin oder Entzündungsmarkern und Markern für eine endotheliale Dysfunktion. Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, zusätzliche Studien anzustrengen, um das komplexe Zusammenspiel weiterer Biomarker zu untersuchen, welche durch den Alkoholkonsum beeinflusst werden können.

Allerdings ist Alkohol ein starkes Zell- und Nervengift und birgt zudem ein hohes Suchtpotential. Diese Aspekte wurden bei der Durchführung dieser Studie vernachlässigt.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Beulens et al. Alcohol Consumption, Mediating Biomarkers, and Risk of Type 2 Diabetes Among Middle-Aged Women. Diabetes Care 31:2050–2055, 2008

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