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Menschen mit Typ 2 Diabetes profitieren von einer frühzeitig begonnenen guten Blutzuckereinstellung

UKPDS zeigt lang anhaltenden positiven Effekt

(10.10.2008) Nach einer 10-jährigen Nachbeobachtung von Patienten der United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS) konnte nun eine präventive Wirkung einer frühzeitig begonnenen guten Blutzuckereinstellung beim Typ 2 Diabetes nicht nur auf mikrovaskuläre Komplikationen, sondern auch auf das Herzinfarktrisiko sowie auf die Gesamtsterblichkeit festgestellt werden.


Blutzuckermessung

Zur Vermeidung von Komplikationen und Spätfolgen des Diabetes ist eine gute Einstellung des Blutzuckers unumgänglich.
1998 wurden die Ergebnisse der UKPDS veröffentlicht. Diese zeigten, dass eine gute Blutzuckereinstellung bei Menschen mit Typ 2 Diabetes das Risiko für die mikrovaskulären Komplikationen Retinopathie und Nephropathie senkt. Eine Risikominderung von makrovaskulären Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall konnte von den Daten am Ende der Placebo-kontrollierten Studie nicht  abgeleitet werden.

Nachdem 1977 die UKPDS gestartet wurde, teilte man die 4209 Patienten nach dem Zufallsprinzip einer intensiver behandelten Interventionsgruppe oder einer Kontrollgruppe zu.

  • In der Interventionsgruppe wurde ein Nüchtern-Blutzuckerwert von < 6 mmol/l angestrebt. Lag der Wert darüber, so wurden die Patienten entweder mit Sulfonylharnstoffpräparaten (SHS) oder mit Insulin behandelt. Im späten Verlauf der Studie wurde aus der SHS-Gruppe noch eine Untergruppe von 268 übergewichtigen Patienten rekrutiert, die mit Metformin behandelt wurden.
  • In der Kontrollgruppe wurde zunächst eine alleinige Therapie mit Diät angestrebt. Wenn der Nüchtern-Blutzuckerwert auf über 15 mmol/l anstieg, so erhielten diese Patienten per Protokoll blutzuckersenkende Medikamente.

Die Gesamtdauer dieser Placebo-kontrollierten Interventionsstudie UKPDS erstreckte sich über zehn Jahre.

Nach einer 10-jährigen Behandlung unterschied sich der HbA1c-Wert der intensiver therapierten Patienten mit 7,0 % (6,2 - 8,2 %) signifikant vom Wert der Gruppe mit konventioneller Therapie mit 7,9% (6,9 - 8,8 %) (p < 0,0001).
Die Ergebnisse zeigten außerdem, dass sich bei der Gruppe, die eine intensivere blutzuckersenkende Therapie erhielt, das Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen, signifikant um 25 % reduzierte (p = 0,01).

Allen Patienten wurde nach Veröffentlichung der  Interventionsstudie 1998 zu einer intensiven Blutzuckersenkung, ohne Rücksicht auf die bisherige Therapie, geraten. Die Studie wurde anschließend noch zehn Jahre mit 3277 Patienten als eine reine Beobachtungsstudie fortgeführt. Die ersten fünf Jahre konsultierten die Patienten einmal jährlich weiter die UKPDS-Kliniken.  In den letzten fünf Jahren beantworteten die Patienten UKPDS-Fragebögen.

Die  Unterschiede der HbA1c-Werte zwischen der damaligen Kontrollgruppe und der Patientengruppe mit intensiver Blutzuckertherapie verschwanden schon nach dem ersten Jahr der Beobachtungsstudie. Fünf Jahre nach der Interventionsstudie wurden noch 5 % der Patienten mit Diät behandelt, 46 % erhielten orale Antidiabetika und 49 % spritzten Insulin (mit oder ohne orale Therapie).

Schließlich waren nach zehn Jahren Beobachtung die bekannten Risikominderungen der damaligen SHS-Gruppe weiterhin zu erkennen: Das Risiko an einer Diabetes-Spätfolge zu sterben war signifikant um 9 % (p = 0,04), das Risiko an Komplikationen der kleinen Gefäße zu erkranken signifikant um 24 % (p = 0,001), verringert.

Erfreulich waren aber besonders die neuen Ergebnisse der Langzeitbeobachtung nach Ablauf der 10-Jahres-Studie: Diese ergaben in der Gruppe der Patienten, die während der Interventionsstudie eine intensive Therapie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin erhielten

  • eine 15 %ige Risikominderung einen Herzinfarkt zu erleiden (p = 0,01) sowie
  • eine um 13 % geminderte Gesamtsterblichkeit (p = 0,007).

Für die Metformingruppe ergaben sich keine neuen Ergebnisse, jedoch blieben auch hier die schon bekannten Risikominderungen weiter bestehen:

  • ein um 21 %  verringertes Risiko an einer mit Diabetes zusammenhängenden Komplikation zu versterben (p = 0,01)
  • eine 33 %ige Minderung des Herzinfarktrisikos (p = 0,005)
  • 27 % weniger Gesamtsterblichkeit (p = 0,002)

Fazit:
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Menschen mit Typ 2 Diabetes von einer frühzeitig einsetzenden straffen Blutzuckereinstellung profitieren und sie so einem geringeren Risiko ausgesetzt sind, mikrovaskuläre Komplikationen zu erleiden. Wie die hier vorgelegte 10-jährige Nachbeobachtungsstudie zeigt, wird im Langzeitverlauf sichtbar, dass eine gute Blutzuckereinstellung auch zu einem signifikant verminderten Risiko für makrovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtsterblichkeit führt.

Die Autoren betonen auch, dass die Therapie von Bluthochdruck sowie der Fettstoffwechselstörung beim Typ 2 Diabetes keines Falls vernachlässigt werden dürfe und wichtig zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei.


Jana Vogler, Online-Redaktion Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
Prof. Dr. med. W. A. Scherbaum, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Quellen: 
Holman RR, Paul SK, Bethel MA, Matthews DR, Neil HA: 10-Year Follow-up of Intensive Glucose Control in Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2008, Epub ahead of print
UK Prospective Diabetes Study (UKPDS) Group:  Intensive blood-glucose control with sulphonylureas or insulin compared with conventional treatment and risk of complications in patients with type 2 diabetes (UKPDS 33). Lancet 1998; 352: 837-53.

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