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Kontinuierliche Glukosemessung senkt HbA1c bei Erwachsenen mit Typ 1 Diabetes

(06.10.2008) Moderne Technologie macht es heute möglich, den Blutzuckerspiegel in kurzen Zeitabständen zu bestimmen und dadurch ein fast kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) zu erreichen. Gemessen wird zwar der Zuckerspiegel in der Gewebeflüssigkeit durch eine unter die Haut eingeführte Sensornadel, dieser korreliert aber recht gut mit dem Zuckerspiegel im Blut. Von den gesetzlichen Krankenkassen wird diese Technologie bisher nur in begründeten Einzelfällen erstattet.


CGM

Kontinuierliches Glukose-Monitoring
Foto: Dallimore

Aussagekräftige wissenschaftliche Studien, die den zusätzlichen medizinischen Nutzen des kontinuierlichen Glukosemonitorings untersuchen, gab es bisher nicht. Die erste Studie dieser Art wurde jetzt vom New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie wurde von der Juvenile Diabetes Research Foundation International gefördert und an zehn Zentren in den USA durchgeführt.

Insgesamt nahmen 322 Patienten im Alter von acht bis 72 Jahren daran teil. Alle Teilnehmer hatten seit mindestens einem Jahr Diabetes und nutzten intensivierte Insulintherapie mit Insulinpumpen oder mehrmaligen täglichen Injektionen.

Vor Studienbeginn mussten sie in einem Vorlauftest erst einmal beweisen, dass sie mit der Technik des CGM umgehen konnten. War dies der Fall, wurden sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt:

  • eine Gruppe wendete die neue Technik des kontinuierlichen Glukosemonitorings an (CGM-Gruppe),
  • die andere bestimmte den Blutzucker wie gewohnt durch mehrmalige tägliche Messungen (Kontrollgruppe).

Die Studie dauerte 26 Wochen, wobei die HbA1c-Werte mehrmals gemessen wurden. Zu Beginn der Studie hatten die Patienten HbA1c-Werte zwischen sieben und zehn Prozent. Da das Alter der einzelnen Teilnehmer einen sehr starken Einfluss auf das Ergebnis hatte, wurde die Analyse in drei separaten Altersklassen (8 bis 14 Jahre, 15 bis 24 Jahre, über 24 Jahre) durchgeführt.

Dies sind die Endergebnisse der Studie:

  • In der Gruppe der über 24-Jährigen führte das CGM zu einer statistisch signifikanten Senkung (durchschnittlich -0,53 %) des HbA1c-Wertes
  • In der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre gab es keinen signifikanten Unterschied im HbA1c zwischen CGM-Gruppe und Kontrollgruppe
  • Auch in der Altersgruppe 8 bis 14 Jahre kam es in der CGM-Gruppe zu keiner signifikanten Verbesserung der Blutzuckereinstellung
  • In der CGM-Gruppe kam es zu keinem erhöhten Auftreten von Hypoglykämien, wobei die Zahl der Teilnehmer aber zu gering war, um dies definitiv ausschließen zu können

Bei der Interpretation dieser Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass es wesentliche Unterschiede in der Compliance zwischen den drei Gruppen gab. In der Gruppe der über 24-Jährigen hatten 83 % den Glukosesensor an mindestens sechs Tagen pro Woche angelegt. In der Gruppe der 8 bis 14-Jährigen schafften dies nur 50 % und in der Gruppe der 15 bis 24-Jährigen gar nur 30 %.

Fazit:
Kontinuierliches Glukosemonitoring kann bei Erwachsenen, die motiviert und mit der Technologie gut vertraut sind, zu einer Verbesserung der Stoffwechseleinstellung beitragen. Warum dies bei Kindern und Jugendlichen nicht der Fall ist, sollte Gegenstand künftiger Forschung und Intervention sein.


Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Tamborlane WV, Beck RW, Bode BW et al. Continuous Glucose Monitoring and Intensive Treatment of Type 1 Diabetes. N Engl J Med, published online at www.nejm.org on September 8, 2008 DOI: 10.1056/NEJMoa0805017

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