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Mehr Gallensteine bei Insulinresistenz

(08.09.2008) Schätzungen zufolge leiden Typ 2 Diabetiker zwei- bis dreimal häufiger unter Gallensteinen als Menschen ohne Diabetes. Hierfür wurde bisher das meist gleichzeitig vorliegende Übergewicht verantwortlich gemacht. Eine Forschungsarbeit aus den USA hat jetzt einen weiteren Mechanismus entdeckt, der die hohe Gallensteinrate bei Diabetespatienten erklären könnte: Im Mittelpunkt steht die Insulinresistenz an den Leberzellen.


Gallensteine

Insulinresistenz ist eine der grundlegenden Störungen beim Typ 2 Diabetes. Man versteht darunter das verminderte Ansprechen auf das Hormon Insulin, das ganz bestimmte „Anweisungen“ an die Körperzellen gibt: Bei erhöhten Blutzuckerwerten, zum Beispiel nach einer Mahlzeit, sorgt Insulin dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen geschleust und hier zur Energiegewinnung genutzt wird. Dabei dockt Insulin an spezielle Rezeptoren in der Zellwand an, wodurch eine aufwendige Signalkette innerhalb der Zelle in Gang gesetzt wird. Ein genau aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel verschiedenster Eiweiße ermöglicht es, dass das Insulinsignal von der Zellwand in das Zellinnere weitergeleitet und dort in bestimmte Aktionen umgesetzt wird. Bei Insulinresistenz ist die Weiterleitung dieser „Befehle“ gestört.

Wissenschaftler um Sudha Biddinger von Joslin Diabetes Center in Boston haben die Wirkung einer Insulinresistenz an der Leber bei genetisch veränderten Mäusen untersucht. Den Tieren fehlten die Insulinrezeptoren an den Leberzellen, so dass das Hormon Insulin hier nicht mehr wirken konnte. Nachdem die Mäuse eine Woche lang mit einer besonders fettreichen Nahrung gefüttert wurden, bildeten sich bei jedem dritten Tier Gallensteine. Bei den „normalen“ Mäusen ohne Insulinresistenz war hingegen kein einziges Tier betroffen. Nach drei Monaten „Fett-Diät“ hatten alle genetisch veränderten Mäuse mit Insulinresistenz Gallensteine entwickelt.

Biddinger und ihre Kollegen konnten zeigen, dass durch die Insulinresistenz ein Protein namens FOXO1 in den Leberzellen aktiviert wird. Zum einen stimuliert FOXO1 die Leber zu einer vermehrten Glukoseneubildung, so dass der Blutzucker weiter ansteigt. Zum anderen hemmt FOXO1 die Gallensäurebildung, während gleichzeitig mehr Cholesterin in die Gallenblase ausgeschieden wird. Die Folge: Das Gleichgewicht von Gallensäuren und Cholesterin gerät durcheinander. Gelangt zuviel Cholesterin in die Galle, kristallisiert es aus und es bilden sich Gallensteine heran. Diese können im Laufe der Zeit an Größe zunehmen und schließlich Beschwerden verursachen.

Die Studienergebnisse bestätigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Typ 2 Diabetes, Insulinresistenz und Gallensteinrisiko gibt. Von den aktuellen Erkenntnissen zu FOXO1 erhoffen sich die Wissenschaftler nun Ansätze für neue Behandlungsmöglichkeiten. Als nächstes wäre die interessante Frage zu klären, ob sich umgekehrt durch eine Verringerung der Insulinresistenz auch die Häufigkeit von Gallensteinen reduzieren lässt. Weitere Untersuchungen zu diesem Thema werden auf jeden Fall mit Spannung erwartet.   


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Biddinger SB, Haas JT, Yu BB et al. Hepatic insulin resistance directly promotes formation of cholesterol gallstones. Nature Medicine 2008; 14: 778-782

 

 

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