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Traditionelle mediterrane Diät senkt Diabetesrisiko

(03.09.2008) Viele Studien haben bereits gezeigt, dass eine regelmäßige gesunde Mittelmeerkost zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen kann. Wohlgemerkt, es handelt sich hierbei nicht um die im heutigen Mittelmeerraum gebräuchliche Ernährungsweise, sondern um die traditionelle mediterrane Kost mit einem hohen Anteil an Obst, Gemüse, Pasta, Hülsenfrüchten, Olivenöl und Fisch, einem geringen Anteil an Fleisch und Milchprodukten und moderatem Alkoholgenuss.





Foto: DAK/Wise

Der protektive Effekt beruht wahrscheinlich auf einer hohen Aufnahme von Ballaststoffen und pflanzlichen Fetten sowie einem niedrigen Anteil an Transfettsäuren und mäßigem Alkoholgenuss, v. a. in Form von Wein. Aus der Tatsache, dass eine gesunde Mittelmeerdiät zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt, kann man schließen, dass dies auch für das Auftreten von Diabetes zutrifft. Dies ist allerdings bisher noch nicht eindeutig durch wissenschaftliche Studien bewiesen.

Forscher von der Universität von Navarra in Spanien haben nun den Zusammenhang zwischen mediterraner Kost und der Entwicklung von Typ 2 Diabetes in einer prospektiven Beobachtungsstudie erneut untersucht. Die Studienpopulation bestand aus früheren Absolventen der Universität von Navarra und examinierten Krankenschwestern. Insgesamt wurden von 1999 bis 2007 18700 Teilnehmer im Alter von 20 bis 90 Jahren für die Studie rekrutiert. Die durchschnittliche Beobachtungszeit pro Person betrug 4,4 Jahre. Personen mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden von der Analyse ausgeschlossen. Alle Teilnehmer füllten zu Studienbeginn und dann alle zwei Jahre einen detaillierten validierten Fragebogen zu Essensauswahl und Portionengröße aus. Der Fragebogen wurde dahingehend ausgewertet, wie sehr die Essensauswahl einer gesunden Mittelmeerdiät entsprach und mit einem Score von 0 (minimale Entsprechung) bis 9 (maximale Entsprechung) bewertet.

Dies sind die Ergebnisse, die für Alter und Geschlecht sowie für zahlreiche andere Faktoren (familiäre Diabetesbelastung, Body-Mass -Index, Rauchen, sportliche Betätigung etc.) adjustiert wurden:

  • Insgesamt wurden 33 neue Fälle von Typ 2 Diabetes identifiziert und medizinisch bestätigt
  • Strikte Einhaltung einer mediterranen Diät (Score von 7-9) ging einher mir einer 83-prozentigen Reduktion des Risikos an Typ 2 Diabetes zu erkranken
  • Eine Erhöhung des Scores um jeweils zwei Punkte war begleitet von einer relativen Risikominderung von 35 %

Eine Limitation der Studie ist, dass die Gesamtzahl von 33 neu aufgetretenen Diabetesfällen sehr klein war und damit die statistische Auswertung erschwert wurde. Die Studienteilnehmer hatten zudem ein hohes Bildungsniveau und lebten sehr gesundheitsbewusst, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung einschränkt.

Fazit:
Diese prospektive Beobachtungsstudie legt nahe, dass eine gesunde mediterrane Diät, die reich an Obst, Gemüse, Pasta, Hülsenfrüchte, Olivenöl und Fisch und arm an Fleisch und Milchprodukten ist, das Risiko für Typ 2 Diabetes verringern kann.


Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Martinez-Gonzales M, de la Fuente-Arrillaga C, Nunez-Cordoba J et al. Adherence to Mediterranean diet and risk of developing diabetes: prospective cohort study. British Medical Journal published online 29 March 2008;
Doi:10.1136/bmj.39561.501007.BE

 





Expertenkommentar von Frau Dr. med. Monika Toeller,

Mitglied der European Diabetes and Nutrition Study Group der EASD,
Leiterin des Nutrition Co-Ordinating Centre der EURODIAB Complications Study.

Die Studie von Martinez-Gonzales und Ko-Autoren bestätigt einmal wieder, dass eine Kost mit einem hohen Ballaststoffanteil und günstigen insbesondere einfach ungesättigten  sowie Omega-3-Fettsäuren gesundheitliche Vorteile hat. Sowohl das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen als auch für die Entstehung von Typ 2 Diabetes kann bei einer solchen Ernährung deutlich gesenkt werden. Es lohnt sich also täglich Obst und Gemüse sowie häufiger Hülsenfrüchte zu verzehren, bei der Fettauswahl pflanzlichen Ölen (z.B. Olivenöl oder Rapsöl) den Vorzug zu geben und  mindestens 2-mal pro Woche Fisch zu essen. Dies entspricht einer Kost, die heute von den Fachgesellschaften generell als gesundheitlich vorteilhaft empfohlen wird. Dabei lässt sich auch ein Glas Wein zum Essen genießen, wenn keine Kontraindikationen hierfür vorliegen.

Die günstigen Auswirkungen einer Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse zur Risikominderung der Entstehung von Typ 2 Diabetes wurde kürzlich auch von Bazzano und Mitarbeitern in der Ausgabe von Diabetes Care im Juli 2008 in einer großangelegten Studie bei Krankenschwestern aus den USA beschrieben. Hier zeigt sich zudem zusätzlich, dass der Verzehr von Früchten nicht ohne weiteres durch Fruchtsäfte ersetzt werden kann. Eine einleuchtende Erklärung für diesen Befund lautet: Mit Fruchtsäften gelingt die empfohlene hohe Ballaststoffaufnahme nicht. Zusätzlich ist nicht immer gesichert, dass zwischen reinem Fruchtsaft und gezuckerten Fruchtsaftgetränken und Fruchtnektar unterschieden wird. Letztere bedeuten eine relativ hohe Belastung mit sogenannten schnell verfügbaren Zuckern.

 

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