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Diabetes schadet dem Gehör

(25.08.2008) Es ist schon lange bekannt, dass durch erhöhte Blutzuckerspiegel die Augen Schaden nehmen können. Regelmäßige Untersuchungen des Augenhintergrundes bei Diabetikern sind daher längst Standard. Das Gehör jedoch wird häufig stiefmütterlich behandelt und selten untersucht. Nach einer aktuellen US-amerikanischen Studie könnte sich das nun ändern, denn auch das Gehör kann unter Diabetes leiden.




Einschränkungen des Gehörs sind weit verbreitet. Betroffen sind insbesondere ältere Menschen und Personen, die einer chronischen Lärmbelastung in der Freizeit oder im Beruf ausgesetzt sind. Ob auch Diabetiker ein erhöhtes Risiko für Hörschädigungen haben, das untersuchte das Forscherteam um Kathleen E. Bainbridge im Rahmen einer großen repräsentativen Studie (NHANES 1999 - 2004).

5140 Erwachsene im Alter zwischen 20 und 69 Jahren unterzogen sich zur Klärung dieser Frage freiwillig einer audiometrischen Untersuchung (Gehörprüfung).
Den Probanden wurden bei dieser Untersuchung Töne unterschiedlicher Frequenzen und Lautstärke vorgespielt. Für die Diagnostik wurden zwei Frequenzbereiche festgelegt: ein niedrig- (500 bis 2000 Hz) und ein hochfrequenter Bereich (3000 bis 8000 Hz). Über die Lautstärke in Dezibel wurde eine Hörschwelle in beiden Frequenzbereichen ermittelt. Eine Schwelle ab 25 Dezibel wurde als milde Einschränkung der Hörleistung definiert, eine Schwelle ab 40 Dezibel als schwere Hörminderung.

Das Ergebnis:
Nach Berücksichtigung des Alters wurde bei 21,3 Prozent der 399 Erwachsenen mit Diabetes im niedrigfrequenten Bereich eine milde bis schwere Hörminderung auf dem schlechteren Ohr entdeckt. Bei den 4741 Erwachsenen ohne Diabetes waren es nur 9,4 %.
Im hochfrequenten Bereich lag der Anteil beeinträchtigter Probanden bei den Diabetikern sogar bei 54,1 % gegenüber 32 % bei den Teilnehmern ohne Diabetes. Der Unterschied blieb auch nach Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren für eine Minderung der Hörleistung wie z.B. eine hohe Lärmbelastung, eine gehörschädigende Medikation oder das Rauchen bestehen.

Als Ursache vermuten die Forscher durch hohe Blutzuckerspiegel ausgelöste Veränderungen im Gehör, die von den Nieren, den Augen oder bei einer peripheren Nephropathie bekannt sind – dabei handelt es sich zum einen um eine Verdickung der  kleinen Blutgefäße, zum anderen um einen Schwund der Insolierschicht, welche die Nerven umhüllt (Demyelinisierung). Auch genetische Ursachen werden diskutiert, die sowohl Diabetes als auch das Gehör betreffen. Dafür in Frage kommende Genorte wurden jedoch bislang nicht identifiziert.

Aufgrund der hohen Prävalenz (Häufigkeit des Vorkommens) von Einschränkungen der Hörleistung bei Diabetikern sprechen sich die Autoren für Hörtests aus, die allen Betroffenen angeboten werden sollten.

Teresa Tamayo, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Bainbridge K. E. et al., Diabetes and Hearing Impairment in the United States: Audiometric Evidence from the National Health and Nutrition Examination Survey, 1999 to 2004. Annals of Internal Medicine 2008; 149 (1)

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