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Niedrigere Zielwerte für Blutdruck und LDL Cholesterin beeinflussen Arterioskleroseentwicklung

(25.06.2008) Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Verantwortlich dafür sind vor allem kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Die Kontrolle dieser Risikofaktoren hat in der Diabetesbehandlung neben einer guten Blutzuckereinstellung höchste Priorität.




Arteriosklerotisches Gefäß
Foto: DAK

Von den medizinischen Experten werden, basierend auf epidemiologischen Daten und Studiendaten, Zielwerte für Blutdruck und Blutfette festgelegt, die erreicht werden sollten. 
Insbesondere epidemiologische Daten der indianischen Bevölkerung Nordamerikas, in der Diabetes besonders häufig vorkommt, weisen auf einen engen Zusammenhang zwischen LDL Cholesterin (das „schlechte“ Cholesterin), Bluthochdruck und dem gehäuften Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall hin. Diese Daten legen die Hypothese nahe, dass eine weitere Senkung der Zielwerte für Blutdruck und LDL Cholesterin durchaus zu einer Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse führen könnte.

Diese Hypothese wurde nun in einer randomisierten Studie im Südwesten der USA untersucht. An der Studie nahmen 500 über 40 Jahre alte Amerikaner/innen indianischer Abstammung mit Typ 2 Diabetes teil. Sie hatten noch keine Begleit- oder Folgeerkrankungen und es waren auch keine vorausgegangenen vaskulären Ereignisse bekannt.

Nach dem Zufallsprinzip wurden zwei gleich große Gruppen gebildet. Für eine Gruppe wurden die Zielwerte nach den Empfehlungen der amerikanischen Diabetesexperten definiert (systolischer Blutdruck von 130 oder darunter, LDL Cholesterin von 100 mg/dl oder niedriger). Für die andere Gruppe wurden wesentlich aggressivere Zielwerte festgesetzt und zwar ein systolischer Blutdruck von 115 oder darunter und ein LDL Cholesterin von 70 mg/dl oder niedriger. Falls diese Zielwerte nicht durch Änderungen des Lebensstils allein erreicht werden konnten, wurden Medikamenten eingesetzt.

In beiden Gruppen wurden bei der Mehrzahl der Patienten die jeweils gesetzten Ziele auch erreicht. Insgesamt wurde jeder Patient über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg therapiert und beobachtet. Da dieser Zeitraum für die Entwicklung einer ausgeprägten Arteriosklerose meist zu kurz ist, wurde zur Messung der Arterioskleroseentwicklung die Dicke der inneren Arterienwand herangezogen. Dies ist eine der frühen Veränderungen, die aber in den meisten Fällen noch keine wahrnehmbaren Probleme bereitet (sogenannte subklinische Arteriosklerose). Die Dicke der Arterienwand und der Gefäßquerschnitt wurden bei jedem Studienteilnehmer am Beispiel der Halsschlagader zu Beginn und Ende der Studie gemessen.

Dies sind die wichtigsten und statistisch signifikanten Ergebnisse der Studie:

  • In der Gruppe mit den Standard-Zielwerten kam es zu einer Zunahme der Dicke der Arterienwand und zu einer Verkleinerung des Gefäßquerschnitts, beides charakteristisch für die Entwicklung einer Arteriosklerose.
  • In der Gruppe mit den niedrigeren Zielwerten kam es dagegen zu einer Verringerung der Arterienwanddicke und damit zu einer Rückbildung der Arteriosklerose.

Während des dreijährigen Beobachtungszeitraumes kam es nur zu wenigen kardiovaskulären Ereignissen ohne statistisch signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen. Auch was die Häufigkeit von Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung mit Blutfettsenkern betrifft, wurden in den beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede beobachtet. Allerdings traten bei der medikamentösen Blutdruckbehandlung in der Gruppe mit den niedrigeren Zielwerten Nebenwirkungen häufiger auf. 

Fazit:
Hier wurde in einer randomisierten Studie erstmals gezeigt, dass eine aggressivere Einstellung von Blutdruck und LDL Cholesterin einen protektiven Effekt auf die großen Arterien haben kann. Dies muss allerdings noch in längerfristigen Studien und unter diverseren Populationen bewiesen werden. 


Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Howard B, Roman M, Devereux R et al. Effects of Lower Targets for Blood Pressure and LDL Cholesterol on Atherosclerosis in Diabetes. JAMA, 2008, 299(14):1678-1689

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