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Konzentration von Resistin bei Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes erniedrigt

(12.06.2008) Das Protein Resistin wird bei schwangeren Frauen von der Plazenta gebildet und freigesetzt. Bisher wurden erhöhte Resistinkonzentrationen im Serum gesunder, schwangerer Frauen in der zweiten Schwangerschaftshälfte nachgewiesen, jedoch blieb die Frage nach einem Zusammenhang von Resistin und einer auftretenden Insulinresistenz während einer Schwangerschaft noch ungeklärt.


Schwangere Frau

Von 100 Schwangeren sind etwa 4 Frauen von einem Gestationsdiabetes betroffen

Spanische Wissenschaftler der Universitäten in Tarragona und Girona präsentierten kürzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift „European Journal of Endocrinology“  ihre Daten zu diesem Thema. Bei Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes wiesen sie niedrigere Mengen an Resistin im Vergleich zu schwangeren Frauen mit normalen Glukosewerten nach. Eine Assoziation von einem Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) und niedrigeren Resistinmengen wurde daher vermutet. Der Nachweis eines Zusammenhanges zwischen der Resistinkonzentration und der Insulinsensitivität während einer Schwangerschaft blieb allerdings ohne Erfolg.   

Der Gestationsdiabetes (GDM) ist eine spezielle Form der Zuckerkrankheit, die sich während einer Schwangerschaft entwickeln kann. Meist tritt sie im letzten Schwangerschaftsdrittel auf und verschwindet unmittelbar nach der Geburt wieder. Betroffen sind meist übergewichtige Frauen sowie Schwangere, in deren Familien bereits einmal ein Typ 2 oder sogar ein GDM aufgetreten ist. Bei der Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes spielt das Insulin eine entscheidende Rolle. Es ist dafür verantwortlich, dass Glucose vom Blut in die Zellen gelangt und sorgt so für eine Senkung des Blutzuckerspiegels. Während der Schwangerschaft braucht die Mutter aufgrund des veränderten Stoffwechsels mehr Insulin. Kann die Bauchspeicheldrüse diesen erhöhten Bedarf an Insulin nicht liefern, so entsteht ein Diabetes.

Bei Resistin handelt es sich um ein Hormon, dass von Fettgewebe produziert wird. Die physiologische Rolle des Vermittlerstoffes wird vielfach diskutiert, insbesondere der mögliche Einfluss bei Fettleibigkeit und Typ 2 Diabetes. Bekannt ist, dass bei Fettleibigkeit die Konzentration von Resistin im Serum ansteigt. Weiterhin wird durch einige Studie belegt, dass ein positiver Zusammenhang zwischen den ansteigenden Resistinkonzentrationen und der bei Fettleibigkeit auftretenden Insulinresistenz besteht. Wie ist die Situation während einer Schwangerschaft? Bei schwangeren Frauen steigen die Resistinmengen im letzten Drittel der Schwangerschaft an. Aufgrund dieser Tatsache wurde postuliert, dass Resistin eine Rolle bei der Entwicklung einer Insulinresistenz im Verlauf der Schwangerschaft und bei der Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes spielen könnte.

Um den Einfluss von Resistin bei der Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes zu untersuchen, evaluierte das spanische Forscherteam die Resistinkonzentrationen und die Insulinsensitivität bei Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zu Frauen ohne GDM in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Auch wurden die Resistinmengen bei Frauen mit GDM nach der Geburt bestimmt. An der von Megia und Kollegen durchgeführten Studie nahmen 58 schwangere Frauen teil und wurden einem oralen Glucosetoleranztest unterzogen. Bei 23 Frauen wurde ein GDM diagnostiziert, die übrigen 35 Frauen wiesen normale Blutzuckerwerte auf.    

Die Untersuchungen brachten bei Frauen mit GDM signifikant (p < 0,001) niedrigere Resistinkonzentrationen im Vergleich zu den Frauen mit normalen Glukosewerten zutage. Auch nach der Geburt wurde der Abfall der Resistinmengen in der Gruppe der Frauen mit GDM bestätigt. Nach Durchführung statistischer Analysen konnten die Forscher ferner festhalten, dass der Zusammenhang zwischen niedrigen Serum Resistinmengen und der Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes unabhängig vom Grad der Insulinsensitvität war.  

Fazit:
Frauen, die unter einem Schwangerschaftsdiabetes leiden, weisen im Vergleich zu gesunden schwangeren Frauen niedrigere Resistinkonzentrationen auf. Das Gewebe der Plazenta scheint großen Einfluss auf die Resistinmengen während einer Schwangerschaft zu nehmen. Obwohl kein Zusammenhang zwischen Resistinmenge und Insulinsensitivität gefunden wurde, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die genaue Rolle von Resistin während einer Schwangerschaft zu klären und die Beteiligung bei der Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes näher aufzuklären.


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Megia A, Vendrell J, Gutierrez C et al. Insulin sensitivity and resistin levels in gestational diabetes mellitus and after parturition. European Journal of Endocrinology 158: 173-178, 2008

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