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Die STRADIVARIUS-Studie: Neue Daten für Rimonabant

(25.04.2008) Rimonabant ist ein Medikament, das mithelfen soll, bei schwerem Übergewicht abzunehmen. Studien in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Substanz außerdem weitere Herzkreislauf-Risikofaktoren – vor allem Parameter des Metabolischen Syndroms – günstig beeinflusst. Ein Studienteam um den US-Wissenschaftler Steven Nissen ist jetzt der Frage nachgegangen, ob das Medikament neben der Gewichtsreduktion möglicherweise auch das Forschreiten der Arteriosklerose verlangsamen kann.





Foto: DAK

Die Ergebnisse der Studie wurden vor wenigen Tagen auf dem 57. Jahreskongress des American College of Cardiology (ACC) in Chicago, USA, vorgestellt. Das Medikament Rimonabant ist in Deutschland seit knapp zwei Jahren zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht zugelassen. Die Substanz hemmt die Wirkung körpereigener Cannaboide und damit auch das Hungergefühl. Frühere Studien haben gezeigt, dass Rimonabant außerdem das gefäßschützende HDL-Cholesterin anhebt, während die Werte der gefäßschädigenden Triglyzeride abnehmen. Übergewicht (vor allem die überflüssigen Pfunde um den Bauch herum) und ungünstige Fettwerte erhöhen das Arteriosklerose-Risiko und damit die Wahrscheinlichkeit für schwere Herzkreislaufkrankheiten. Im Rahmen einer Studie haben deshalb Wissenschaftler um Steven Nissen untersucht, ob Rimonabant das Forschreiten der Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen (Koronarien) aufhalten kann.

An der Studie nahmen 839 übergewichtige Patienten in 112 Studienzentren aus Nordamerika, Europa und Australien teil. Die Patienten erhielten 18 Monate lang nach dem Zufallsprinzip (doppelblind randomisiert) entweder Rimonabant (20 mg/Tag) oder ein Scheinmedikament (Plazebo). Im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung vor und nach den 18 Monaten Therapie machten die Untersucher Ultraschallbilder von den Wänden der Koronarien: Mit Hilfe dieser so genannten intravaskulären Ultraschalluntersuchung (IVUS) lässt sich bestimmen, in welchem Ausmaß die Arteriosklerose in einem Herzkranzgefäß vorangeschritten ist. Hierfür wird das so genannte Atheromvolumen in einem bestimmten Gefäßabschnitt gemessen.

Die ERGEBNISSE: Im Vergleich zur Plazebogruppe hatten die Patienten unter Rimonabant in dem 18-monatigen Beobachtungszeitraum ihr Gewicht um durchschnittlich 4,5 kg und ihren Bauchumfang um 4,8 cm reduziert. Gleichzeitig stieg das HDL-Cholesterin an, während die Triglyzeride und das C-reaktive Protein gesenkt wurden. Das relative Atheromvolumen – der primäre Endpunkt der Studie – nahm in der Plazebogruppe stärker zu als bei den Rimonabant-behandelten Patienten (0,51 % vs. 025 %; p = 0,22). Allerdings war dieser Unterschied statistisch nicht signifikant. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich hingegen beim normalisierten gesamten Atheromvolumen (TAV), dass sich unter Plazebo vergrößert und unter Rimonabant verkleinert hatte (0,9mm³ vs. -2,2mm³; p = 0,03).

Das FAZIT der Studienautoren: Die Ergebnisse der STRADIVARIUS-Studie liefern zwar keine eindeutigen Belege, aber immerhin Hinweise darauf, dass Rimonabant möglicherweise einen günstigen Einfluss auf das Fortschreiten der Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen hat. Um diese Frage abschließend zu klären, sind weitere große Studien notwendig und auch bereits geplant.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Nissen SE, Nicholls S, Wolski et al. Effect of Rimonabant on Progression of Atherosclerosis in Patients With Abdominal Obesity and Coronary Artery Disease. The STRADIVARIUS Randomized Controlled Trial. JAMA 2008; 299:1547-1560

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