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ONTARGET-Studie: Die wichtigsten Ergebnisse

(16.04.2008) Eine große Studie mit mehr als 25.000 Patienten hat die Blutdrucksenker Ramipiril und Telmisartan miteinander verglichen und auch eine gemeinsame Gabe beider Medikamente geprüft. Die mit Span   nung erwarteten Ergebnisse stellte der Studienleiter Salim Yusuf vor wenigen Tagen auf dem internationalen Herzkongress ACC in Chicago, USA, vor. Zeitgleich wurden die Ergebnisse in der renommierten Wissenschaftszeitschrift ‚The New England Journal of Medicine’ veröffentlicht.


Herz

Herz-Kreislaufkrankheiten sind in Deutschland die Todesursache Nummer eins

Herzkreislaufkrankheiten sind nach wie vor bei uns die Todesursache Nummer eins. Ein ganz entscheidender Risikofaktor ist dabei der Bluthochdruck. Eine Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten soll dazu beitragen, Herzkreislaufereignissen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzreislauftod vorzubeugen. Zwei bekannte Medikamentengruppen zur Blutdrucksenkung sind die so genannten ACE-Hemmer (hierzu gehört Ramipiril) und die Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten (z. B. Telmisartan). Die Wirksamkeit beider Substanzen wurden in einer großen internationalen Studie – der ONTARGET-Studie – einzeln und in Kombination untersucht.

Die Ontarget-Studie (The Ongoing Telmisartan Alone and in Combination with Ramipril Global Endpoint Trial) wurde in 733 Studienzentren in 40 Ländern durchgeführt. Die Koordinierung des Megaprojekts hatte die McMaster Universität in Hamilton, Kanada, übernommen. An der Untersuchung nahmen Patienten mit einer bekannten Herzkreislauferkrankung oder einem fortgeschrittenen Diabetes mellitus (Diabetes mit Endorganschaden) teil: Von den untersuchten Männern und Frauen, die alle über 55 Jahre alt waren,  wiesen bei Studienbeginn 85 Prozent eine Herzkreislauferkrankung, 69 Prozent einen Bluthochdruck und 38 Prozent einen Diabetes auf.

Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip (doppelblind randomisiert) einer der drei folgenden Behandlungsgruppen zugeteilt: Therapie mit Ramipiril 10mg/Tag (8.576 Patienten), Therapie mit Telmisartan 80mg/Tag (8.542 Patienten) oder eine Kombinationstherapie mit beiden Medikamenten (8.502 Patienten). Das Hauptaugenmerk richtete sich auf die Frage, wie viele Fälle mit Herzkreislauftod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krankenhauseinweisung wegen Herzschwäche im Beobachtungszeitraum auftraten (so genannter kombinierter primärer Endpunkt). Die Beobachtungszeit betrug im Median 56 Monate.

Die ERGEBNISSE: Vor Beginn der Studie lag der Blutdruck im Durchschnitt bei 142/82 mmHg. Im folgenden Behandlungs- und Beobachtungszeitraum wurde der Blutdruck in der Telmisartan-Gruppe (-0,9/0,6 mmHg) im Mittel ganz leicht und in der Kombinationstherapie-Gruppe (-2,4/1,4 mmHg) etwas stärker gesenkt als bei den Ramipiril-behandelten Patienten. Ein Ereignis im Sinne des oben beschriebenen primären Endpunkts trat bei insgesamt 16,5 Prozent der Patienten in der Ramipiril-Gruppe und bei 16,7 Prozent der Patienten in der Telmisartan-Gruppe auf. Bei den Nebenwirkungen wurden wie erwartet Husten (4,2 % vs. 1,1 %; p < 0,001) und Angioödeme (0,3 % vs. 0,1 %; p = 0,01) in der Ramipiril-Gruppe häufiger berichtet. Angioödeme sind flüchtige, oft massive Schwellungen, die meistens Lidregion oder Lippen betreffen, oft aber auch andere Hautregionen und innere Organe. Bei den Telmisartan-behandelten Patienten wurden häufiger Schwindelsymptome beobachtet.

Überraschend waren für die Studienärzte die Ergebnisse der Kombinationsbehandlung mit Ramipiril plus Telmisartan: Der primäre Endpunkt wurde mit 16,3 Prozent ähnlich häufig erreicht wie bei der Behandlung mit einer der beiden Einzelsubstanzen. Allerdings war die Nebenwirkungsrate in dieser Gruppe erhöht. Im Vordergrund standen eine Funktionsminderung der Nieren (renale Dysfunktion; 13,5 % vs. 10,2 % in der Ramipiril-Gruppe; p < 0,001) und das Auftreten von Synkopen (Ohnmachtsanfälle; 0,3 % vs. 0,2 % in der Ramipiril-Gruppe; p = 0,03).

Das FAZIT der Studienautoren: Telmisartan und Ramipiril sind bei der Blutdrucksenkung und bei der Verringerung von Herzkreislaufereignissen etwa gleich wirksam. Die seltene – aber unter Umständen gefährliche – Nebenwirkung des Angioödems trat unter Ramipiril etwas häufiger auf. Die Kombination beider Substanzen erhöht die Nebenwirkungsrate, ohne dass die Patienten im Hinblick auf eine bessere Wirksamkeit profitieren: Trotz einer etwas stärkeren Blutdruckabsenkung um systolisch 2-3 mmHg (dies sollte eigentlich einer Risikoreduktion von etwa 4-5% entsprechen) zeigte sich während der 56-monatigen Beobachtungszeit bei den Herzkreislauf-Endpunkten für die Kombinationsbehandlung kein Vorteil gegenüber einer Einzelbehandlung mit Ramipiril oder Telmisartan.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Yusuf S, Teo KK, Pogue J et al. for the ONTARGET investigators. Telmisartan, ramipril, or both in patients at high risk for vascular events. N Engl J Med 2008; 358:1547-1559

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