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Schwangerschaftshypoglykämien bei Typ 1 Diabetes

(27.05.2008) Der medizinische Fortschritt ermöglicht es heute Frauen mit Typ 1 Diabetes, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Allerdings ist eine optimale Einstellung des Blutzuckers mittels intensivierter Insulintherapie oder Insulinpumpentherapie eine unabdingbare Voraussetzung dafür. Das Streben nach optimalen Blutzuckerwerten erhöht leider auch das Risiko für das Auftreten schwerer Unterzuckerungen.




Bei schwangeren Frauen mit Typ 1 Diabetes treten Hypoglykämien häufiger auf als vor der Schwangerschaft

Es ist bereits bekannt, dass bei Frauen mit Typ 1 Diabetes schwere Hypoglykämien in der Frühschwangerschaft wesentlich häufiger auftreten als vor der Schwangerschaft. Dies wurde aber noch nicht in prospektiven Studien hinreichend untersucht. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Dänemark hat kürzlich eine derartige Studie aufgelegt und insgesamt 108 Frauen mit Typ 1 Diabetes in einer zweijährigen prospektiven Beobachtungsstudie untersucht.

Die Studie wurde an einem Zentrum für schwangere Frauen mit Diabetes in Kopenhagen durchgeführt. Es wurden nur Frauen mit Einlingsschwangerschaften und ohne signifikante Zweiterkrankungen in die Studie aufgenommen. Blutzuckerselbstbestimmungen wurden mindestens sieben Mal am Tag durchgeführt und in einem Tagebuch festgehalten. Die teilnehmenden Frauen wurden alle sechs Wochen untersucht und interviewt, u. a. auch zu ihrer Fähigkeit, Hypoglykämien rechtzeitig wahrzunehmen. Nach jeder Episode einer schweren Hypoglykämie wurde zudem ein Telefoninterview durchgeführt. Eine schwere Hypoglykämie wurde definiert als eine akute Unterzuckerung, zu deren Überwindung die Hilfe durch eine andere Person notwendig war, entweder um Kohlenhydrate oral zu geben oder Glukose oder Glukagon zu injizieren.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Beobachtungstudie sind folgende:

  • 45 % der Frauen hatten während der Schwangerschaft eine oder mehrere schwere Hypoglykämien. Insgesamt traten 178 Episoden schwerer Hypoglykämie auf, von denen sich 80 % vor der 20. Schwangerschaftswoche ereigneten, mit einem Höhepunkt während der 9. Woche.
  • 33 % der Frauen hatten mindestens eine schwere Unterzuckerung in dem der Schwangerschaft vorausgehenden Jahr.
  • Etwa die Hälfte der schweren Hypoglykämien ereigneten sich während des Nachtschlafs, und zwar sowohl während der Schwangerschaft als auch vorher.
  • Nur zwei Faktoren konnten sich als Prädiktoren für schwere Hypoglykämien ermittelt werden:
    • Schwere Unterzuckerungen im Jahr vor der Schwangerschaft
    • Eine eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmung
  • Frauen mit diesen beiden Charakteristika (Unterzuckerungen vor der Schwangerschaft und eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmung) hatten ein dreifach erhöhtes Risiko für schwere Unterzuckerungen verglichen mit Frauen ohne diese Charakteristika.

Die Studienärzte ziehen aus diesen Ergebnissen die Schlussfolgerung, dass es wichtig ist, Frauen mit erhöhtem Risiko für schwere Hypoglykämien frühzeitig zu identifizieren, um dann ein individuelles Monitoring und eine Therapieoptimierung einzuleiten, z. B. mit Insulinpumpentherapie und/oder kontinuierlichem Glukosemonitoring.

Fazit:
Schwere Hypoglykämien treten bei schwangeren Frauen mit Typ 1 Diabetes am häufigsten während der Frühschwangerschaft auf. Prädiktoren dafür sind schwere Hypoglykämien vor der Schwangerschaft sowie eine eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmung.

Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de
Quelle: Ringholm Nielsen L, Pedersen-Bjergaard U, Thorsteinsson B, et al. Hypoglycemia in Pregnant Women With Type 1 Diabetes. Diabetes Care 2008; 31:9-14

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