Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
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Welche Beschwerden bestehen bei den Erkrankungen des vegetativen Nervensystems (autonome Neuropathie)?

Antwort von Prof. Dr. med. Dan Ziegler, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf, Oktober 2002:

Die autonome Neuropathie kann nahezu jedes Organsystem befallen und zeichnet sich durch ein buntes Bild von Störungen aus. Glücklicherweise treten ausgeprägte Beschwerden bei diesen Erkrankungen relativ selten und in der Regel erst nach langer Diabetesdauer auf. Eine Übersicht der wichtigsten Beschwerden an den verschiedenen Organen zeigt die folgende Tabelle:

Organ bzw. Organsystem

Typisches Beschwerdebild

Herz-Kreislaufsystem

Ständig erhöhter Herzschlag in Ruhe

Blutdruckabfall und Schwindel beim Aufstehen

Speiseröhre, Magen

Schluckstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl

Unterzuckerung nach Mahlzeiten

Dünndarm

Durchfälle, vorwiegend nachts

Dickdarm

Verstopfung, Blähungen, Völlegefühl

Harnwege und Geschlechtsorgane

Verlust des Blasenempfindens mit spätem Einsetzen des Harndrangs;

Blasenüberfüllung

Schwacher Urinstrahl

Potenzstörungen

Hormonhaushalt

Verminderte oder fehlende Wahrnehmung der Unterzuckerung durch fehlende Gegenregulation

Pupille

Gestörte Pupillenreflexe

Schweißdrüsen

Trockene, rissige Haut im Fuß-/Unterschenkelbereich Vermehrtes Schwitzen während der Mahlzeiten

Fuß

Neuropathisches Geschwür

Schwellung

Fehlstellungen und Schwund der Knochen


Viele der genannten Symptome können auch bei anderen Erkrankungen der betroffenen Organe auftreten, welche der Arzt ausschließen muß. Die Veränderungen am autonomen Nervensystem entwickeln sich langsam und schleichend. Durch den Einsatz neuer Untersuchungsmethoden ist es heute jedoch möglich, Funktionsstörungen noch vor der Ausbildung von Beschwerden zu erfassen.

Dies ist vor allem für die autonomen Nervenstörungen am Herz-Kreislaufsystem wichtig, da Diabetiker mit solchen nachgewiesenen Veränderungen beispielsweise ein erhöhtes Risiko tragen, während der Narkose stärkere Blutdruckabfälle zu erleiden und einen stummen (beschwerdefreien) Herzinfarkt durchzumachen.

Leider ist auch die Lebenserwartung der Patienten mit erheblichen Beschwerden im Rahmen der autonomen Nervenerkrankung etwa um das fünffache herabgesetzt. Umso wichtiger ist die Früherkennung dieser Störungen, um rechtzeitig das weitere Fortschreiten zu verhindern.

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