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Verdauungsorgane und Diabetes

Es gibt zahlreiche Verbindungen und Zusammenhänge zwischen Erkrankungen der Verdauungsorgane und der Zuckerkrankheit. Die weniger guten Nachrichten zuerst:


PD Dr. med. Baptist Gallwitz

PD Dr. med. Baptist Gallwitz

Zum einen können sich Folgererkrankungen des Diabetes am Magen-Darm-Trakt bemerkbar machen und zu Beschwerden führen, zum anderen findet man einige Erkrankungen der Verdauungsorgane bei Patienten mit Diabetes gehäuft. Ein "happy end" ist jedoch auch am Horizont: es zeichnen sich neue Behandlungsmöglichkeiten der Zuckerkrankheit ab, die durch Fortschritte und neue Erkenntnisse der Gastroenterologie, der Lehre der Erkrankungen der Verdauungsorgane, entwickelt wurden.

1. Eine Störung der Eingeweidenerven, die Magen und Darm versorgen, kann bei über lange Zeit schlecht eingestellter Zuckerkrankheit auftreten. Die Magenentleerung sowie die Beweglichkeit und Aufnahmefähigkeit des Darms werden hierdurch gestört; Beschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall können Folgen sein ebenso wie stark schwankende Blutzuckerwerte.

2. Der zweite große Themenkomplex zu gehäuft auftretenden Erkrankungen der Verdauungsorgane bei Menschen mit Diabetes sind die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse führen oft zur Entstehung einer Zuckerkrankheit, bei deren Behandlung einige spezielle Dinge bezüglich der einsetzbaren Medikamente, der Ernährung u.a. zu beachten sind. Bei Menschen mit Übergewicht und Zuckerkrankheit ist das Darmkrebsrisiko erhöht. Risikofaktoren sind hier insbesondere Ernährung und Bewegungsmangel.

Es bestehen weiterhin Zusammenhänge zwischen der Entstehung eines Typ 1 Diabetes und Darmerkrankungen mit Unverträglichkeit z. B. von Getreidebestandteilen (Zöliakie).

Seit langem ist bekannt, dass der Typ 1 Diabetes durch eine fehlgesteuerte Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems ausgelöst wird. Der Darm, der mit seiner großen Schleimhautoberfläche zur Außenwelt ebenfalls ein großes wichtiges Organ des körpereigenen Abwehrsystems darstellt, gerät zunehmend ins Visier, an der Entstehung eines Typ 1 Diabetes möglicherweise beteiligt zu sein.

3. Der dritte Themenkreis befasst sich mit neuen Behandlungsmethoden besonders des Typ 2 Diabetes ("Alterszucker"). Das GLP-1 ist ein Hormon, das Ende der 80er Jahre im Darm entdeckt wurde. Es normalisiert erhöhte Blutzuckerwerte ohne das Risiko, Unterzuckerungen hervorzurufen. In ersten klinischen Behandlungsversuchen nahmen die mit GLP-1 behandelten übergewichtigen Patienten auch ab und waren weniger hungrig. GLP-1 muss wie Insulin gespritzt werden, es ist jedoch viel einfacher dosierbar. Da GLP-1 selbst in der Blutbahn nach dem Spritzen schnell innerhalb weniger Minuten abgebaut wird, kommen für die Behandlung des Typ 2 Diabetes eher künstlich hergestellte Abkömmlinge des GLP-1 mit längerer Verweildauer im Körper (hiervon sind einige derzeit in klinischer Prüfung) oder ein anderes Darmhormon mit gleichem Wirkmechanismus in Betracht.


Priv.-Doz. Dr. med. Baptist Gallwitz, Medizinische Klinik IV, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Dieser Beitrag wurde zuletzt im Januar 2005 aktualisiert

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