Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
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Welche Diabetes-Sonderformen gibt es und wie kann man sie von einem "normalen Typ 1 oder Typ 2 Diabetes unterscheiden?

Antwort von Prof. Werner A. Scherbaum, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Klinik, zuletzt aktualisiert im März 2005:

Etwa 95 % aller Diabetesfälle sind dem Typ 2 oder Typ 1 Diabetes zuzurechnen.
Zunächst muss der Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) davon abgetrennt werden. Diese Diabetesform tritt in der Schwangerschaft erstmals auf und verschwindet in der Regel nach der Geburt des Kindes. Bei diesen Frauen besteht jedoch ein hohes Risiko für die definitive Entwicklung eines Typ 2 oder auch Typ 1 Diabetes in den darauffolgenden Jahren.

Weitere Sonderformen des Diabetes mellitus beinhalten eine große Liste von Krankheiten einschließlich genetischer Defekte der insulinproduzierenden Zellen, Erkrankungen der gesamten Bauchspeicheldrüse, endokriner (Hormon-) Erkrankungen oder von Medikamenten-Nebenwirkungen. Hier seien zwei wichtige Beispiele genannt: Dem früher als MODY (Maturity onset diabetes of the young) bezeichneten Diabetes liegen genetische Störungen zugrunde, die isoliert mit einem Diabetes mellitus (aber keiner weiteren Erkrankung) verbunden sind und die familiär vererbt werden.

Falls eine solche Diabetesform in Erwägung gezogen wird, so können wir dazu am Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut auf Grund einer Genanalyse die genaue Diagnose stellen. Ein weiteres Beispiel für sonstige Diabetesformen ist das sogenannte Cushing-Syndrom, bei dem das Hormon Cortison entweder vermehrt gebildet wird oder auf Grund verschiedener Krankheiten therapeutisch verabreicht wird. Dies führt häufig zum Auftreten eines Diabetes mellitus, der nicht leicht zu behandeln ist, jedoch meist nach Absetzen des Hormons wieder verschwindet. Allerdings kann auch bereits ein Diabetes vorliegen; die Blutzuckereinstellung wird dann durch eine solche Cortisontherapie meist verschlechtert, so dass medikamentös nachgesteuert werden muss.

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