Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ Düsseldorf
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Behandlung der Unterzuckerung


Orangensaft

Zunächst unterscheidet man leichte und schwere Unterzuckerungen, die einer jeweils unterschiedlichen Behandlung bedürfen.

Leichte Unterzuckerungen kann der Patient selbst behandeln, bei einer schweren Unterzuckerung ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Spätestens bei einem Blutzuckerwert von 50 mg/dl sollten jedoch Maßnahmen eingeleitet werden.

Was kann der Patient vorbeugend tun?

  • Grundsätzlich immer Traubenzucker griffbereit halten
  • Durch regelmäßige Blutzuckermessungen das Risiko für eine Unterzuckerung verringern, um auf diese Weise eine optimale Anpassung der Insulin- und Tablettendosis zu erreichen
  • Zwischenmahlzeiten einführen, um so starke Schwankungen der Blutzuckerwerte zu vermeiden

Speziell für insulinbehandelte Diabetiker ist zu empfehlen:

  • Die Insulindosis nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt insgesamt so einstellen, daß keine Unterzuckerungen auftreten
  • Immer eine Glucagon-Spritze bei sich tragen und auch auf Reisen mitnehmen (und vor allem seine Angehörigen und Freunde im Gebrauch der Glucagon-Spritze unterweisen!)
  • Bei sportlichen Aktivitäten immer zusätzliche Kohlenhydrate z.B. Dextro-EnergenÒ bereithalten und vor (und bei vielen Patienten auch noch lange nach) geplanten stärkeren körperlichen Belastungen die Insulin-Dosis verringern
  • Wenn die Blutzuckerwerte insgesamt sehr niedrig liegen, sollte eine erneute Einstellung der Insulindosis erfolgen (nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt)

Leichte Unterzuckerung - Die Behandlung durch den Patienten selbst

Die leichte Unterzuckerung kann von dem Patienten selbst behandelt werden, wenn Symptome wie Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen, plötzlicher Heißhunger, Kribbeln der Finger und Lippen, Blässe und Angst auftreten. Diese Symptome müssen nicht alle auftreten und sind individuell verschieden.
Gegen eine leichte Unterzuckerung helfen dann in der Regel ein bis zwei Stück Traubenzucker. Dies entspricht etwa 10-20 Gramm Glucose. Alternativ kann auch ein Glas Fruchtsaft helfen. Man muß jedoch darauf achten, daß diesen Säften keine künstlichen Süßstoffe zugesetzt wurden wie z.B. in Diätsäften. Am besten sind in diesem Fall die Fruchtsaftgetränke. Fruchtsaft enthält 100 Prozent Frucht, Fruchtsaftgetränk enthält 50 Prozent Frucht und der Rest ist vor allem Zucker. Auch Cola enthält sehr viel Zucker und kann daher den Blutzucker erhöhen.
Patienten, die eine Unterzuckerung bemerken, sollten immer folgende Regel beachten: Erst essen, dann messen und schließlich überlegen, wie es zu dieser Unterzuckerung kommen konnte und wie man diese in Zukunft vermeiden kann.
Das Risiko, daß sich aus einer leichten eine schwere Unterzuckerung entwickelt, ist groß. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist der Patient aufgrund eigener Hilflosigkeit (Verwirrtheit, Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung oder gar Bewußtlosigkeit) nicht mehr in der Lage, selbst Gegenmaßnahmen zu ergreifen, und ist dann auf die Hilfe Dritter angewiesen.

Schwere Unterzuckerung - Die Behandlung durch den Arzt

Schwere Unterzuckerungen sind dadurch gekennzeichnet, daß die Patienten sich selbst nicht mehr helfen können. Im Falle einer schweren Unterzuckerung mit Bewußtlosigkeit muß grundsätzlich der Notarzt verständigt werden. Dieser kann dann Glucose intravenös verabreichen. Wichtig für eine rasche und sichere Diagnosestellung durch den Notarzt ist, daß er von dem Diabetes Kenntnis hat und die Situation auch als schwere Unterzuckerung einschätzen kann. Daher sollte jeder insulinbehandelte Diabetiker stets einen Diabetikerausweis, ein entsprechendes Armband oder eine SOS-Kapsel tragen, damit im Notfall die richtige Behandlung erfolgen kann.

Hilfe durch Angehörige/Freunde

Auch Angehörige oder Freunde die mit dem Diabetes vertraut sind, können im Falle einer schweren Unterzuckerung erste Hilfe leisten. Zuerst sollte versucht werden, dem Patienten Zucker in Form von Traubenzucker-Täfelchen oder Fruchtsaft zuzuführen, und zwar bevor dieser bewußtlos ist. Ist die Bewußtlosigkeit eingetreten, können Angehörige eine Glucagon-Spritze verabreichen, welche z.B. in den Oberschenkelmuskel injiziert wird. Glucagon ist das Gegenhormon des Insulins, welches zu einem raschen (aber nur kurzdauernden) Anstieg des Blutzuckers führt, indem Reservezucker aus Leber und Muskel freigesetzt werden. Wenn der Patient wieder zu Bewusstsein kommt, muß daher unbedingt (trotz eventueller Glucagon-Nebenwirkungen Übelkeit oder Erbrechen) noch zusätzliche Glucose verabreicht werden, z.B. in Form von Traubenzucker-Täfelchen oder Fruchtsaft, um ein erneutes Abfallen des Blutzucker-Spiegels zu verhindern.

Vor allem bei langer Diabetesdauer, aber auch nach starker körperlicher Belastung, Alkohol konsum, nach längerem Fasten oder bei Lebererkrankungen kann es dazu kommen, daß Glucagon den Blutzucker-Spiegel nicht erhöht, da dann keine ausreichenden Glucosespeicher in der Leber mehr vorhanden sind.

Daher sollte im Falle einer schweren Unterzuckerung immer ein Notarzt verständigt werden.
Auch bei schweren Unterzuckerungen, die im Rahmen einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffpräparaten (Tabletten) auftreten können, muß nach Gabe von Glucagon und kurzem Aufwachen mit einer erneuten Bewußtlosigkeit gerechnet werden, so daß unbedingt eine Klinikeinweisung erforderlich ist.

Achtung: Versuchen Sie niemals, einem bewusstlosen Diabetiker zuckerhaltige Flüssigkeit einzuflößen. Wenn die Flüssigkeit anstatt in die Speiseröhre in die Luftröhre gelangt, was aufgrund fehlender Reflexe leicht passieren kann, erstickt der Bewusslose.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im Januar 2005 aktualisiert

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