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Besitzt Kuhmilch in der menschlichen Ernährung eine diabetesfördernde Wirkung?

Antwort von Prof. Dr. med. Hubert Kolb aus dem Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf, inhaltlich zuletzt aktualisiert im Januar 2004:

Eine Kuhmilchprotein-haltige Diät wird als Risikofaktor bei Typ-1- (nicht Typ-2-) Diabetes zur Zeit kontrovers diskutiert. Argumente für einen "diabetogenen" Effekt von Kuhmilchproteinen (Eiweißstoffe wie Kaseine, Molkeproteine oder beide) sind Beobachtungen, dass

  • der globale Nord-Süd-Gradient der Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) von Typ-1-Diabetes grob mit dem regionalen Kuhmilchverbrauch korreliert (in Wechselbeziehung steht)
  • Patienten mit Typ-1-Diabetes zu einem hohen Prozentsatz (40-80 %) im Serum Antikörper gegen verschiedene Kuhmilchproteine aufweisen
  • Antikörper gegen Rinderserumalbumin (aus Molke) mit einem Protein (ICA69, p69) auf Pankreasinselzellen kreuzreagieren (insbesondere gilt dies für die "ABBOS"-Sequenz)
  • eine Korrelation (Wechselbeziehung) von erhöhtem Erkrankungsrisiko und Beginn einer Kuhmilch-haltigen Diät vor dem 3.-4. Lebensmonat besteht. Der diabetesfördernde Effekt von Kuhmilch wäre demnach in der frühkindlichen Lebensphase anzusiedeln
  • eine erste Placebo-kontrollierte Studie, bei der eine Gruppe von Säuglingen erst nach einigen Monaten hyopallergener Ernährung Kontakt mit Kuhmilch-basierter Nahrung hatte, einen Effekt auf die Entwicklung von immunologischen Vorboten des Typ-1-Diabetes beobachtete (weniger häufig Autoantikörper gegen Inselzellen, Auswirkung auf Diabeteshäufigkeit noch unbekannt)

Gegen einen spezifischen Effekt von Kuhmilchproteinen, insbesondere des Molkeproteins Albumin spricht, dass

  • in Tiermodellen des Typ-1-Diabetes neben Kuhmilch viele andere, auch pflanzliche Eiweißstoffe "diabetogen" sind
  • nach unseren Untersuchungen Antikörper gegen das ICA69/p69 Protein nicht gegen die ABBOS-Sequenz gerichtet sind und nicht nur bei Typ-1-Diabetes, sondern auch bei Rheumatoider Arthritis vorkommen
  • erste prospektive Beobachtungsstudien ab Geburt keine Assoziation zwischen Inselzellautoantikörpern (Vorboten des Typ-1-Diabetes) und der Dauer der Stillzeit oder dem Beginn eine Kuhmilch-basierten Säuglingsnahrung beobachteten (allerdings nur kleine Gruppen untersucht und Aussagen über Diabeteshäufigkeit in den Gruppen noch nicht möglich)

Zusammenfassend machen die Untersuchungen an Tiermodellen sowie die beobachteten epidemiologischen Korrelationen (Wechselbeziehungen) wahrscheinlich, ohne beweiskräftig zu sein, dass der frühe Kontakt des Neugeborenen- oder Säuglingsdarms mit fremden Eiweißstoffen das Erkrankungsrisiko bei genetischer Prädisposition für Typ-1-Diabetes erhöht. Die vorhandenen Daten reichen aber nicht aus, um einen besonders starken Effekt von Kuhmilch gegenüber anderen tierischen und pflanzlichen Proteinen (Eiweißstoffen) zu belegen, noch ist die postulierte entscheidende Rolle von Albumin unter den Kuhmilchproteinen gesichert.

Insgesamt scheint der frühkindliche Kontakt mit diätetischen und anderen Antigenen von besonderer Bedeutung für die Prägung des Immunsystems zu sein und Untersuchungen zu diesem Problemkreis sind zu fördern.

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